Annäherung zwischen GM und Opelanern

4. Dezember 2009, 16:36
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Während Opel-Sanierer Nick Reilly vom geplanten Stellenabbau im deutschen Rüsselsheim Abstand nimmt, signalisiert der Betriebsrat Lohnzugeständnisse

Rüsselsheim - Nach einer heftigen Auseinandersetzung über die Zukunft von Opel schlagen die Opel-Mutter General Motors und die Beschäftigten des Autobauers nun einen versöhnlicheren Kurs ein. Während der von GM entsandte Opel-Sanierer Nick Reilly - der im Übrigen Europa-Chef bleibt - am Freitag Abstand vom geplanten Stellenabbau im Entwicklungszentrum Rüsselsheim nahm, signalisierte Betriebsratschef Klaus Franz Bereitschaft für Lohnzugeständnisse.

Beide hatten auf einer Betriebsversammlung am Opel-Stammsitz vor etwa 9.000 Beschäftigten gesprochen und waren danach gemeinsam vor die Presse getreten. Bis vor kurzem hatten sich Reilly und Franz noch einen öffentlichen Kampf geliefert und gemeinsame Auftritte gemieden. Noch vergangene Woche hatte Franz dem Management eine chaotische Unternehmensführung vorgeworfen und mit rechtlichen Schritten gedroht.

Kriegsbeil begraben

Nun scheinen beide ihr Kriegsbeil begraben zu haben: Wenn es um die Zukunft von Opel gehe, hänge sehr viel an der Person von Nick Reilly, sagte Franz. "Er verkörpert für mich New GM." Die Sanierung von Opel wollten die Arbeitnehmervertreter nun gemeinsam mit dem GM-Management angehen.

Die Mitarbeiter seien grundsätzlich zu Zugeständnissen an GM bereit. Er wolle in den Verhandlungen dort ansetzen, wo er in den Gesprächen mit dem Opel-Bieter Magna aufgehört hatte. Mit dem Zulieferer hatten sich die Beschäftigten bereits auf Zugeständnisse über 265 Mio. Euro pro Jahr geeinigt. Berichten zufolge soll davon der größte Teil von der deutschen Belegschaft getragen werden. Hier arbeitet etwa die Hälfte der europaweit 50.000 Mitarbeiter.

Auch Reilly blieb seinen Teil der Versöhnungsrede nicht schuldig. Am Ende der Verhandlungen mit den Mitarbeitern sei die geforderte Umwandlung von Opel in eine Aktiengesellschaft möglich, stellte er in Aussicht. Von diesem Schritt erhofft sich der Betriebsrat mehr Unabhängigkeit für Opel. Zudem solle das Entwicklungszentrum in Rüsselsheim als wichtiger Bestandteil von GM in Europa erhalten bleiben. Nach Angaben von Franz nimmt GM Abstand von dem dort geplanten Abbau von 548 Stellen.

Karten neu gemischt

Österreichs Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, der sich heute in Brüssel mit seinen europäischen Amtskollegen über von Opel austauscht, sieht nach der überraschenden Wende im Sanierungspoker die Karten neu gemischt. Statt einer europäischen Lösung mit Magna gehe es nun mit General Motors "um eine Konstellation mit einem eindeutigen, von außerhalb der EU stammenden Eigentümer, der eine Restrukturierung durchführt. Durch diese Situation hat die öffentliche Hand jetzt eine andere Rolle."

Mitterlehner, der sich nach dem Zusammenbruch des Deals mit Magna verärgert gezeigt hatte, deutete allerdings an, dass es bei Subventionen für Alteigentümer GM klarere Fördermöglichkeiten gebe - der Rahmen der Subventionen bleibe aber der gleiche wie für Magna: GM, das in Wien-Aspern eine Fabrik betreibt, könnte (wie Magna) um staatliche Kredithaftungen nach dem Unternehmensliquiditätssicherungsgesetz (ULSG) ansuchen, darüber hinaus aber auch bei der Förderbank aws (austria wirtschaftsservice) und beim ERP-Fonds vorstellig werden. Nach dem ULSG kann für Haftungen für Kredite von bis zu 300 Mio. Euro angesucht werden (maximal auf fünf Jahre.)

Deutschland komme im Sanierungsanlauf von GM nicht mehr die koordinierende Rolle wie in der Magna-Variante zu, die US-Amerikaner müssten sich direkt mit den einzelnen "Opel-Ländern" ins Einvernehmen setzen , weshalb es vom Ablauf her sogar "weniger Probleme" als bei der Magna-Lösung gebe. (APA)

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