Erholung schwächt sich 2010 ab

4. Dezember 2009, 12:23
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Frühe Rücknahme von Konjunkturimpulsen gefährdet Aufschwung

Wien - Die Erholung der österreichischen Wirtschaft wird sich auch 2010 fortsetzen, das Tempo wird allerdings nachlassen, da derzeit wenig Impulse erkennbar sind, so die Ökonomen der Bank Austria. Auch mittelfristig sei nicht mit einem rein exportgetriebenen Aufschwung zu rechnen. Zu frühe Rücknahmen der Konjunkturimpulse würden den Aufschwung schwächen. Derzeit kommt die Erholung der Wirtschaft flott voran: Der Konjunkturindikator der Bank Austria hat im November erstmals seit 13 Monaten den negative Bereich verlassen und ist auf Null gestiegen, nach minus 0,4 im Oktober.

"Die Verbesserung der Stimmung auf breiter Front hat unseren Konjunkturindikator aus dem Minus geholt", sagte Bank-Austria-Vorstand Helmut Bernkopf am Freitag bei einer Pressekonferenz. Für das 4. Quartal erwartet die Bank Austria ein Wachstum von rund 0,5 Prozent. Die etwas stärkere wirtschaftliche Erholung im 2. Halbjahr 2009 führe auch zu einem etwas stärkeren Wachstum im Jahresschnitt von 2010.

Stärkstes Quartal bereits vorbei

"Wir erwarten nun ein Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent für 2010", so Bernkopf. Damit bleibe Österreichs Wirtschaft im kommenden Jahr deutlich unter ihren Möglichkeiten und das stärkste Quartalswachstum in diesem Aufschwung "dürften wir im dritten Quartal heuer bereits hinter uns haben."

Für 2010 erwarten die Bank-Austria-Ökonomen nur beim Maschinenbau eine erkennbare Belebung, das Produktionsniveau bleibt jedoch deutlich unter den Werten von 2008. Der Maschinenbau musste in der Krise einen Einbruch von rund 20 Prozent hinnehmen. Abermals rückläufig dürfte sich 2010 die Bauwirtschaft entwickeln, allerdings musste die Bauwirtschaft dank der staatlichen Maßnahmen 2009 "nur" einen Einbruch von real 5 Prozent verkraften.

2010 werde es erneut einen leichten Konjunkturimpuls vom Export geben. Allerdings bleibe dieser so wie viele andere Konjunkturimpulse bescheiden. "Da keine Rückkehr zu einer Welt mit enormen Leistungsbilanzdefiziten erwartet wird, können Überschussländer wie Österreich auch mittelfristig nicht mit einem rein exportgetriebenen Aufschwung rechnen", so der Chefvolkswirt der Bank Austria Stefan Bruckbauer.

Gedämpfte Aussichten

Aber auch für andere Konjunkturstützen seien die Aussichten gedämpft. Die weiterhin hohen Überkapazitäten, die bevorstehende Konsolidierung der öffentlichen Haushalte und die in der Krise gestiegene Sparneigung verhindern deutliche Konjunkturimpulse in naher Zukunft. Trotzdem gehen die Bank-Austria-Ökonomen davon aus, dass sich der Aufschwung auch 2010 fortsetzten werde, allerdings mit nur langsamen Tempo von unter 0,5 Prozent Wachstum pro Quartal.

Risiko für die Konjunktur sei vor allem ein "zu früher Ausstieg aus den wirtschaftlichen Impulsen". Aus heutiger Sicht werde die Fiskalpolitik 2010 nochmals expansiv und die Geldpolitik zumindest neutral wirken. Danach seien jedoch dämpfende Effekte unvermeidlich. "So positiv sich die Wirtschaftspolitik in der Krise bemerkbar gemacht hat, so negativ wird der Ausstieg für das Wachstum", sagte Bruckbauer. So kostet eine Zinserhöhung um 3 Prozentpunkte rund 1 Prozentpunkt Wachstum. Die Rückkehr der öffentlichen Haushalte zu ihrem Saldo vor der Krise sei ohne selbsttragenden Aufschwung - der derzeit nicht in Sicht ist - nur schwer möglich. (APA)

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