"Wir werden die Afghanen nicht allein lassen"

4. Dezember 2009, 17:24
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Die Verbündeten der USA schicken mindestens 7000 zusätzliche Soldaten

"Es werden noch mehr werden", versicherte Nato-Generalsekretär Rasmussen beim Außenministerrat in Brüssel.

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Brüssel/Kabul - Es war eines der "wichtigsten Treffen" von Ländern, die am Einsatz der Nato in Afghanistan beteiligt sind. So sah es Anders Fogh Rasmussen am Freitag, als die Außenminister der Allianz und die dem Bündnis assoziierten Regierungsvertreter auseinandergingen. Insgesamt 25 Länder hätten sich an der Verstärkung der Truppen beteiligt, rechnete der Generalsekretär der Nato vor, mindestens 7000 zusätzliche Soldaten würden die Europäer schicken. Und: "Es werden noch mehr werden."

Nicht alle Staaten machten ihre Zusagen aber auch sofort publik. Nach Italien (1000), Polen (600) und Georgien (900) meldete Belgien am Freitag 30 Soldaten für die Truppenaufstockung, die Washington gefordert hatte. Gefragt, ob sich auch Frankreich und Deutschland beteiligen, antwortete Rasmussen ausweichend, es habe "Andeutungen" über zusätzliche Beiträge von Nato-Verbündeten und Partnerländern in den kommenden Wochen und Monaten gegeben. Ein Nato-Diplomat sagte, die künftige stärkere Orientierung der Amerikaner weg vom Militäreinsatz hin zum zivilen Aufbau mache es den Europäern leichter, den USA zur Seite zu stehen.

Fehlende Ausbilder

Die Nato müsse alles tun, um die Ausbildung von Soldaten und Polizisten voranzutreiben, sagte Rasmussen. Nur dann sei es möglich, die Verantwortung für die Sicherheit in Teilen des Landes bereits im kommenden Jahr an die afghanischen Sicherheitskräfte zu übertragen.

"Übergabe bedeutet nicht Abzug" , sagte Rasmussen. "Wir werden die Afghanen nicht alleine lassen, damit sie wieder in die Hände von Terroristen und Extremisten fallen. Das wird nicht passieren." Er fügte hinzu: "Es gibt keinen Zweifel, dass es schwierig wird. Niemand sollte sofortige Ergebnisse erwartet. Aber mit dem richtigen Herangehen und den richtigen Ressourcen können wir Erfolg haben." US-Präsident Barack Obama hatte in einer Rede am vergangenen Dienstag das Ergebnis monatelanger Diskussionen über den weiteren Kurs im Afghanistankrieg bekanntgegeben: 30.000 US-Soldaten mehr und ein Beginn des Abzugs im Juni 2011.

Nach Angaben eines Isaf-Sprechers gibt es von 103 im nächsten Jahr benötigten Ausbildungsteams für die Armee bisher nur 62. Für die Polizeiausbildung sind lediglich 16 von 180 Ausbildungsteams vor Ort. US-Außenministerin Hillary Clinton warnte davor, eine klare Unterscheidung zwischen Kampftruppen und Ausbildern zu sehen. Das sei unrealistisch. "Die beste Art, eine Kampfeinheit zu schaffen, liegt in der Ausbildung während eines Kampfes."

Hinweise auf Bin Laden

Pakistanische und amerikanische Geheimdienste haben erstmals seit Jahren möglicherweise Hinweise auf den Aufenthaltsort von Osama Bin Laden. Ihre Quelle ist ein Taliban-Kämpfer, der von der pakistanischen Armee gefasst wurde. Der Mann sagte aus, er habe erfahren, dass sich Bin Laden in der südostafghanischen Provinz Ghazni aufhält; sie wird von den Taliban kontrolliert. Die westlichen Geheimdienste seien in den ganzen vergangenen sieben Jahren nicht auf eine solche Informationsquelle gestoßen, zitierte die BBC am Freitag einen früheren CIA-Mitarbeiter. (AFP, red/DER STANDARD, Printausgabe, 5.12.2009)

 

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    NATO-Chef Rasmussen.

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    Special Relationship: US-Außenministerin Clinton und ihr britischer Kollege Miliband im Nato-Rat. Beide loben sich gegenseitig.

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