Blechen für das Minus am Konto

4. Dezember 2009, 11:27
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Wer sein Konto überzieht, wird ordentlich zur Kasse gebeten, die Arbeiterkammer fordert nun mehr Schutz für Konsumenten

Wien - Ein Minus am Konto ist nicht nur schlecht für das finanzielle Gewissen, auch zahlen Bankkunden jede Menge Zinsen dafür. Der jüngste Test der Arbeiterkammer (AK) bei 20 Banken zeigt, dass die Überziehungszinsen zwischen 3,9 und 13,25 Prozent liegen, heißt es in einer Aussendung der AK. Durchschnittlich müssen Konsumenten mit 9,5 Prozent rechnen, wenn sie mit ihrem Konto ins Minus kommen. Und das trotz fallender Leitzinsen. "Die Europäische Zentralbank hat seit Herbst 2008 die Leitzinsen laufend gesenkt. Aber die Zinsen für Kontoüberziehungen sind so hoch wie vor einem Jahr", kritisiert AK Konsumentenschützer Christian Prantner.

"Hinzu kommt, dass Banken immer häufiger den Kontorahmen kündigen oder stark reduzieren - und das still und heimlich", sagt Prantner. "Besonders finanzschwache Kunden werden zur Kassa gebeten durch hohe Zinsen und Mahnspesen." Die Banken handhaben es höchst unterschiedlich, ob sie einen Kontorahmen einräumen oder nicht. Es gibt Banken, die automatisch je nach Höhe des Einkommens und der Bonität des Kunden einen Überziehungsrahmen gewähren. Andere Banken wiederum bewilligen einen Kontorahmen nur nach Anfrage des Kunden. Wird der Kontorahmen überschritten, werden zu den ohnehin schon teuren Minuszinsen Überziehungszinsen von fünf Prozent verrechnet.

Beispiele aus der Praxis

Die AK verzeichnete in ihrer Konsumentenberatung Beschwerden von Bankkunden, dass Banken immer häufiger den Kontorahmen kündigen oder drastisch reduzieren - und das plötzlich und nicht einvernehmlich, heißt es in der Aussendung weiter.

Ein Beispiel aus der AK Konsumentenberatung: Herr B. ist langjähriger Kunde bei seiner Bank mit guter Bonität (geregeltes Einkommen, sicherer Arbeitsplatz, lange Beschäftigungsdauer beim selben Arbeitgeber, Eigenheim). Die Bank hat ihm auf seinem Kontoauszug seit Jahren eine Einkaufsreserve vom neunfachen seines Gehalts zur Verfügung gestellt. Diese Einkaufsreserve hat Herr B. nie ausgenutzt, das Konto nicht überzogen. Als Sanierungsarbeiten beim Eigenheim anfallen, nutzt Herr B. den Kontorahmen aus. Nach rund zehn Monaten teilt ihm die Bank lapidar mit, dass der Kontorahmen per 1.1.2010 auf die Hälfte gekürzt wird.

Auch Mahnschreiben einer Bank können ins Geld gehen. Frau S. beschwerte sich in der AK Beratung über Mahnkosten ihrer Bank. Sie hatte ihren Kontorahmen überzogen. Um die Schulden zurückzuzahlen, vereinbarte sie monatliche Raten und kam in Verzug. So kostete sie ein erstes Mahnschreiben 21 Euro, das darauf folgende bereits 37 Euro.

Mehr Schutz

Die AK fordert nun mehr Schutz für Konsumenten. Statt Kündigung des Kontorahmens verlangt die AK von den Banken individuelle faire "Hilfspakete", die sie Kunden mit Zahlungsproblemen anbieten. So soll es realistische Rahmenvereinbarungen geben, Sonderzinsen oder einen Verzicht auf teure Mahnspesen. Bis Sommer 2010 soll in Österreich zudem die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie umgesetzt sein. Der Konsument wird bei der Kontoeröffnung und danach regelmäßig über die Höhe der Sollzinsen informiert. Die AK verlangt, dass auch die Guthabenzinsen bei der Umsetzung der Richtlinie in die Infopflicht einbezogen werden. (red)

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    Zum Haareraufen: Überziehungszinsen sind hoch. Zu hoch, findet die Arbeiterkammer.

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