Börsen-Schlappe für Hochtief

4. Dezember 2009, 16:29
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Hochtief musste den Börsengang seiner Tochter Concessions während der Zeichnungsfrist absagen

Wien - Der Baukonzern Hochtief begründete den Börsenstopp von Concessions mit den "jüngsten Verwerfungen an den internationalen Kapitalmärkten" infolge der Dubai-Krise. Dadurch habe sich das Umfeld entscheidend verschlechtert. Ursprünglich sollte Concessions am Freitag erstmals an der Börse gehandelt werden. Bloß, der Dubai-Schock war an den Börsen schon nach wenigen Tagen kaum noch zu spüren. Der Hochtief-Kurs sank, hat in dieser Zeit dennoch um gut neun Prozent.

Nach Ansicht von Analysten hätte Hochtief den Ausgabekurs um zwei bis drei Euro reduzieren müssen. Der Essener Baukonzern wollte ursprünglich rund 39 Mio. Concessions-Aktien in einer Preisspanne von 24 bis 29 Euro an die Börse bringen und damit etwa eine Milliarde Euro erlösen. "Vielleicht wäre der Preis ohne die Turbulenzen in Dubai gerade noch gegangen. Doch nach dem Schuldenmoratorium in Dubai ist klar gewesen, dass die Anleger einen größeren Preisabschlag zur Preisspanne forderten" , argumentieren Experten. Warnende Stimmen des Marktes habe Hochtief aber ignoriert und auf seinem ursprünglichen Preisvorstellungen beharrt. "Hochtief wollte mit dem Kopf durch die Wand, und das ist schiefgegangen" , sagten Kapitalmarktexperten. "Zwischen 21 und 25 Euro wäre der Deal locker durchgegangen" , so der Tenor. Hochtief habe verkannt, dass der Markt derzeit nicht in der Verfassung sei, in der "alles geht".

Keine Veräußerung unter Wert

Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter argumentierte, dass eine Veräußerung unter Wert für das Management nie infrage gekommen sei: "Unser Anspruch war stets, in keinem Fall unter unseren Wertvorstellungen zu verkaufen. Hochtief hat Concessions mit 1,54 Mrd. Euro bewertet; wollte aber auch nach dem Going-public noch 51 Prozent an der Tochter halten.

Erschwert wurde der Börsengang durch das spezielle Geschäft von Concessions. Hochtief hat in der Tochter seit 2008 das Flughafengeschäft und die sogenannten PPP-Geschäfte (Public Private Partnership) gebündelt. Dort werden für die öffentliche Hand Projekte wie Schulen oder Tunnel gebaut und betrieben. Dieses Geschäft sei schwer zu verstehen, und bei Projekten wie dem Budapester Flughafen sei der zu erwartende Cashflow unsicher, so die Kritik. Zudem wird die "miserable Kampagne" von Hochtief für den Börsengang kritisiert. Den Managern gelang es nicht, die Aktienstory überzeugend zu präsentieren und die Bewertung zu rechtfertigen. (cr, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 5./6.12.2009)

 

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    Hochtief sagt den Börsengang von Tochter Concessions ab.

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