Uni-Proteste Tag 44

Rektor Winckler kann Besetzer nicht umstimmen

4. Dezember 2009, 19:12
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    foto: derstandard.at/eder

    Rektor Winckler spendet für die Audimax-Besetzer.

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    Rektor Winckler versuchte die Jus-Studierenden zur Beteiligung an der politischen Diskussion zu animieren. Mit mäßigem Erfolg. Vielleicht lag es auch an den Fernsehkameras.

Uni-Wien Rektor traf auf Audimax-Plenum: Keine neuen Entwicklungen - Am Vormittag Stellungnahme vor Jus-Studierenden - mit Video

Gestern haben ÖVP-Generalsekretär Fritz Kaltenegger und die Junge ÖVP eine polizeiliche Räumung des Audimax gefordert (derStandard.at berichtete), heute versuchte Georg Winckler, Rektor der Universität Wien, vergeblich mittels Gesprächen die Beendigung der Besetzung herbeizuführen. Aus Sicht der Uni Wien "sind politische Lösungen immer besser" als eine Räumung des Hörsaals.

Um 17.00 Uhr traf der Rektor im vollen Audimax ein. Zur Unterstützung brachte er Vizerektoren, den Uni-Ratsvorsitzenden, den Senatsvorsitzenden und Dekane mit. Im Vorfeld hatte Winckler einen Brief an die BesetzerInnen verfasst, in dem er darauf hinwies, dass die Proteste nicht zielführend seien und enorme Aufwendungen verursachen würden, die letztlich aus der Universitätsreserve des Ministers finanziert werden müssten "und daher nicht bei den Studierenden und Lehrenden ankommen werden".

Vorfall mit Journalist

Vor dem Plenum wies Rektor Winckler darauf hin, dass seine Kompetenzen beschränkt seien und er nicht der Adressat für die meisten der Probleme und Forderungen sei. "Wir müssen die politischen Verantwortlichen miteinbeziehen. Es kann nicht sein, dass die Politik sich hier wieder so rasch zurückzieht." Er ersuchte das Plenum die Besetzungsformen so zu wählen, dass es den Interessen nicht schade. "Ich halte sie alle für sehr fantasievoll. Da müsste es doch andere Möglichkeiten geben", sagte Winckler, der dafür plädierte das Audimax zeitweise wieder freizugeben.

Eine Warnung sprach der Rektor trotzdem aus: "Setzen Sie keine Handlungen, die Ihre Anliegen delegitimieren." Ihm zufolge hat es dieser Tage einen Vorfall gegeben, der möglicherweise auch Konsequenzen haben wird. Ein Journalist der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) soll von BesetzerInnen bedroht worden sein. Rektor Winckler wies darauf hin: "Sobald strafrechtliche Tatbestände vorliegen, kann die Polizei auch unbeauftragt in das Audimax kommen und es räumen."

Audimax-Plenum unzufrieden

Auf die Fragen, die von den BesetzerInnen vorher festgelegt und gestellt wurden (etwa: Warum funktioniert die Kommunikation zwischen Rektorat und BesetzerInnen so schlecht?), antwortete der Rektor nach Meinung des Plenums wenig konkret und nicht zufriedenstellend. Zeitweise gab es Buh-Rufe.

Am Vormittag besuchte Winckler im Wiener Austria-Center die Vorlesung "Einführung in die Rechtswissenschaften und ihre Methoden", um  - wie er sagte - von den Studierenden zu erfahren, ob es ihnen auch am verlegten Veranstaltungsort "gut gehe".  "Wir tun alles, damit sie hier angemessen weiterstudieren können", meinte Winckler vor dem Plenum.

"Der Kern des Protests ist aus Sicht der Uni sicherlich berechtigt", sagte er. Das Betreuungsverhältnis hätte sich über die letzten Jahre gebessert, allerdings würde der eklatante Anstieg der Studienanfänger dieses Jahr um 11 bis 13 Prozent diese Entwicklung wieder zunichte machen, sofern nicht mehr Geld an die Universität gehen würde.

Viele gesellschaftspolitischen Punkte, die im Audimax angesprochen würden, müssten aber laut Winckler eher an das Parlament gerichtet werden. "Manche BesetzerInnen fantasieren, dass das Audimax-Plenum das oberste Organ der Republik ist." 

"Besetzungen rasch beenden"

Mittlerweile, so Winckler, habe die Universität Wien über 600 Lehrveranstaltungen verlegen müssen. Dass der Rektor das Audimax ehestmöglich wieder freigegeben haben will, wurde bei seinem Appell an die angehenden JuristInnen sichtbar, sich doch an politischen Diskussion zu beteiligen und auch zu sagen, dass man lieber wieder im Audimax sitzen würden: "Schweigende Mehrheiten sind ein Problem." Seinen Rat beherzigten die Studierenden allerdings nicht, als der Rektor sie aufforderte, Fragen an ihn zu stellen. Keine einzige Wortmeldung kam aus dem Publikum, dafür Applaus nach seinem kurzen Auftritt während der Lehrveranstaltung.

Demonstration am Samstag

In München macht man es vor: Dort wurde gestern das Audimax an der Ludwig-Maximilians-Universität wieder freigegeben. In den Abendstunden wird es allerdings weiterhin für bildungspolitische Diskussionen benützt.

Morgen, Samstag, wollen die Studierenden in Wien wieder auf die Straße gehen. Um 15 Uhr startet der Protestzug vor dem Westbahnhof, danach führt die Route über die Kaiserstraße zur, Neubaugasse, Josefstädter Straße in Richtung Votiv Park, wo um 18.30 die Abschlusskundgebung stattfinden soll. Die ursprüngliche Route über die für Autos gesperrte Mariahilferstraße wurde von der Polizei kurzfristig abgelehnt. (Teresa Eder/red, derStandard.at, 4.12.2009)

Kommentar posten
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sunnygirl1
 
01
7.12.2009, 14:10
Rektor Winckler

Soll ehebaldigst zurücktreten.
Er hat sich mit Extremisten solidarisiert, und jetzt ist ihm alles aaus der Hand geglitten.
Warum wohl????????
Der hat doch gar keine ehrliche Absicht die Studenten umzustimmen.

also dann ...
01
6.12.2009, 19:59
die UNI _WIEN schwimmt in geld ( ! ) - hr. winckler...geben sie das geld den studierenden z u r ü ck !

per 31.12.09 verfügte die uni-wien
... über 32 mio Kassa- bankg u t h a b e n und
... über ca. 110 mio w e r t p a p i e r e

die UNI`s sind nicht dazu da, umlaufvermögen anzuhäufen - und andererseits -
den studierenden die UNWAHRHEIT zu sagen,
dass es keine geld gäbe.

hr. rektor
- legen sie vorschläge vor, wie sie diese
GEWINNEN / ÜBERSCHÜSSE ( ? ) für die studenten
verwenden wollen.
die UNI`s
- sind kein selbstzweck...,
- g e w i n n - ist kein ziel der hochschulen
...sondern wissensvermittlung und verwendung der geldmittel F Ü R die studierenden !

nehmen sie ihre verantwortung wahr
- oder ttreten sie zurück !!!

also dann ...
00
7.12.2009, 08:40
siehe rechnungsabschluss UNI - Wien, s 114.

http://public.univie.ac.at/index.php?id=6087

sungun
02
6.12.2009, 19:38

Der Weitblick ist halt so eine Sache. Aber es spricht doch für sich, dass der Rektor Winckler 44 Tage braucht, um mit "seinen Studenten" in Kontakt bzw. in den Dialog zu treten.

Delta66
43
5.12.2009, 23:28
Ich verstehe nicht

-warum sich der Rektor dies alles gefallen lässt?
-warum er diese Leute nicht von der Polizei rauswerfen lässt?
-warum er nicht sofort wegen Hausfriedensbruch klagt u. Schadenersatz fordert?
warum er die Studenten nicht vom Studium an der UNI ausschließt?

Es wäre Zeit für die Studenten zu überlegen, ob sie studieren oder Unruhe stiften wollen!

Killer Bunny
24
6.12.2009, 05:38

Genau diese Fragen stelle ich mich seit Jahren. Allerdings in Bezug auf einen Jedermann wie Sie und verschiedensten Ministerien, Institutionen und Firmen. Aber wahrscheinlich kommt Ihnen das Feinbild der "unwilligen" Studenten grad recht, um den Einsturz der bürgerlichen Fata Morgana rings um Sie zu verdrängen. Die Heldentaten von gestern entpuppen sich als Betrug, Misswirtschaft und Schiebereien. Die Unruhe-Stifter müssen sie schon auf der anderen Seite suchen oder machen Sie auch die Hungernden für ihr Leid selbst verantwortlich?

Delta66
21
6.12.2009, 16:40
Fragen Sie doch einmal jene...

Studenten, die durch die Besetzer in ihrem Studienablauf behindert werden, was sie von den "Unruhestiftern" halten, die mit Sicherheit NICHT die Mehrheit der Studenten sind!

Übrigens, ich bin nicht gegen das Streikrecht, aber sollen die Besetzer doch auf der Strasse demonstrieren und nicht den Hausfrieden der UNI brechen u. damit Kosten zu Lasten der Allgemeinheit u. anderer Studenten verursachen!

Killer Bunny
12
6.12.2009, 17:52

Wer lesen kann, braucht die Audimax Vorlesungen normalerweise nicht. Abgesehen davon, sind die meisten Vorlesungen in anderen Räumlichkeiten verlegt worden. Da sich diese Räumlichkeiten wiederum in Staatsbesitz befindet, fallen de facto kaum Mehrkosten an. Um ihnen aber einen Vergleich zu bringen: Durch die äußerst schlecht verhandelte Bankenhilfe (aktuell bei der Hypo und Volksbanken) entgehen dem Staat 438 000 Euro p r o T a g an Zinsen. Bei einem Totalausfall wirds natürlich um ein Vielfaches mehr. Regen Sie sich darüber auch auf?

Der Blablaologe
31
5.12.2009, 23:56

es wäre Zeit, dass die Studenten erkennen, dass die von ihnen produzierte heiße Luft leider genauso bremsend ist wie die Politik.

Aber manche glauben immer noch, dass "Lösungen" (ohne Dialog und konstuktive Ansätze) möglich ist ...

:-/
03
5.12.2009, 18:07
Rektor Winckler wirkt etwas hilflos

Selbst beurteilen: Der Rektor der Uni Wien im Audimax. Die Vizerektorin sitzt still am Podium -- ein trauriges Bild das Rektorat (Ton nach 5:30):

Video: http://www.ustream.tv/recorded/2709316

Delta66
11
6.12.2009, 16:28
Wenn der Hr. Rektor nicht imstande ist

in seinem Haus die Ordnung wiederherzustellen, sollte er es sich überlegen zurück zu treten u. jemanden Platz zu machen, der das Audimax mit mit Hilfe der Polizei räumen läßt u. damit Studenten, die fleissig studieren wollen, dort wieder Platz zu machen!

Übrigens: Die Standard Zensur ist ärgerlich!
 
21
5.12.2009, 15:56
1 Million Euro

Man soll doch nicht so tun, als würden diesen Kosten keine Erträge gegenüberstehen!
Diese Million stellt sich vllt. als die sinnvollste und auch ertragreichste Investition in den Bildungsbetrieb heraus.

Killer Bunny
03
5.12.2009, 17:51

Da haben sie recht. Aber diese Art von Kostenwahrheit geht über den Horizont der meisten hinaus. Alleine die Öffentlichkeitsarbeit hätte bei diesen Ministern wahrscheinlich zig Millionen gekostet und keiner hätt etwas von der Diskussion mitbekommen. Und der Winckler als 0815 System-Ökonom wird das schon gar nicht gelten lassen ohne einen hochdotierten Beirat jahrelang über die Pros and Cons diskutieren zu lassen.

ursus carpaticus
22
5.12.2009, 13:45
Zu Weihnachten

aber spätestens in den langen Semesterferien werden die letzten regulären Studenten abbröckeln.

4th wall commentary
67
5.12.2009, 13:34

Vielleicht sind die Besetzer einfach schon zu lange im Audimax und haben zu viel Zeit damit verbracht, untereinander zu diskutieren, um zu sehen, was außen um sie herum geschieht, und dass ihre Kompromissverweigerung außerhalb des Audimax nicht gut ankommt. Möglicherweise hilft es, einmal eine Woche Abstand zu nehmen und den Stimmen aus der Öffentlichkeit (ist nicht gleich Medien oder Politik) zumindest zuzuhören, lediglich zuhören, nicht darauf hören, aber kritisch zu hinterfragen und nicht mit den selben abgestumpften Argumenten widerlegen zu versuchen. Das ist ein Teufelskreis und man reitet sich immer weiter rein. Ich wünsche ihnen Erfolg, aber vor allem auch Vernunft.

Horstl Schorschl
42
5.12.2009, 14:29
Nur weil du hier deine Meinung Kampf postest, wird sie auch nicht richtiger

4th wall commentary
31
5.12.2009, 14:44

Abgestumpfte Argumente sind mir dabei noch lieber, als gar keine! Wo ist Ihr Argument, oder ist das auch nur Ihre Meinung?

shangl
71
5.12.2009, 14:12
hach ja...

...dein weltbild möcht ich haben...da wär die welt sooo einfach...aber kompliment...ein fpö wähler würde nicht weniger unreflektiert seinen mist zum besten geben

Mike 23
11
5.12.2009, 18:15
Das ist aber ein müdes Totschlagargument.

Michael

Stratocaster
12
5.12.2009, 13:32
Als Student...

...fällt mir auf, dass sich nur ungefähr ein Zehntel der Studierenden in irgendeiner Form an den Protesten beteiligt hat, was bei den angesprochenen Problemen doch sehr verwundert. Scheinbar dürfte hier gerade in aller Öffentlichkeit der traurige Beweis geführt werden, dass die österreichische Zivilgesellschaft wirklich nur aus max. 10% der Bevölkerung besteht.

Für die restlichen 90% gibt es aber auch einen Begriff...

Josef Handt
32
5.12.2009, 14:14

Dass die 90% der Studenten einfach einen Grossteil der (teilweise recht abstrusen) Forderungen der Audimax-Besetzer nicht teilen kommt ihnen nicht in den Sinn?

4th wall commentary
01
5.12.2009, 15:10

Auch wenn man vielleicht viele Forderungen unterstützt...gibt es aber sicher nur wenige Studenten, die mit allen Forderungen übereinstimmen. Es gibt einfach zu viele und einige sind zu Recht utopisch. Man müsste Ziele festlegen, die von allen(!) Studenten mitgetragen werden können. Dazu kommt natürlich noch, dass man mit der Art des Protests nicht übereinstimmt. Dass der Großteil den Protest und eine grundlegende Veränderung aber nicht teilt, dem stimme ich nicht zu.

4th wall commentary
00
5.12.2009, 15:19

"unterstützt" wollte ich sagen ;)

SKA 13
01
5.12.2009, 14:23

was sind denn die teilweise "recht abstrusen" forderungen ihrer meinung nach?

Josef Handt
31
5.12.2009, 14:45

im vorigen post also nur drei punkte,
es fehlt mir platz, zeit und lust mehr aufzuzaehlen, kann sich ja jeder selbst anschauen.

Aber um auf meine urspr. Behauptung zuruckzukommen: 90% der studenten und 99% des mittelbaus und der professoren unterstuetzen die proteste nicht explizit, und zwar nicht weil sie zu feig, faul oder unpolitisch sind, sondern weil sie die Forderungen (zu Recht oder unrecht) fuer abstrus halten.

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