Walchhofer, Cuche in Extra-Liga

3. Dezember 2009, 21:54
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Salzburger und Cuche im Beaver-Abfahrtstraining klar voran - Miller schweigt weiter - Schönfelder mit Knieverletzung out

Beaver Creek - Michael Walchhofer und Didier Cuche haben am Donnerstag das zweite Abfahrtstraining in Beaver Creek klar dominiert. Der Österreicher war in 1:45,36 Minuten um 0,28 Sekunden schneller als der in absoluter Frühform fahrende Weltcupleader aus der Schweiz. Didier Defago als Dritter lag schon mehr als eine Sekunde zurück. Das ÖSV-Team erlitt einen weiteren bitteren Rückschlag, denn Rainer Schönfelder verletzte sich beim vorletzten Sprung und musste mit Verdacht auf eine Meniskusverletzung ins Krankenhaus.

Nach dem verschneiten Sprint-Test vom Vortag ging das zweite Training bei Prachtwetter und vom Originalstart, dafür aber bei Temperaturen von fast 20 Grad minus in Szene. Und obwohl der Kurs auf der Raubvogelpiste deutlich mehr dreht als vergangenes Jahr, setzte Walchhofer gleich wieder den Maßstab.

"Ab dem Mittelteil war es eine perfekte Fahrt von mir, oben habe ich noch Reserven", machte der 34-jährige Abfahrts-Weltcupsieger klar, dass er sich am Samstag dennoch auf einen harten Kampf gefasst macht. "Cuche ist in Superform, es wird also eine Superfahrt von mir brauchen." Der Südtiroler Werner Heel witzelte: "Alle sagen, der Walchi kann keine Kurven fahren und dann knallt er so eine Bestzeit hin!"

Auch Aksel Lund Svindal als Vierter und Bode Miller als Fünfter zeigten auf, dass man mit ihnen rechnen muss. Während der am Bein bediente Norweger freundlich plauderte ("Alleine, dass ich hier auf Ski stehe, ist viel wert"), ließ der seit Saisonbeginn schweigende Miller auch diesmal die wegen Olympia zahlreichen US-Journalisten in der Sonne stehen.

Rainer Salzgeber ("Ich werde mit Bode darüber nochmals reden müssen") von Millers Skiausrüster Head hat mit Millers Schweigen ebenso keine Freude wie das US-Team, in das Miller zurückgekehrt ist. "Er hat eben beschlossen, die Ergebnisse sprechen zu lassen. Wir zwingen niemanden", erklärte US-Medienmann Doug Haney bedauernd. Miller selbst reagierte indirekt und das auch nicht gerade freundlich. Er habe zuvor mit dem Team eine Schulklasse besucht, die Kinder hätten sich ehrlich dafür interessiert, was er denke.

Zweitbester ÖSV-Fahrer im Training war Romed Baummann als Elfter unmittelbar vor Mario Scheiber. Der an Asthma leidende Baumann tat sich bei den eisigen Temperaturen besonders schwer. "So gesehen ist die Leistung sehr okay", meinte der Tiroler, der die letzte Superkombi gewonnen hat und am Freitag in Beaver Creek zu den Mitfavoriten zählt. Vor allem, weil die Kombi-Abfahrt von ganz oben gefahren wird.

Scheiber wiederum denkt gerade nach, sich wegen seines Knorpelschadens im Knie sogar noch schnell operieren zu lassen. "Ich warte jetzt aber mal ab, wie es in Beaver geht und entscheide dann", sagte der Osttiroler.

Sie alle waren längst auf dem Weg ins Hotel, als das Malheur mit Schönfelder passierte. Nachdem man den ins Flachen führenden "Screech Owl-Sprung", bei dem sich am Vortag Teamkollege Max Franz einen Kreuzbandriss zugezogen hatte, komplett abgegraben hatte, bekam der mit Nummer 49 fahrende Kärntner stattdessen beim "Harrier-Sprung" etwas Rückenlage und landete schlecht.

Schönfelder fuhr noch ins Ziel, fiel aber dort zu Boden und musste hinausgetragen werden, nachdem er es selbst nicht einmal auf allen Vieren geschafft hatte. "Ich hab sofort eine Stich gespürt und im Moment große Schmerzen. Ich fürchte, es ist etwas im linken Knie kaputt, auch wenn nichts gerissen sein dürfte", sagte ein am Boden zerstärter Schönfelder, ehe er als nächster Fahrer ins Krankenhaus nach Vail musste.

Nach einer ersten Untersuchung sowie der Auskunft von OSV-Teamärztin Alexandra Reimann stellte sich die Verletzung möglicherweise nur als eine Dehnung des Außenbandes im linken Knie heraus. Der Kärntner entschloss sich nach dieser Diagnose zu einem Verzicht auf eine Magnetresonanz-Untersuchung vor Ort wie auch auf einen Superkombi-Start am Freitag. Stattdessen begab sich Schönfelder auf die Heimreise, will die Untersuchung in der Heimat durchführen lassen.

Schönfelder gehört ohnehin auch schon zu den Langzeitverletzten des ÖSV, nachdem er sich im Oktober 2008 eine schwere Schienbeinverletzung zugezogen hatte und die vergangene Saison vorzeitig beenden musste. Damit war das Antreten in der Superkombi zunächst ebenso äußerst ungewiss wie der Ausgang der internen ÖSV-Qualifikation für die Abfahrt. Die besten Karten könnte Christoph Gruber haben, "obwohl ich mir das nach Lake Louise nicht wirklich verdient habe." (APA)

Ergebnis vom 2. Abfahrtstraining der Herren in Beaver Creek vom Donnerstag (Birds of Prey/2.812 m/85 Starter):

1. Michael Walchhofer (AUT) 1:45,36 Minuten - 2. Didier Cuche (SUI) +0,28 Sekunden - 3. Didier Defago (SUI) 1,06 - 4. Aksel Lund Svindal (NOR) 1,4 - 5. Bode Miller (USA) 1,43 - 6. Carlo Janka (SUI) 1,52 - 7. Yannick Bertrand (FRA) 1,62 - 8. Marco Büchel (LIE) und Steven Nyman (USA) je 1,64 - 10. Werner Heel (ITA) 1,65 - 11. Romed Baumann (AUT) 1,71 - 12. Mario Scheiber (AUT) 1,74. Weiter: 14. Klaus Kröll (AUT) 1,80 - 18. Georg Streitberger (AUT) 1,88 - 27. Hans Grugger (AUT) 2,32 - 30. Christoph Gruber (AUT) 2,47 - 33. Benjamin Raich (AUT) 2,56 - 45. Andreas Buder (AUT) 3,30 - 49. Florian Scheiber (AUT) 3,74 - 57. Joachim Puchner (AUT) 4,18 - 62. Rainer Schönfelder (AUT) 4,42 - 71. Manuel Kramer (AUT) 7,69

 

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    Michael Walchhofer war einer der Dominatoren beim Training in Beaver Creek.

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