Preisgekrönt, aber ohne Geld

3. Dezember 2009, 19:06
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Vereine, die gegen Rassismus, Sexismus und Diskriminierung arbeiten, haben nicht selten ein Geldproblem

Selbst dann, wenn die Gründer mit Preisen überhäuft werden. Drei Beispiele. 

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Wien - "Ich hätte lieber finanzielle Unterstützung als eine Riesen-Show", sagt Beatrice Achaleke. Die Gründerin des Vereins Afra weiß seit Monaten nicht mehr, wie sie ihre Miete zahlen soll - gerade in dem Jahr, in dem sie für ihr Engagement für schwarze Frauen den Global Diversity Innovation Award erhalten hat. 2008 verlieh ihr das Unterrichtsministerium das Bundesehrenzeichen. Und auch andere Preise hat sie bereits erhalten. Doch die nützen Achaleke wenig.

Besonders weh tut der Wienerin mit Kameruner Wurzeln, dass das Bildungsministerium heuer ihr Projekt Mimpol nicht wieder unterstützt. "Gerade wegen des Minarettverbots in der Schweiz wird das Thema Migration im Wiener Wahlkampf besonders präsent sein, und Mimpol ist ein einzigartiges Projekt, das die politische Partizipation von Migranten fördern würde", ärgert sich Achaleke. Auf ihre Anfrage bezüglich 20.000 Euro bekam sie telefonisch eine Absage.

Achaleke ist nicht allein mit ihrem Kampf. Immer wieder bangen Vereine um ihr Bestehen, hängen dabei oft von Förderzusagen für Projekte ab. Nicht selten zieht sich die Entscheidung darüber in die Länge. Auch Zara (Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit) hat heuer, zum Zehn-Jahre-Jubiläum des Vereines, mit Budgetproblemen zu kämpfen. Im November kam ein Aufruf betreffs Spenden und fördernde Mitglieder, weil 15.000 Euro fehlten. Inzwischen ist zumindest mehr als die Hälfte hereingekommen .

Ein Problem weniger hätte der Verein, wenn er nicht in Bezug auf die Unterstützung des Bildungsministeriums "so in der Luft hängen" würde, wie Sprecherin Sonja Fercher schildert. Für Zivilcourage-Workshops mit Schülern und Lehrern wurde vor dem Sommer um insgesamt 70.000 Euro angesucht. Die Antwort: Vorerst könne man wegen Budgetknappheit und weil auch andere Projekte zum Zug kommen sollten keine positive Antwort geben.

Aus dem Büro der Ministerin Claudia Schmied (SPÖ) heißt es, es seien noch keine definitiven Kürzungen für Zara vorgesehen. Es gebe mehrere Vereine, die solche Workshops anböten, und man müsse sich alle Angebote ansehen, bevor man entscheide, erklärt ein Sprecher. Afra wiederum habe diesmal zu spät angesucht - obwohl man heuer beim Thema Migration einen Schwerpunkt setze. Allerdings habe es in dem Bereich schon viele Angebote gegeben. Das projekXchange sei beispielsweise zum Zug gekommen.

Weniger als erwartet hat auch der Verein Efeu 2009 für die Arbeit gegen Sexismus vom Bildungsministerium erhalten. Efeu habe "seit vielen Jahren" eine Basisförderung von 7500 Euro gekommen, heuer waren es um 1500 Euro weniger. "Zum Glück hat diese Lücke Geld vom Bundeskanzleramt gestopft", sagt Renate Tanzberger. Vor allem das lange Warten auf Zusagen des Unterrichtsministeriums sei mühsam. "Bei der Stadt Wien bekommt man Drei-Jahres-Verträge. Das ist besser." (Gudrun Springer, DER STANDARD - Printausgabe, 4. Dezember 2009)

  • Beatrice Achaleke beim Seminar Mimpol, zu dem ihr das Unterrichtsministerium heuer nichts zuschießt.
    foto: afra

    Beatrice Achaleke beim Seminar Mimpol, zu dem ihr das Unterrichtsministerium heuer nichts zuschießt.

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