Zu früh gefreut

3. Dezember 2009, 18:59
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Weil viele Kunden ihre Kaufentscheidung vorgezogen haben, droht 2010 ein harter Absturz - Von András Szigetvari

Als nach dem definitiven Auslaufen der Verschrottungsprämie im vergangenen Sommer die ersten Statistiken über den Automarkt publik wurden, jubelte die österreichische Bundesregierung. Denn von der Prämie profitierten nicht nur etwa jene 30.000 Neuwagenkäufer, denen das Staatsgeschenk direkt zugute kam. Das Abwrackgeld hatte auch einen psychologischen Effekt. Die Prämie hat Autokaufen generell zum Thema gemacht und damit viele Neukunden angelockt. 2009 wird eines der besten Jahre für den österreichischen Autohandel werden.
Doch genau das könnte in Zukunft zum Problem werden. Weil viele Kunden ihre Kaufentscheidung vorgezogen haben, droht 2010 ein harter Absturz. Konsumgüter wie Autos kauft man nicht alle halben Jahre. Autohändler beklagen bereits jetzt eine Flaute, viele sprechen von einem ungewöhnlich starken Rückgang in den vergangenen Wochen. Hinzu kommt, dass 2010 die Arbeitslosigkeit in Österreich weiter ansteigen dürfte, was den Konsum erst recht abwürgen wird.
Die Verschrottungsprämie war nie als nachhaltiges Instrument gedacht. Doch dass sie mitten im Krisenjahr 2009 dem Autohandel die höchsten Verkausfzahlen verschafft, ist eine Anomalie, die sich bald rächen könnte. Zudem haben die Hersteller den Zuschuss dankend entgegengenommen, ohne ihre Produktionspolitik zu ändern. Wohl war: 22,5 Millionen Euro Prämie war im EU-Vergleich nicht übermäßig viel. Bleibt die Frage, ob das Geld nicht besser in der Förderung umweltfreundlicher Technologien angelegt gewesen wäre. (András Szigetvari, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.12.2009)

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