Eine vernüftige Entscheidung

3. Dezember 2009, 18:39
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Die Toleranz ist nur so viel wert wie ihre Motive - von Waltraud Prothmann

Eine Freundin, Hebamme im LKH Salzburg, beklagte sich bitter über das anmaßende Auftreten werdender Väter, wenn ihre Ehefrauen zur Entbindung kommen. Den Frauen werde verboten, mit dem Arzt oder der Hebamme selbst zu sprechen; der Mann beantworte die Fragen. Oft wäre den Frauen auch gar nicht möglich, ihre Symptome zu beschreiben, weil sie kein Wort einer gängigen Sprache beherrschten.

Warum haben gebildetere Leute eine solche Scheu, zu ihrer - vielleicht doch berechtigten - Befremdung zu stehen, wenn Immigranten, die hier leben möchten, sich den Gepflogenheiten unserer westlichen Demokratie gegenüber völlig unangemessen verhalten? Warum artikulieren und diskutieren wir unsere Wünsche und Vorstellungen nicht eingehend und ausdauernd mit den zugezogenen Menschen aus Ägypten, Indonesien, den arabischen Emiraten, etc. auf entsprechendem Niveau? Warum geschieht das so unzureichend und verklemmt?

Wir können es uns nicht leisten und auch nicht verantworten, diese Auseinandersetzung einer niederträchtig agierenden, hemmungslos nationalistischen Truppe zu überlassen, die dieses diffuse Unbehagen für ihre fragwürdigen Ziele missbraucht. Wer mit diesem Pack nichts zu tun haben will, darf dennoch einigen hysterisch vor sich hinfrömmelnden Muslimen eine zeitgemäße Aufklärung entgegensetzen. Ich glaube nicht, dass sich die Schweizer vor einer "Islamisierung" fürchten und ich glaube auch nicht, dass dies in Deutschland oder Österreich der Fall ist. Es geht um etwas anderes, psychologisch recht einfach zu Erklärendes: Es kann gar nicht anders sein, als dass man unangenehm und aufdringlich empfindet, wenn Menschen aus einem anderen Kulturkreis gleich schon mal das Recht auf eine unübersehbare, die einheimischen Bürger belästigende Ausübung ihrer religiösen Überzeugungen fordern.

Was ist von Muslimen zu halten, die ein "Zeichen des Hasses" darin erblicken und mit " blanker Wut" darauf reagieren, dass ein Land, das sie aufgenommen hat, mehrheitlich den legitimen Wunsch verteidigt, von ihrer Religiosität nicht bedrängt zu werden. Was ist so beleidigend an dem Wunsch, sie möge ein wenig diskreter ausgeübt werden? Das Minarett ist die Plattform für den Muezzin und den politischen Islam, der sich zu einer brutalen Unterdrückung der Frauenrechte verstiegen hat, wie es das Christentum zum Glück seit dem Mittelalter nicht mehr wagt. Es scheint eine vernünftige und ethisch durchaus vertretbare Entscheidung der Schweizer zu sein, solche Projekte zu verhindern. (Waltraud Prothmann, DER STANDARD, Printausgabe, 4.12.2009)

Zur Person: Kommunikationspädagogin in Salzburg

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