Feministinnen und Kleiderverbote

03. Dezember 2009 18:38

Neben der Islam-Debatte wäre eine über die europäischen Werte angebracht

Das Burka-Verbot ist also etwas, das man sich laut einer österreichischen Grünpolitikerin "zumindest anschauen" muss. Sie steht in ihrer intellektuellen Verwirrung nicht alleine da in der Politikerlandschaft, aus der man in den vergangenen Tagen als Beitrag zum Minarettverbot in der Schweiz Tiefgründigkeiten wie "Ich höre auch lieber Kirchenglocken als den Muezzin" anhören musste. Das Wundern ist einem schon längst vergangen. Aber das Wünschen nicht - und deshalb sei hier eine Wunschantwort auf die Frage "Wie halten Sie es mit dem Burka-Verbot?" formuliert.

Es antwortet also der Politiker / die Politikerin: "Warum in aller Welt sollten wir uns in diesem Moment, in dem in einem europäischen Land Grundrechte infrage gestellt werden, hier in Österreich erstens mit der völlig irrelevanten Burka und zweitens mit der Frage nach einem weiteren Verbot beschäftigen? Nicht die Burka - deren Trägerinnen übrigens ganz gern profilierungssüchtige westliche Konvertitinnen sind, aber das war jetzt off records - macht mir Angst; mir macht Angst, dass sich Europa sechzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs auf einen Weg begeben könnte, der weg von den Grundlagen einer pluralistischen demokratischen Gesellschaft führt, zu der ja die Gleichbehandlung von religiösen Gruppen unbedingt gehört."

Man könnte meinen, das wäre das Thema: die zukünftige Entwicklung der europäischen Gesellschaften und die Gefährdung der Werte, auf die Europa aufgebaut ist. Stattdessen wird einmal mehr quasi über "den Muslim an sich" gesprochen, kombiniert mit der Situation der Christen im Orient. Nur um die Diskussion nicht führen zu müssen, wie weit es mit unserer eigenen europäischen Liberalität, unserem Humanismus eigentlich her ist.

Bestürzt wird festgestellt, dass die Politik "die Sorgen der Bevölkerung nicht ernst genug genommen hat" . Damit ist die Frage, wie es zu einem Volksentscheid kommen kann, der die Schweiz von ihren völkerrechtlichen Verpflichtungen (Europäische Menschenrechtskonvention) wegführt, offenbar ausreichend beantwortet: Der Islam, die Muslime sind schuld, die diese Sorgen verursachen.

Hier soll nicht etwa ein Ende der kritischen Islam-Debatten gefordert werden, die sind zulässig, gut und notwendig. Aber es muss noch etwas dazukommen. Angewidert wandten sich europäische Liberale von den USA unter Präsident George Bush ab, als dieser nach 9/11 das internationale Recht, aber auch teilweise die Rechte eigener Staatsbürger mit Füßen zu treten begann. Aber das Minarettverbot müssen uns die USA erst einmal nachmachen. So etwas wäre dort völlig undenkbar.

Hier setzt die Sorge, der Verdacht ein: Da Europa historisch die stärkeren illiberalen Traditionen hat, ist es vielleicht auch stärker gefährdet, diese wieder zu verlieren? Liegt da die Erklärung für gewisse Entwicklungen - und nicht nur in "dem Islam" und den "Sorgen der Bevölkerung" ?

Die übliche Antwort - nicht von rechts (die machen sich nicht die Mühe eines Rechtfertigungsdiskurses), aber von links - ist, dass es ja gerade die liberale Gesellschaft zu verteidigen gilt, vor dem antiliberalen Islam. Abgesehen davon, dass es sich oft nicht um "islamische" , sondern um soziale Phänomene handelt, die Anstoß erregen, wäre ein Einhalten angebracht: Wie viel von der eigenen Liberalität steht zur Disposition bei diesem Verteidigungskampf?

Wenn europäische Feministinnen heute für Kleiderverbote eintreten, dann steht der Liberalismus Kopf. Als Abrechnung mit den eigenen Herkunftsgesellschaften mag das ja noch angehen. Vor zehn Jahren hätte man solchen Personen gesagt: "Beruhige dich, wir sind in Europa." In Europa sind wir noch immer, aber in welchem? (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 4.12.2009)

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und ob
 
02.01.2010 17:41

Was ist mit dem Vermummungsverbot, das es seit den sogenannten Donnerstagsdemonstrationen gibt?

Hektor
20.12.2009 00:12
Islam und europäische Werte

Liebe Frau Harrer. Die entscheidende Frage ist, ob der Islam mit den europäischen Werten vereinbar ist. Wenn man den Koran als Grundlage nimmt, fällt meiner Meinung nach die Antwort negativ aus. Von der Scharia ganz zu schweigen. Und wie sie bestimmt wissen, ist die Scharia in mindestens einem Land Europas bereits praktiziertes recht - zumindest in einigen Rechtfällen! Wenn man nicht völlig naiv und verblendet ist, kann man sich leicht vorstellen, in welche Richtung die weitere Entwicklung gehen wird. Da frage ich micht auch, in welchem Europa wir denn überhaupt noch sind!

Der Ruhestifter
11.12.2009 02:17
Es wäre zeit, die schmuddelarragements zu küdnigen

Es gibt in europa ein schmuddeliges arrangement zwischen religiösen und nicht-irren: die einen dürfen glauben, was sie wollen und bekommen offiziell einen besonderen schutz - wenn der papst die lehre von der existenz der dämonen verkündet, darf ich die eigentlich nicht als schwachsinnig 'herabwürdigen'. Aber, und das ist der andere teil des arrangements: in wirklichkeit wird das einerseits nicht exekutiert, andererseits wird religiöser fanatismus öffentlich nicht deklariert.

Dieses schmuddel-arrangement wackelt und die öffentlich getragene burka ist eines der symptome. Die vernünftige antwort wäre, religionen wie den glauben daran zu behandeln, ein spiegelei zu sein: wer will darf, aber es folgen daraus keinerlei rechte.

polizeistaat2.0
09.12.2009 12:13

vor allem die Frage, wie liberal den eine Gesellschaft ist, die zum Schutze ihrer Liberalität staatliche Eingriffe in Grundrechte tätigt.

vanille
10.12.2009 12:11
grundrecht hin oder her

kann ja wohl nicht sein, dass es erlaubt ist, sich quasi eine sklavin zu halten.

Susanne_B
10.12.2009 08:16

Das Grundrecht, seine Frau oder Tochter in ein mobiles Gefängnis zu verbannen, von Ausbildung und zB dem Schwimmunterricht auszuschließen, ist mir unbekannt. Ich hab allerdings auch nur Rechtswissenschaften studiert ....

der_kleine_pariser
 
10.12.2009 21:34

wie wenig frauen gezwungen werden, die burka zu tragen zeigen Zahlen aus frankreich : von den etwa 400 burkatragenden Frauen (welch wahnsinnszahl in einem 60mio-Land) sint 80% konvertitinnen.

ich gehe jetzt aus, ass konvertitinnen erstens freiwillig konvertieren und zweitens sich dann auch freiwillig so ein ding überziehen. ich kann mich in dieser einschâtzung auch irren

Poldi Fesch
10.12.2009 18:16
der Schwimmunterricht

ist eine Fahrlaessigkeit des Gesetzgebers. Das abzustellen waere relativ einfach. Fuer die Verbannung allerdings gibt es keine rechtl. Grundlage. Die Verbannten koennen gehen, wollten sie dies in ausreichendem Masze

Sisu75
09.12.2009 10:30
TEil1

Danke fuer diesen Artikel Frau Harre...er offenbart wunderbar Ihre Gedankenwelt.
Sie wundern sich, dass einige Feministen ein Verbot der Burka verlangen? Feministinen kämpfen fuer die Gleichstellung der Frau mit dem Mann.. Sie haben es geschafft, dass Frauen im westlichen Europa in fast allen Fällen den Männer gleichgestellt sind, in einigen Sachen (Scheidung/Kinder) sogar besser gestellt sind als Männer.

Sisu75
09.12.2009 10:30
Teil2

Nun hält in grossen Schritten eine Kultur in Europa einzug aus Ländern in dem es eine ABSOLUTE Ungleichstellung von Mann und Frau gibt. Frauen haben nicht die selben Rechte vor Gericht, im Berufsleben, beim Reisen, Kleidervorschriften, im Sexualleben. Diese Wertewelt wird selbstverständlich bei der Immigration „mitimportiert“ sowohl von Männer als auch von Frauen. Äusserlich wird diese Ungleichstellung, die Wertewelt und die Ablehnung der westlichen Kultur mit dem Schleier und im extrem Fall eben mit der Burka ausgedrueckt.

Sisu75
09.12.2009 10:30
Teil3:

Es wäre eigentlich selbstverständlich das westliche Feministen die Stellung der Frau in der muslimischen Gesellschaft GENAUSO kritisch betrachten wie in der „westlich-sakulären“.
Aus welchen Grund sollte das nicht geschehen? Aus einer Art possitiven Rassismus? Weil Menschen aus muslimischen Ländern irgendwelche edlen „Wilde“ sind die gar nicht anders können? Es ist vollkommen unverständlich, dass einerseits „westlich-sakuläre“ Männer als frauenfeindliche Machos abgestempelt werden für jedes noch so geringe „Vergehen“, gleichzeitig jedoch das Kritisieren der vollkommene Degradierung der Frau durch die Burka jedoch als „intellektuelle Verwirrung“ bezeichnet wird.

der_kleine_pariser
 
10.12.2009 21:40

eigentlich müsste man es frauen verbieten zum islam zu konvertieren, wenn ich ihrer argumentation folge.

Alkolix
09.12.2009 14:41

und sie wollen jetzt die rechte muslimischer frauen stärken in dem sie den frauen etwas verbieten?

Sisu75
10.12.2009 10:18
ja stellen sie sich das vor! ich wuerde sogar menschenfresser das menschenfresser verbieten! Und falls jemand im Namen der Religion meint Frauen sollen 5 stunden am Tag in einen Käfig gesperrt werden...sogar das! Bin eben eine echte Kulturbanause.

Poldi Fesch
10.12.2009 18:20
hier wollen sie

aber nicht den Menschenfressern das fressen v. Menschen verbieten, sondern den Gefressenen das gedressen werden, schon ein Unterschied

Alkolix
10.12.2009 12:10

eher minderbemittelt wenn sie den doch großen unterschied nicht bemerken...

Dr. Lari and Mr. Fari
 
10.12.2009 12:41
Rechte sind linear

Susanne_B
09.12.2009 08:35

Ein Verbot von Minaretten hat aber nun wirklich ncihts mit einem Verbot von Burkas zu tun. Wer Minarette verbieten will, will Menschen ihre sichtbare Religionsausübung verbieten. Wer aber Burkas verbieten will, will den Frauen, die gezwungen werden, BUrkas zu tragen, helfen und deren Grundrechte stärken. Ein kleiner Blick nach Afghanistan oder so könnte helfen. Aber das ist ja unmodern: unter dem Deckmäntelchen der "Liberalität" werden grundrechte (von Frauen) mit Füßen getreten.

Poldi Fesch
10.12.2009 18:21
nein, maximal

kann man verbieten, dasz jemand jemanden zwingt, das Ding zu tragen und dies IST verboten

marty fink
10.12.2009 12:04
Also ohne Minarett gibt's keine sichtbare Religionsausübung....

lol

Alkolix
09.12.2009 14:42

das gegenteil von gut ist gut gemeint

Susanne_B
10.12.2009 08:17

Leere Phrasen werden Ihnen auch nicht helfen, zu argumentieren, dass es im EInklang mit den grundrechte stehe, eine Frau unter eine Burka zu zwingen.

der_kleine_pariser
 
10.12.2009 21:39

niemand darf jemanden zwingen eine burka zu tragen.

das ist bereits verboten!

Alkolix
10.12.2009 11:58
stellen sie sich blöd?

sowas behauptet ja niemand - und das ist jetzt auchschon eine straftat

es geht um das verbot eine zu tragen - steht im gegensatz zum ideal der freiheit und selbst wenn sie ganz pragmatisch an die sache herangehen wird ein verbot sich für betroffene frauen nicht vorteilhaft auswirken - die werden dann eben eingesperrt...

Henry Flower
09.12.2009 08:15
Wenn europäische Feministinnen heute für Kleiderverbote eintreten, dann steht der Liberalismus Kopf.

nur wenn man "europäische FeministInnen" von vornherein für liberal hält.

dabei sind diese wohl nicht im durchschnitt mehr oder weniger liberal als sonst irgendeine gruppe. da wirds welche geben die liberal eingestellt sind, und ebenso welche, die das aus ihrer sicht gute verordnen lassen wollen.

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