Morales vor neuer Amtszeit

3. Dezember 2009, 18:17
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Der erste indigene Präsident punktet mit Sozialprogrammen, die Nationalisierung der Erdgasindustrie hat Geld gebracht

"1, 2, 3, Evo noch einmal", skandieren die rund hundert Anhänger des bolivianischen Präsidenten, die sich am Flughafen von Santa Cruz versammelt haben. Die Tieflandmetropole ist die Hochburg der oppositionellen Viehzüchter und Sojabarone. Noch vor einem Jahr wäre hier fast ein Bürgerkrieg ausgebrochen: Schlägertruppen der Opposition stürmten öffentliche Gebäude und attackierten Anhänger der regierenden Bewegung zum Sozialismus (Mas).

Heute ist die Opposition nur noch ein Schatten ihrer selbst und zieht gespalten ins Rennen um die Präsidentschaft am kommenden Sonntag. Der rechtsliberale Unternehmer Samuel Doria Medina wirbt mit Versprechen auf Arbeitsplätzen, während der Exmilitär Manfred Reyes Villa die Regierung als autoritär und kommunistisch attackiert und damit auf das rechte Lager hofft.

Doch der Präfekt von Santa Cruz - ein weiterer gewichtiger Gegenspieler von Morales - will weder den einen noch den anderen unterstützen, während die Wirtschaftsbosse der Metropole inzwischen Morales hofieren. Zusammen können Doria Medina und Reyes Villa laut Umfragen höchstens mit 35 Prozent der Stimmen rechnen. Morales, dem ersten indigenen Präsidenten Boliviens, dürfte dagegen mit 55 Prozent unangefochten eine neue Amtszeit bevorstehen.

Die Opposition kämpft um den Erhalt ihrer knappen Mehrheit im Senat, mit der sie bislang zahlreiche Gesetzesvorhaben der Regierung abblocken konnte. Dass sie diese verlieren könnte liegt auch an dem neuen Wahlmodus und der Neuaufteilung der Wahlkreise zu Ungunsten der Ballungszentren. Die Opposition kritisiert diese Manöver ebenso wie die offene Verwendung von Regierungsmitteln für den Wahlkampf oder die Einschüchterung von Regierungsgegnern durch Prozesse und Klagen.

Die Mehrzahl der Bolivianer freilich scheint das wenig zu stören. Ins brandneue, mit internationaler Hilfe erstellte digitalisierte Wahlregister haben sich fünf Millionen Bolivianer eingeschrieben - so viel wie nie zuvor. Bei den nach indigenen Sitten durchorganisierten Gemeinden im Hochland und den Gewerkschaften der Kokabauern im Tiefland, wo Evos Karriere seinen Anfang nahm, ist der Rückhalt immens. "Er ist einer von uns", resümiert ein Kokablatt kauender Minenarbeiter.

Sozialprogramme

Doch nicht nur die ethnische Identifikation zählt in einem Land, in dem rund 60 Prozent der Bevölkerung Indigenas sind. Auch die Sozialprogramme Evos für Schulkinder, Schwangere und ältere Menschen haben ihm viel Rückhalt im Armenhaus Südamerikas verschafft. Seit der Nationalisierung der Erdgasindustrie haben sich die Staatseinnahmen vervielfacht; die Hausse an den Rohstoffmärkten hat ihren Teil dazu beigetragen. "Morales hat in den drei Jahren seiner Regierungszeit so viel Geld in der Kasse gehabt wie seine drei Vorgänger zusammen" , sagt der Weltbankmitarbeiter Rafael Archondo. Und für die kommenden Jahre schweben ihm Stahlwerke, Raffinerien, Fabriken für Lithiumbatterien vor. Damit soll Bolivien, das seit der spanischen Eroberung hauptsächlich vom Export seiner Rohstoffe lebt, in die Moderne geführt werden. (Sandra Weiss aus Santa Cruz/DER STANDARD, Printausgabe, 4.12.2009)

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    Präsident der Armen: Boliviens Präsident Evo Morales spricht neben einem Bild von Jesus Christus zu Mitgliedern der Adventistenkirche in Cochabamba.

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