Xaver Schwarzenberger über "Sisi

"Nichts für ein Festival"

3. Dezember 2009, 17:28
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    foto: orf/sunset film/bernhard berger

    Xaver Schwarzenberger setzt "Sisi" in Szene: Cristiana Capotondi und David Rott als Kaiserpaar im Walzertraum.

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    apa-foto: :orf/milenko badzic

    Xaver Schwarzenberger

Aus "sportlichem Ehrgeiz" inszenierte Regisseur Xaver Schwarzenberger "Sisi" - zu sehen ab 16. Dezember im ORF - Den Mythos wollte er nicht zerstören, sagte er dem STANDARD: "Weil das niemand wirklich will."

STANDARD: Wie oft hat sich Ihre "Sisi" schon verkauft?

Schwarzenberger: Ich habe irgendetwas gehört von 50.

STANDARD:  Spielt die Aussicht auf kommerziellen Erfolg eine Rolle bei der Entscheidung für einen Film?

Schwarzenberger: Natürlich ist Sisi Populärprogramm und nichts für ein Festival. Sisi ist große Fernsehunterhaltung. Ich habe mich aus zwei Gründen dafür entschieden: Die Figur ist einfach spannend. Der zweite war mein sportlicher Ehrgeiz: In mehr als 50 Jahren ist es niemandem gelungen, dieser Ikone etwas hinzuzufügen und die Geschichte neu zu erzählen. 

STANDARD: Also geht es Ihnen mehr um Ruhm als um die Kohle?

Schwarzenberger: Die Kohle? Ich bin Filmemacher - wenn die Produzenten Sisi an hundert Länder verkaufen, werde ich deswegen auch nicht reicher. 

STANDARD: Man hat den Eindruck, Fernsehfilme sprechen mehr denn je kulturübergreifenden Geschmack an, weil sie sich verkaufen müssen?

Schwarzenberger: Stimmt, ein Problem - besonders für die Autoren. Denn was fange ich mit einer rein italienischen Geschichte an und die Produzenten wollen Geld von Österreich. Dann sagen die Österreicher: Was hat das mit uns zu tun? Dann schreibt man ganze Handlungsstränge hinein, damit das Geld kommt. Das passiert oft. Aber die Qualität des Filmes hängt nicht vom Geld ab.

STANDARD:  Worin unterscheidet sich "Sisi" von "Sissi"?

Schwarzenberger: Mich interessierten die Konflikte. Wie ging es diesem naiven Mädel aus der Provinz, das an den strengsten Hof kam? Wie ging es der Schwiegermutter, einer strammen Verteidigerin der Monarchie? Den Kampf zwischen diesen Charakteren und dem jungen Kaiser fand ich spannend. 

STANDARD: "Sisi" endet mit der Krönung in Ungarn. Warum so bald?

Schwarzenberger: Das war ihr größter politischer Erfolg. Ich wollte den Mythos nicht zertrümmern. 

STANDARD:  Warum nicht?

Schwarzenberger: Kann man natürlich. Ich glaube aber, das will niemand so wirklich. Das wäre sich in zwei Teilen nicht ausgegangen. Dazu bräuchte es noch einen Film. 

STANDARD: Den Sie machen wollen?

Schwarzenberger: Es kann immer eine Fortsetzung geben. Warten wir ab, ob die Zuseher das wollen. 

STANDARD:  Sie zweifeln?

Schwarzenberger: Ja, sicher. Ich finde das extrem spannend, ein Risiko. Aber auch einer der Gründe, warum ich es gemacht habe.

STANDARD: Von Fassbinder über "Alpensaga" bis "Sisi" ist ein langer Weg?

Schwarzenberger: Gar nicht. Anfang der 70er bis Mitte der 80er war das eine ganz andere Auseinandersetzung. Ich kam vom Kunstfilm, habe dann "Otto" gemacht, einfach weil mich das auch mehr interessiert hat. Ich wollte immer schon Sachen machen für mehrere Menschen.

STANDARD:  Sie arbeiten viel mit der richtigen Ausleuchtung. Welche Farbe hat "Sisi"?

Schwarzenberger: Weil die Hauptlichtquelle Kerzen sind, hab ich gelbliche, orange, warme Farbtöne verwendet. 

STANDARD: Ist Ihre "Sisi" Kitsch?

Schwarzenberger: Keineswegs. Die alte Sissi: Das ist Kitsch. Blau, gelb, weiß - laute, schreiende Farbgebung. Das hatte mit der Entstehungszeit zu tun: Sissi war einer der „Aufbaufilme" der Nachkriegszeit. Ich habe ihn mir vor Sisi angesehen. Es war wirklich erschreckend - eine Mischung aus Heimatfilm und Operette. Ich habe nichts Gutes gefunden. (Doris Priesching, DER STANDARD; Printausgabe, 4.12.2009)

Zur Person
Xaver Schwarzenberger (63) dreht seit 1995 jährlich exklusiv zwei Filme für den ORF.

Kommentar posten
15 Postings
Aurela
00
12.12.2009, 10:08
Ungut

Ungut, dass die Deutschen drauf bestanden, ein "Ihriger" müsse den Kaiser spielen, ansonsten wären sie ausgestiegen.

was soll das1
00
20.12.2009, 20:54
barbie und ken in "sisi und der liebe kaiser"

ich möchte herrn schwarzenberger ganz herzlich zum gelungenen filmstart des zweiten teils der sisi verfilmung gratulieren - selten so gelacht, nicht mal über michael "bully" herbigs version, obwohl die schon lustig war.
sisi und franz mit zwei talentlosen models zu besetzen, die nicht mehr als zwei gesichter aufweisen ist dafür ein gelungener coup. die schlechte synchronisierung, ein kaiser der "deutschelt" und die travestiehaften aufritte österr. publikumslieblinge die wirklich spielen können- wie erwin steinhauer (als französischen kaiser) und co tragen das ihre bei, leider nicht um in den film tiefer einzusteigen, oder ihm gar tiefe zu verleihen.
schade, man hat angenommen elisabeth als verfilmung zu sehen die ihr gerecht wird.

werwolfi
00
12.12.2009, 02:04

"Die Kohle? Ich bin Filmemacher - wenn die Produzenten Sisi an hundert Länder verkaufen, werde ich deswegen auch nicht reicher. "

na wenn er sich keine gewinnbeteiligung aushandelt, selber schuld ;oP

Mr_Murphy
10
4.12.2009, 16:01

Ich frag mich wo die Poster hier alle ihre Kristallkugeln kaufen, da hier schon jeder zu wissen scheint, dass der Film schlecht wird.

werwolfi
00
12.12.2009, 02:06

es gab kürzlich (frag mich nicht mehr wo) ein paar schauspielerinterviews und dazu ein paar ausschnitte.

das hat gereicht um festzustellen:

sisi und franzl sind deutsche... jedenfalls was die färbung des idioms betrifft! ;oP

Dr. Bitter
00
4.12.2009, 15:06

Was wir für Leute durchfüttern müssen...

Weg mit den Zwangsgebühren.

MonkeyBiz
21
4.12.2009, 13:44

...ein drama. immer den gleichen müll.

was erwartet sich der ORF davon ?
ein sissi reloaded film kann wohl kaum als bildungsauftrag gesehen werden ?

verleih nix
22
4.12.2009, 11:35

erbärmlich!

gastrosoph
11
4.12.2009, 10:42
Interessant

Von Fassbinder nichts gelernt, dagegen vom österreichischen Boulevard sehr viel - sprich: Quote, Quote... Für österreichische Verhältnisse reicht es, darüber Regie zu führen, während die interessantesten Filme von Fassbinder im Fernsehen nicht einmal angekündigt werden. Quote... Quote... Ein Mythos wird nur zerstört, in dem man einen neuen erschafft; nur dazu ist Herr Schwarzenberger nicht in der Lage - allein schon kopfmäßig nicht.

markus grabner
00
4.12.2009, 08:52
global gesehen natürlich uninteressant

aber ich liebe die alten sissi-filme. klar ist das kitsch, und no-na eine mischung aus heimatfilm und operette. grad das macht doch den reiz aus.

Kiembeni
31
3.12.2009, 19:50
Immer wieder

der gleiche Schmarrn. Können wir wirklich immer nur in bzw. von der Vergangenheit leben? Noch dazu wo diese Sisi-Geschichte sowieso erstunken und erlogen ist und die wirkliche Sisi bei weitem nicht schön war.

Kendall Von Tharn
00
4.12.2009, 07:37

dass sie schön war, ist eine unbestreitbare tatsache. was die "verklärung" an geht, haben sie recht. und das ist sehr schade, dass das "kunstgeschöpf" sisi weiterhin am leben gehalten wird. der mythos ist sowieso nicht zerstörbar, wohl aber der ruf des regisseurs und die einnahmen ;-). und vor allem um letzteres geht es.

HLAB27
13
3.12.2009, 21:41

als ich finde sie auf photos sogar sehr hübsch. aber sie werdens natürlich besser wissen. sie haben sie ja noch persönlich kennen gelernt.

werwolfi
00
12.12.2009, 02:13

obwohl Sisi und die Daguerrotypie im gleichen jahr geboren wurden, gibt es nur ganz wenige photographien von ihr in jüngeren jahren - alle bekannten abbildungen die zum mythos beigetragen haben, sind gemälde.

Meuterei auf der Boeing
22
3.12.2009, 18:38

Als Kameramann äußerst talentiert, aber als Regisseur eine - für den ORF exklusive - Katastrophe.

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