43 Tage, die Politik machten

3. Dezember 2009, 17:19
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"Audimax" ist die symbolische Chiffre für die Fragen - Jetzt müssen politische Antworten kommen

Es ist eine feine Ironie der Geschichte, dass die wenigen Studierenden, die nach sechs Wochen noch immer das Auditorium Maximum der Universität Wien besetzt halten, dem lateinischen Namen ihrer Proteststätte seinen buchstäblichen Sinn eingehaucht haben: Mit ihrem Protest haben sie die maximale Zuhörerschaft erreicht - die breite Öffentlichkeit und die Politiker. Ihnen wurde eine Diskussion über die Hochschulpolitik, oder das, was Generationen von österreichischen Politikern dafür gehalten haben, aufgezwungen wurde, wie es sie seit vielen Jahren nicht gab.

Jahrelang verschleppte oder ignorierte Probleme liegen endlich auf dem Tisch: Die existenzielle Finanznot der Unis, der Regulierungsbedarf des gesamten Hochschulsystems, eine gesellschaftliche Neuverortung der Institution Universität: Was soll und muss sie heute leisten? Das bleibt das unbestrittene Verdienst der Studentenproteste 2009.

Die Studierenden haben das System herausgefordert. Das besetzte Audimax war dabei ein wertvolles Pfand, mit dem alles herausgeholt wurde, was auf diese Weise möglich war. Jetzt ist das System gefordert. Vor allem geht es um Politikfähigkeit auf allen Seiten - bei Besetzern, Besetzten und Politik. Es gilt zu erkennen, von wem welches Problem zu verantworten und zu lösen ist. Von der Polizei sicher nicht, aber zumindest die Rektoren wissen das ja. "Audimax" ist die symbolische Chiffre für die Fragen. Sie sind gestellt. Jetzt müssen politische Antworten kommen, die dem Ausmaß der Probleme im Unibereich auch wirklich angemessen sind. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe, 4.12.2009)

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