Aufwertung für Opel-Wien

3. Dezember 2009, 17:08
30 Postings

Der GM-Restrukturierungsplan sieht für Wien 11,3 Millionen Euro Lohnkürzung vor, Aspern erhält im Gegenzug den Getriebebau von Bochum

Detroit/Wien - Österreichs GM-Standort in Wien-Aspern kommt bei der Restrukturierung der Europaaktivitäten mit einem blauen Auge davon. Der Absicherung des Standortes durch die Verlagerung der Getriebefertigung von Bochum nach Aspern steht ein geforderter Gehaltsverzicht gegenüber. Das Sanierungskonzept, das dem Standard vorliegt, sieht in Wien Personaleinsparungen von 11,3 Millionen Euro und somit etwas mehr als im Magna-Konzept vor.

Heimische Belegschaft

Damit soll die österreichische Belegschaft 4,3 Prozent der Lohnkürzungen in Europa (265 Mio. Euro) beisteuern. Der Betriebsrat hat den gegenüber Magna zugesicherten Verzicht von 10,6 Mio. Euro zurückgezogen, nachdem General Motors den Verkauf von Opel und andere europäischen Aktivitäten abgeblasen hatte.

Die Auftragslage von Aspern wird von den Amerikanern jedenfalls gut abgesichert. Das derzeit in Bochum gefertigte Fünfganggetriebe vom Typ F13 läuft aus und wird durch das in Österreich produzierte Produkt F17 ersetzt, heißt es im GM-Konzept. Dadurch erhöhe sich die Auslastung in Wien, allerdings werden keine Zahlen genannt. Nur so viel:Derzeit beläuft sich die Stückzahl in Bochum auf 451.000 und damit die Hälfte der österreichischen Erzeugung.

Das Wiener Werk ist auf die Fertigung von 1,295 Mio. Getriebe ausgerichtet, die Zusatzproduktion würde sich also mit den bestehenden Kapazitäten knapp ausgehen. Erhalten werden soll zudem die Produktion der Sechsgang- und Automatikgetriebe. Bei der Erzeugung der verbrauchsarmen Benzinmotoren (zuletzt 408.000 Stück) gilt Österreich ohnehin als Paradestandort von GM. Daran soll sich laut Konzept nichts ändern.

Gemäßigte Sanierung

Außerhalb Österreichs sehen die GM-Pläne eine etwas gemäßigtere Sanierung vor als im Magna-Szenario. Insgesamt stehen 8300 Stellen zur Disposition, 4700 davon in Deutschland. Besonders hart trifft es das belgische Werk in Antwerpen, das geschlossen und die dortige Astra-Fertigung nach Bochum verlagert werden soll. Nach Auslaufen des aktuellen Modells und der Schließung des Getriebebaus fallen in Nordrhein-Westfalen allerdings 1800 Arbeitsplätze weg.

Bei der Opel-Zentrale in Rüsselsheim wird vor allem in der Verwaltung gekürzt, zudem wandert auch dort eine Getriebe-Produktion ab. Eine teilweise Kompensation erfolgt durch die alleinige Erzeugung des Insignia. Das GM-Konzept hat aus deutscher Sicht noch klare Schwachpunkte. Vor allem die geplanten Staatshilfen von 2,7 Mrd. Euro sind keineswegs fix.(Andreas Schnauder, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.12.2009)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    General Motors strukturiert die Opel-Fertigung kräftig um, das Werk in Wien-Aspern profitiert davon. Es übernimmt die Getriebefertigung aus Bochum, wo derzeit 450.000 Einheiten im Jahr - die Hälfte der österreichischen Stückzahl - erzeugt werden

Share if you care.