Der ideale HBP-Kandidat

3. Dezember 2009, 17:04
22 Postings

Robert Palfrader hat nicht abgesagt - Dass ihn niemand gefragt hat, muss man ja nicht laut sagen

Hermann Maier hat noch nicht abgesagt. Und auch wenn das daran liegen dürfte, dass er wohl nicht gefragt wurde, ob er den Job überhaupt will, war das der U-Bahn-Zeitung Heute zu Wochenbeginn die Titelseite wert: Auf der Suche nach einem Gegenkandidaten zu Heinz Fischer sollen "ÖVP-Insider" angeblich den Suchscheinwerfer auf Maier gerichtet sehen wollen.

Mehr Konjunktiv geht zwar kaum - aber egal: Recherche kann die schönste Geschichte zusammenhauen. Und wozu wäre das gut? Es ist ja eh wurscht, liest sich aber flockig-nett. Erst recht, wo die ernstgemeinte Suche der Parteien nur Namen bringt, deren Unterhaltungsfaktor den Fadgaswerten der heimischen Politakteure entspricht - während das Volk gähnt und den Blick nach Seitenblickeland schweifen lässt: Here we are now, entertain us - und Richard Lugner bekam fast zehn Prozent.

Hermann Maier ist da ein logischer, aber nur zweitbester Name: Den - jawohl - Mann, der lebt, was PR-Texter den echten Kandidaten stets in den Mund legen, gibt es nämlich längst: Kaiser Robert Heinrich I. 

Er hat die Hofburg geöffnet und entstaubt. Er kann mit jedem. Er spricht würdig, sagt dabei wenig - tut das aber unterhaltsam. Das Volk kennt und liebt ihn. Er erfüllt das ur-österreichische Bedürfnis nach imperialem Pomp - und schafft die Quadratur des Kreises: Er ist Kaiser - ohne den Habsburgerparagrafen zu verletzen.

Sollten für eine HBP-Nominierung tatsächlich Bekanntheit und Beliebtheit gepaart mit Harmlosigkeit und Wuchtelqualität essenziell sein, führt an Robert Palfrader daher kein Weg vorbei. (Die Alternative hieße wohl Hansi Hinterseer.) Und: Palfrader hat nicht abgesagt. Dass ihn niemand gefragt hat, muss man ja nicht laut sagen. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD; Printausgabe, 4.12.2009)

Share if you care.