Sarkophag wieder in Veldener Mausoleum beigesetzt

3. Dezember 2009, 14:57
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Vier mutmaßliche Komplizen sind noch auf der Flucht - Kirche enthob Hauptverdächtigen aller Ämter

ien - Die sterblichen Überreste des Milliardärs und früheren deutschen Großindustriellen Friedrich Karl Flick sind am Donnerstagvormittag am Ortsfriedhof von Velden am Wörthersee beigesetzt worden. Flick war im Oktober 2006 gestorben und beerdigt worden, im November 2008 wurde der Sarg aus dem Mausoleum gestohlen.

Der mutmaßliche Drahtzieher hinter dem Fall, ein Budapester Rechtsanwalt, wurde kürzlich in Ungarn festgenommen. Einer seiner mutmaßlichen Komplizen, ein 31-jähriger Hilfsarbeiter, ist ebenfalls in Haft. Vier weitere Männer, ein Ungar und drei Rumänen, die beim Abtransport des Sarkophags geholfen haben sollen, sind noch auf der Flucht. Der Sarg wurde in der Zwischenzeit zurück nach Kärnten gebracht und nach einer kriminaltechnischen Untersuchung der Familie übergeben. Das Verschwinden des Sarkophages aus der Familiengruft der Flicks am Friedhof Velden war am 19. November 2008 bekanntgeworden. Die Diebe hatten Tage zuvor die Hunderte Kilo schweren Granitplatten zur Seite gerückt und den Sarg abtransportiert.

Kleine Feier im engsten Kreis

Die neuerliche Einsegnung wurde von zwei Geistlichen im Beisein der Witwe, Ingrid Flick, vorgenommen. "Im Anschluss findet eine kleine Feier im engsten Kreis statt", sagte Jörg-Andreas Lohr, Sprecher der Flick Privatstiftung.

Die Entführer sind laut Bundeskriminalamtssprecher Alexander Marakovits sehr professionell vorgegangen. Ihre Erpresser-Mails hätten sie meist aus Lokalen geschrieben. Die IP-Adressen seien nicht gleich zuordenbar gewesen.

In Österreich kam es zu zwei Treffen mit den mutmaßlichen Tätern, beide Male im Stephansdom. In einer Gebetsbank hinterließen die Kriminellen eine Nachricht mit einem Hinweis auf ein Schließfach am Westbahnhof. Dort wurden Beweise für die Entführung der sterblichen Überreste hinterlegt: eine vom Sarg stammenden Phiole, beim zweiten Treffen ein Teil des Leichentuchs. Beim ersten Treffen wurden zudem 100.000 Euro übergeben, "um mit den Personen in Kontakt zu bleiben", sagte Marakovits. Eine Übergabe von weiterem 100.000 Euro dürfte dann in Ungarn erfolgt sein. Nähere Details zu den Treffen wollte das Bundeskriminalamt aus kriminaltaktischen Gründen nicht nennen.

Kirche enthob Hauptverdächtigen aller Ämter

Die Pfarrei der Budapester Szent-Imre-Kirche hat den Hauptverdächtigen im Erpressungsfall Flick "aller kirchlicher Ämter enthoben". Als Grund wurde am Freitag von Pfarrer Akos Elöd Brückner das "empörende Verhalten" des 41-jährigen Rechtsanwalts genannt. In der kurzen Stellungnahme gab es allerdings keinen Hinweis auf die mutmaßlichen kriminellen Machenschaften des Mannes, der als ein Drahtzieher im Fall des Diebstahls des Sarges des Multimilliardärs Friedrich Karl Flick verhaftet worden ist.

Der 41-Jährige, Mitglied der Budapester Rechtsanwaltskammer, war jahrelang im Kirchenrat und als Mitglied des Kirchengremiums aktiv. Auf der Website der Szent-Imre-Kirche im elften Budapester Stadtbezirk war er als "großer Helfer" gepriesen worden. Noch kürzlich wurde der Vater dreier Kinder dort dafür gelobt, "die Ruhe im Blut" zu haben und echte Hilfe zu leisten. Weiters wurden seine "integrierenden Fähigkeiten" sowie der Umstand, er würde gemeinsam mit seiner Frau "Jugendlichen edle Gedanken für die Familiengründung vermitteln", hervorgehoben.

 

(APA)

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