Umfassende Einzelschau zu Zoe Leonard im MUMOK

3. Dezember 2009, 14:15
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"Ausstellung gegen den Mainstream" über US-Fotografin zwischen Alltag und Inszenierung

Wien - Der 1961 in Liberty, New York, geborenen Zoe Leonard ist die erste große Personale einer Fotokünstlerin im Wiener Museum Moderner Kunst gewidmet. "Eine Ausstellung gegen den Mainstream" nannte Direktor Edelbert Köb am Donnerstag die bis 21. Februar laufende Schau. Das Werk der Fotografin stehe im Gegensatz zu jenen Stilelementen, die derzeit in der Fotokunst-Szene en vogue seien: spektakuläre Motive, großformatige Hochglanzprints und prächtige Farben.

Tatsächlich ist die 2007 vom Fotomuseum Winterthur initiierte, danach auch in Madrid und München gezeigte und nun von der Künstlerin in Zusammenarbeit mit dem Kurator Matthias Michalka für Wien adaptierte und erweiterte Schau mehr eine Schule des Sehens als ein Ereignis der Schaulust. Vor allem das Mitte der 80er entstandene Frühwerk bestehe aus "Bildern, die sich mit Grundlagen des Sehens und Mechanismen der Beobachtung beschäftigen", sagte Michalka bei der Presseführung. Ein aus der Vogelperspektive geschossenes Foto der Niagara-Fälle, Stierkampf- und Laufsteg-Motive - immer wieder sind Format- und Perspektivenwahl sowie Bildaufbau mit entscheidend für die formale Spannung, die oft interessanter ist als das simple narrative Element der Fotos.

"Analogue"

Zoe Leonard, die Fotos oft erst Jahre nach den Aufnahmen entwickelt, hat ihre großzügig gehängte Werkschau geschickt inszeniert und dafür auch eine eigene Raumarchitektur entworfen. Sie gruppiert ihre Fotos mit oft überraschend großen Leerräumen dazwischen nach Themen wie Schönheit, Natur oder Tod, findet dabei aber immer neue Aspekte jenseits gängiger Klischees. Wachsfiguren aus dem Museum, Kaugummireste auf den Straßen, Tierkadaver im Wald oder in Baumrinden eingewachsene Gitter - es sind ganz erstaunliche Motive, die zu kleinen Foto-Gruppen geordnet sind.

In einem eigenen Raum befindet sich die in den vergangenen zwei Jahrzehnten entstandene Werkserie "Analogue": 412 quadratische Fotografien hat die zweifache documenta-Teilnehmerin wie Kacheln zu Pattern-Mustern geordnet: Fotos von geschlossenen Geschäftslokalen, Schaufenster von Friseuren, Schuhmachern, Drogisten oder Fotografen, zum Verkauf ausgebreitete Waren wie Kaffeemaschinen oder Bleirohre, globale Marken wie Coca Cola oder Kodak in unterschiedlichen Ausprägungen auf Werbeschildern oder Shop-Dekorationen verbinden sich zu einer melancholisch stimmenden Dokumentation über Wirtschaft und Gewerbe im Zeitalter von Krise und Globalisierung. Eine Welt, in der die Menschen nur über die Artefakte ihres Konsums präsent sind. (APA)

 

  • Aus der Serie "Analogue" (Ausschnitt)
    foto: mumok

    Aus der Serie "Analogue" (Ausschnitt)

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