Boku-Rektor: "So kann es nicht weitergehen"

3. Dezember 2009, 14:12
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Verdoppelung der Studentenzahl seit 2001 - "Die Boku ist nicht gebaut für diese Größenordnungen"

Wien - Mit einer seit 2001 verdoppelten Studentenzahl und dem mit plus 18 Prozent zweithöchsten Studentenzuwachs in Österreich im laufenden Studienjahr tritt der neue Rektor der Universität für Bodenkultur (Boku), Martin Gerzabek, ein schweres Amt an. Es gebe Studien mit 450 Erstsemestrigen, während die Hörsäle maximal 195 Sitzplätzen haben. "Die Boku ist nicht gebaut für derartige Größenordnungen, so kann es auf Dauer nicht weitergehen", sagte Gerzabek am Donnerstag im Gespräch mit der APA.

Besonders betroffen von dem Platzproblem ist der ursprüngliche Boku-Standort auf der Türkenstraße an der Grenze zwischen Wien-Währing und -Döbling. Eine Lösung werde sicher nicht leicht, das Geld sei "extrem knapp", betonte der neue Rektor. Dennoch müsse etwas bei der Infrastruktur passieren, etwa die Schaffung eines großen Hörsaals.

"Gute Kommunikationskultur an der Boku"

Dass es trotz dieser Schwierigkeiten im Zuge der seit Wochen laufenden Studentenproteste an der Boku relativ ruhig geblieben ist, führt der bereits seit Jänner interimistisch die Boku führende Rektor auf die "gute Kommunikationskultur an der Boku" zurück. Es habe mit den Studenten in der heißen Phase viel Kontakt gegeben, sodass man die Situation in vernünftiger Art und Weise managen konnte.

Zudem bemüht man sich an der Boku mit verschiedenen Mitteln um die Entschärfung der Lage. So werden laut Gerzabek die sogenannten Drittmittel-Angestellten deutlich stärker als bisher in der Lehre eingesetzt. Die Boku hat 340 vom Bund finanzierte wissenschaftliche Stellen und 640 wissenschaftliche Mitarbeiter, die über Projekte finanziert werden. "Ohne diese Drittmittel-Angestellten könnten wir das heute nicht mehr machen", sagte Gerzabek. Eine "begrenzte Personalausweitung" werde auch durch die Berufung von neuen Professoren erfolgen können. Derzeit sind 16 Professuren neu ausgeschrieben, ein Drittel aller Boku-Professuren, was Gerzabek als "historische Chance" sieht.

Überarbeitung der Bachelor- und Masterstudien

Unabhängig von den Studentenprotesten ist die Boku auch dabei, ihre Bachelor- und Masterstudien zu überarbeiten. Man habe bereits 2004 auf das neue System umgestellt, deshalb viel Erfahrung und zudem die Studien international und intern evaluiert. Auf dieser Basis soll nun etwa eine "gewisse Entfrachtung" von Lehrstoff bei manchen Bachelor-Studien erfolgen.

Seine Ziele für die Uni seien im neuen Entwicklungsplan und der Leistungsvereinbarung festgelegt, die Gerzabek im Laufe dieses Jahres noch als geschäftsführender Rektor abgeschlossen hat. Es gehe darum, die Boku "zu einer der führenden Universitäten im Life Science-Bereich zumindest in Mitteleuropa zu machen". Wesentliche Initiativen würden den "großen Themen unserer Zeit" folgen, wobei Gerzabek u.a. den globalen Wandel, nachwachsende Rohstoffe und Biotechnologie nennt. (APA)

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