Verdoppelung der Studentenzahl seit 2001 - "Die Boku ist nicht gebaut für diese Größenordnungen"
Wien - Mit einer seit 2001 verdoppelten Studentenzahl und
dem mit plus 18 Prozent zweithöchsten Studentenzuwachs in Österreich
im laufenden Studienjahr tritt der neue Rektor der Universität für
Bodenkultur (Boku), Martin Gerzabek, ein schweres Amt an. Es gebe
Studien mit 450 Erstsemestrigen, während die Hörsäle maximal 195
Sitzplätzen haben. "Die Boku ist nicht gebaut für derartige
Größenordnungen, so kann es auf Dauer nicht weitergehen", sagte
Gerzabek am Donnerstag im Gespräch mit der APA.
Besonders betroffen von dem Platzproblem ist der ursprüngliche
Boku-Standort auf der Türkenstraße an der Grenze zwischen
Wien-Währing und -Döbling. Eine Lösung werde sicher nicht leicht, das
Geld sei "extrem knapp", betonte der neue Rektor. Dennoch müsse etwas
bei der Infrastruktur passieren, etwa die Schaffung eines großen
Hörsaals.
"Gute Kommunikationskultur an der Boku"
Dass es trotz dieser Schwierigkeiten im Zuge der seit Wochen
laufenden Studentenproteste an der Boku relativ ruhig geblieben ist,
führt der bereits seit Jänner interimistisch die Boku führende Rektor
auf die "gute Kommunikationskultur an der Boku" zurück. Es habe mit
den Studenten in der heißen Phase viel Kontakt gegeben, sodass man
die Situation in vernünftiger Art und Weise managen konnte.
Zudem bemüht man sich an der Boku mit verschiedenen Mitteln um die
Entschärfung der Lage. So werden laut Gerzabek die sogenannten
Drittmittel-Angestellten deutlich stärker als bisher in der Lehre
eingesetzt. Die Boku hat 340 vom Bund finanzierte wissenschaftliche
Stellen und 640 wissenschaftliche Mitarbeiter, die über Projekte
finanziert werden. "Ohne diese Drittmittel-Angestellten könnten wir
das heute nicht mehr machen", sagte Gerzabek. Eine "begrenzte
Personalausweitung" werde auch durch die Berufung von neuen
Professoren erfolgen können. Derzeit sind 16 Professuren neu
ausgeschrieben, ein Drittel aller Boku-Professuren, was Gerzabek als
"historische Chance" sieht.
Überarbeitung der Bachelor- und Masterstudien
Unabhängig von den Studentenprotesten ist die Boku auch dabei,
ihre Bachelor- und Masterstudien zu überarbeiten. Man habe bereits
2004 auf das neue System umgestellt, deshalb viel Erfahrung und zudem
die Studien international und intern evaluiert. Auf dieser Basis soll
nun etwa eine "gewisse Entfrachtung" von Lehrstoff bei manchen
Bachelor-Studien erfolgen.
Seine Ziele für die Uni seien im neuen Entwicklungsplan und der
Leistungsvereinbarung festgelegt, die Gerzabek im Laufe dieses Jahres
noch als geschäftsführender Rektor abgeschlossen hat. Es gehe darum,
die Boku "zu einer der führenden Universitäten im Life
Science-Bereich zumindest in Mitteleuropa zu machen". Wesentliche
Initiativen würden den "großen Themen unserer Zeit" folgen, wobei
Gerzabek u.a. den globalen Wandel, nachwachsende Rohstoffe und
Biotechnologie nennt. (APA)