Huub Stevens und Salzburg, das hat System

3. Dezember 2009, 12:40
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Red Bull Salzburg überwintert in der Europa League. Der vorzeitige Gruppensieg wurde mit dem 2:1 gegen Lazio Rom, mit dem fünften Sieg en suite fixiert. Das findet selbst der Organisator des Erfolges unglaublich.

Salzburg - Wo das alles enden soll? Huub Stevens will es nicht wissen, weil er weiß, dass man umso eher auf die Nase fällt, wenn man den Weg nicht Schritt für Schritt geht. Also sagte nur Goalie Eddie Gustafsson, dass Salzburg sehr weit kommen könne in der Europa League, deren Gruppenphase Österreichs Meister bis dato makellos absolviert hat. Finale? "Warum nicht? Im Fußball ist alles möglich." Schließlich wisse der Trainer ja, wie das zu schaffen sei. 1997, im Vorgängerbewerb Uefa-Cup, hat es Stevens mit Schalke 04 vorgemacht und die damals flugs "Eurofighter" Getauften sogar zum Titel geführt.

Eigentlich, uneigentlich 

Dem Niederländer selbst ist derartiger Überschwang fremd. Selbst nach dem fünften Europacup-Sieg en suite, dem zweiten 2:1 über Lazio Rom, betonte der 56-Jährige, dass es viel zu verbessern gebe. "Wir können jeden Tag dazulernen." Natürlich war Stevens erst einmal "glücklich und zufrieden" mit den 15 Punkten aus fünf Spielen. "Ich hätte nie zu träumen gewagt, dass wir am Ende Erster in dieser Gruppe sind. Das ist eigentlich unglaublich."

Und eigentlich auch wieder nicht, weil Stevens in den etwas mehr als fünf Monaten, die er nun in Salzburg wirkt, vor allem für Ordnung gesorgt hat im üppigen Kader. Die "Organisation einer Truppe, die ein Team bildet", sei gelungen. Deutlicher: "Sie sind bereit, zu geben, was gefragt ist." Systeme diskutiert Stevens nicht: "Das System ist, dass jeder Spieler bringt, was er kann."

Das ist nicht wenig, wie da (Rabiu Afolabi!) und dort (Christoph Leitgeb!) gegen Lazio wieder bewiesen wurde. Gar nicht so sehr von Somen Tchoyi, dem Schöpfer der Pracht von einem Siegestor. Seit Wochen lief der 26-jährige Kameruner seiner Form nach, lief ihr auch gegen Lazio 77 Minuten hinterher, ehe er seinen Gegenspieler, den Brasilianer Emilson Cribari, mit zwei Haken demütigte, um Goalie Fernando Muslera mit einem Schupfer zu bedienen. Sicher, der machtlose Uruguayer hätte wegen einer Tätlichkeit an Marc Janko vor der Pause zu diesem Zeitpunkt gar nicht mehr im Tor der Römer stehen dürfen. "Aber es war gut, dass ihn der Schiedsrichter nicht ausgeschlossen hat. So konnte er noch Somens Tor genießen", sagte Janko.

Austauschreif hatten Tchoyi nach einer Spielstunde nicht wenige genannt. "Ich habe nicht daran gedacht, ihn auszutauschen", sagte Stevens. "Somen ist Somen - und zwar grenzgenial."

In zwei Wochen schließt Salzburg die Gruppenphase mit dem bedeutungsarmen Ausflug nach Villarreal ab. Am 18. Dezember wird die am 18. und 25. Februar 2010 zu spielende Runde der letzten 32 (inklusive der acht Dritten aus den Champions-League-Gruppen) mit den gesetzten Salzburgern ausgelost. Und das Achtelfinale (11. und 18. März) gleich dazu. Stevens hat keine Wunschgegner. "Das ist noch so weit weg. Am Sonntag wartet Sturm Graz." Die Spieler dürfen schon Wünsche äußern. FC Bayern war häufig zu hören. Die weit über die Grenzen Deutschlands hinaus beliebten Münchner, die erst in der Champions League scheitern müssten, könnten die Bullen-Arena restlos (30.188 Plätze) füllen. Gegen Lazio waren mehr als 26.000 Zuseher da - Salzburger Rekord für ein Pflichtspiel. So weit hat es Stevens schon gebracht. Und kein Ende in Sicht. (Sigi Lützow, DER STANDARD; Printausgabe 04.12.2009)

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    Grenzenlose Erleichterung bei Spielern...

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    und Trainern.

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