Putin und Medwedew um Präsidentschaft 2012

3. Dezember 2009, 18:26
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Medwedew: "Wenn Putin seine Kandidatur nicht ausschließt, schließe ich auch meine Kandidatur nicht aus"

Moskau - Nachdem der russische Regierungschef Wladimir Putin am Donnerstag seine Kandidatur bei der Präsidentenwahl 2012 erneut nicht ausgeschlossen hat, meldete sich auch Amtsinhaber Dmitri Medwedew zu Wort. "Wenn Putin seine Kandidatur nicht ausschließt, schließe ich auch meine Kandidatur nicht aus" , so Medwedew. Bisher hatte Putin gesagt, dass er sich mit Medwedew einigen wolle, wer von beiden antrete.

Putin verurteilte zudem die Verbrechen unter Diktator Josef Stalin. "Zweifellos hatten wir es zu dieser Zeit nicht nur einfach mit Personenkult zu tun, sondern mit massenhaften Verbrechen gegen das eigene Volk."

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Auf diesen Anruf wird Linar aus Krasnodar wohl vergeblich warten. "Wollen Sie nicht einmal die Politik mit allen ihren Problemen aufgeben und nur für sich, die Kinder und die Familie leben? Sich endlich erholen? Wenn Sie wollen, dass ich Sie ersetze, dann rufen Sie einfach an", hat Linar dem russischen Premierminister Wladimir Putin in der Sendung "Gespräch mit Wladimir Putin" angeboten.

Die Antwort auf Linars Vorschlag fiel deutlich aus. "Darauf können Sie lange warten!", sagte Putin und grinste breit. Er bot dem Anrufer aus Krasnodar an, über eine Stelle für ihn nachzudenken, falls er den Wunsch habe, mitzuarbeiten.

Putin nutzte die seit 2001 stattfindende Sprechstunde, die vom staatlichen Fernsehen und Radio live übertragen wird, um sich der russischen Bevölkerung als erfolgreicher Krisenmanager zu präsentieren. Egal, ob es sich um die Probleme des maroden Zementwerks in Pikaljowo im Westen des Landes oder die Flugzeugproduktion in Komsomolskaja am Amur im Osten des Landes handelt, Putin löst sie alle, war die Message der vierstündigen Sendung am Donnerstag.

Die Auswahl der mehr als 700.000 Fragen wurde auch diesmal keinem Zufall überlassen. Vielen Wortmeldungen merkte man an, dass sie auswendig gelernt wurden.

Gleiche Lehrer

Der russische Regierungschef betonte erneut, wie gut er mit seinem Nachfolger im Kreml, Dmitri Medwedew, im sogenannten Führungstandem zusammenarbeite und dass es keine Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen gebe. Nachdem sie die gleichen Lehrer gehabt haben, würden sie auch nach den gleichen Prinzipien arbeiten, sagte Putin.

Die Frage nach seiner Kandidatur bei der nächsten Präsidentenwahl in zweieinhalb Jahren nahm Putin gern auf: "Ich werde darüber nachdenken. Es ist ja noch ausreichend Zeit." Es wäre ein grober Fehler, die jetzige Arbeit einer künftigen Wahlkampagne zu unterwerfen.

Putin kam vor zehn Jahren überraschend ins Präsidentenamt. Der damals amtierende Staatschef Boris Jelzin ernannte seinen Premier am Silvestertag 1999 in einer schmucklosen Zeremonie im Kreml zu seinem Nachfolger.

Wie sensibel heute die Präsidentenfrage ist, ließ sich an der Reaktion Medwedews ablesen. "Putin sagte, er schließe eine Kandidatur nicht aus. Nun sage ich, dass ich sie ebenfalls nicht ausschließe" , antwortete Medwedew auf eine Journalistenfrage in Rom, wo er am Donnerstag zu Besuch war.

Bei den zahlreichen Liveschaltungen zu Putin in Moskau kamen immer wieder Russen zu Wort, die den Premier bei seinen Besuchen in den Regionen bereits persönlich kennengelernt hatten und die sich nun für seine Hilfe bedankten.

Putin, der diesmal weniger angespannt wirkte als im vergangenen Jahr, beruhigte die russische Bevölkerung; der "Gipfel der Krise sei überwunden". Medwedew hatte hingegen in seiner Jahresbotschaft vor drei Wochen festgestellt, die Wirtschaftskrise habe Russland stärker getroffen als andere Länder, da in den vergangenen Jahren die Hausaufgaben nicht erledigt wurden. (Verena Diethelm aus Moskau/DER STANDARD, Printausgabe, 4.12.2009)

 

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    Putin ungeschminkt.

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    Putin, vier Stunden live: Der Premier und Ex-Präsident verkaufte sich als starker Mann Russlands.

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