39-jähriger Kärntner starb wegen einer Zigarette

3. Dezember 2009, 13:23
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Angeklagter: "Ich habe nicht gewusst, was ich gemacht habe"

Klagenfurt - Wegen Mordes muss sich ein 19 Jahre alter Bursche vor einem Geschworenengericht am Landesgericht Klagenfurt verantworten. Staatsanwalt Helmut Jamnig warf dem Angeklagten vor, sein Opfer "vorsätzlich getötet" zu haben, weil er den 39-Jährigen mit Faustschlägen zu Boden befördert und danach "nach Fußballerart" mehrere wuchtige Fußtritte gegen Kopf und Körper versetzt habe. "Es tut mir leid, ich schäme mich extrem dafür", beteuerte der 19-Jährige. Er bekannte sich aber nicht schuldig.

Aus Angst, dass er geschlagen werde, sei er auf seinen Kontrahenten losgegangen, versuchte der Angeklagte zu erklären. Zwei Tage davor sei er nämlich im Krankenhaus aufgewacht, weil er zusammengeschlagen worden sei. "Ich wollte ihn gar nicht verletzen, ich habe gar nicht realisiert, was ich da mache", sagte der Bursche. Erst als er vom Ort des Geschehens schon weit entfernt war, sei er zu sich gekommen - "ich hab' nicht gewusst, was ich genau gemacht hab', aber ich hab' Blut an meinen Händen gesehen."

Keine Erinnerung

Angefangen habe alles wegen einer Zigarette. Der 19-Jährige gab an, am 10. Juni 2008 im Park der Kärntner Schützen in Klagenfurt zuerst Wein und Tabletten zu sich genommen und dann Cannabis geraucht zu haben. Den 39-Jährigen habe er bereits zuvor ein paar Mal gesehen und ihn an besagtem Tag um eine Zigarette gebeten. "Er hat gesagt, ich soll mich schleichen, da bin ich weggegangen", meinte der Angeklagte. Was dann genau passiert sei, daran könne er sich nicht erinnern.

Er habe schon immer Schwierigkeiten mit Autorität gehabt, es seien immer wieder "durchbrechende aggressive Verhaltensmuster" hervorgetreten, beschrieb Jamnig den Burschen. Trotz Heimaufenthalten und verschiedenen Projekten sei der 19-Jährige "vollends entglitten", er habe keinen Hauptschulabschluss, keinen Beruf erlernt und seit seinem zwölften Lebensjahr Alkohol und Drogen konsumiert. Im Elternhaus habe er so viel Gewalt erlebt, dass er freiwillig in ein Heim gegangen sei.

Einschlägig vorbestraft

Der Angeklagte ist einschlägig vorbestraft - der Staatsanwalt beantragte eingangs eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. "Ich habe ein extremes Problem mit Alkohol, kann mir aber nicht vorstellen, dass ich geistig abnorm bin und so etwas je wieder mache", sagte der Bursche. Sein Opfer starb nach mehreren Monaten im Wachkoma - der 39-Jährige befand sich bis zu seinem Tod in dauerstationärer Behandlung auf der Geriatrie des Landeskrankenhauses Klagenfurt.

Dem 19 Jahre alten wegen Mordes angeklagten Klagenfurter sind eine "hochgradige geistige und seelische Abartigkeit, hochgradiges Aggressionspotenzial sowie erheblich disoziale Persönlichkeitszüge" attestiert worden. Damit droht ihm neben einer Haftstrafe von 20 Jahren eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Ein Urteil wurde für die Abendstunden erwartet.

Wiederholungsgefahr

"Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Befürchten, dass der Angeklagte ohne Behandlung erneut mindestens eine schwere Körperverletzung begeht - insbesondere im Zusammenhang mit Alkohol", erklärte der Sachverständige Max Neumann. Zum Tatzeitpunkt waren Dispositionsfähigkeit und Bewegungsmechanismen des 19-Jährigen erheblich beeinträchtigt, aber nicht aufgehoben. Zudem sei eine aggressive Grundpersönlichkeit gegeben, wie man sie aus früheren Vorfällen kenne, so Neumann.

Der Angeklagte hat zwei Vorstrafen wegen Einbruchsdiebstahls, eine Vorstrafe wegen Körperverletzung, außerdem befand er sich während eines Arbeitsprojektes in Südafrika kurze Zeit in Haft. "Ich mache alles, was ich machen kann", beteuerte der Bursche. In der Untersuchungshaft habe er begonnen, seinen Hauptschulabschluss nachzuholen, er habe sich auch einer Alkohol- und Gewalttherapie unterzogen.

Trotzdem seien Situationen, die sich aus Spannung und Streit ergeben die ideale Voraussetzung für weitere Taten. "Ein nahtloses Aneinanderreihen von Gewalt, die er tief verinnerlicht hat geht nicht in so kurzer Zeit weg. Er braucht eine therapeutische Hilfe für die Zukunft", so Neumann. Seine Intelligenz sei aber nicht gestört, lediglich seine emotionale Entwicklung, weshalb auch sämtliche Maßnahmen wie Heimaufenthalte und Projekte gescheitert seien. (APA)

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