Ein bisschen weniger Hausfrauenkitsch

6. Dezember 2009, 10:00
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Dafür ein Schuss mehr Emanzipation, Blut und Tränen: Xaver Schwarzenbergers Verfilmung will eine moderne Kaiserin als frühe Popikone zeigen

Wien - "Ich stehe hinter dir, Franz, aber ich bin keine Marionette" - mit diesem Satz beschreibt die neue Film-Sisi alias Cristiana Capotondi nicht nur ihre Rolle - er ist auch charakteristisch für die Neuverfilmung des Klassikers. Ein bisschen weniger Hausfrauenkitsch als bei der weltbekannten Trilogie von Ernst Marischka, dafür ein Schuss mehr Emanzipation, Blut und Tränen - das ist der Stoff, aus dem der neue "Sisi"-Zweiteiler unter der Regie von Xaver Schwarzenberger gemacht ist. Zu sehen ist die aufwändige Kostümverfilmung am 16. und 20. Dezember auf ORF 2.

"'Sisi' tritt gegen eine starke historische Vorgabe an", ist sich ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz bewusst. Mit den "Sissi"-Filmen der 50er Jahre, mit denen Romy Schneider zu Weltruhm gelangte, will sich Schwarzenberger aber bewusst nicht messen. "Ich habe die Filme nur einmal in meiner Kindheit gesehen und da haben sie mich eher verschreckt", so Schwarzenberger. "Verschreckt" - weil es sich um klassische Heimatfilme handelt.

Lady Di-Vorgängerin

So wie sich aber die "Sissi" von damals in die seinerzeit angesagten k.u.k. -Verfilmungen a la "Deutschmeister" einreihte, fügt sich Schwarzenbergs "Sisi" in die heute angesagten Historienverfilmungen wie "Kronprinz Rudolf" oder "Krieg und Frieden" ein. Deutlich ausgeprägter als bei Marischkas Version ist bei Schwarzenberger das Interesse an historischen Ereignissen, wie das Auseinanderbrechen des Habsburger Kaiserreichs.

Im Vordergrund steht bei der modernen "Sisi" allerdings die Persönlichkeit der Kaiserin, die für den Regisseur "eine der ersten Popikonen, eine frühe Lady Diana" war. Gezeigt werden nicht nur die Konflikte mit der Schwiegermutter, gespielt von Martina Gedeck, sondern auch die Streitpunkte mit Kaiser Franz Josef (David Rott), etwa in Fragen der Kindererziehung oder der politischen Haltung. Ausgeblendet werden aber auch hier die absurden Eskapaden der Kaiserin Elisabeth, wie etwa die fanatische Pflege eines Schönheitskults und die Flucht in depressive Lyrik. Den Mythos Sisi lässt also auch Schwarzenberger unangetastet. Der Film endet denn auch mit einem Höhepunkt, nämlich mit der zu Tränen rührenden Krönung des Kaiserpaares zu Monarchen von Ungarn - ganz ohne Kitsch kommt also auch die moderne "Sisi" nicht aus.

Keine Romy-Doppelgängerin

"Hinreißend" lautete das Urteil der anwesenden Gäste bei der Filmpremiere am Mittwochabend in Wien. Einhellige Begeisterung herrschte über die erst 28-jährige Capotondi, die sich in die Fußstapfen von Romy Schneider gewagt hat. Undankbarer ist hingegen die Rolle von David Rott, dessen Franz Josef eher als attraktiver aber glückloser Monarch dargestellt wird, der stets auf die falschen Ratgeber hört. Was Capotondi vor allem hat, ist: Keine Ähnlichkeit mit Romy Schneider. Dass sie mit dieser "Ur-Film-Sissi" verglichen werden könnte, fürchtete Capotondi auch nie. "Darüber habe ich eigentlich gar nicht nachgedacht. In Italien vergleicht man mich weniger, weil ich dort selbst schon bekannt bin." Martina Gedeck kennt die alten Filme, sieht aber kaum Parallelen. Ihre Rolle, die der Erzherzogin Sofie, werde in "Sisi" "viel differenzierter" gezeigt. "Die Kaiserinmutter ist nicht unsympathisch, sie ist eben eine Frau, die ihre Prinzipien hat, denen sie sich unterordnen muss. Sie verkörpert das Kaiserreich", so Gedeck.

"Sisi" ist eine europäische Produktion für ORF, ZDF und RAI. Die Wünsche der verschiedenen Länder zu vereinen, sei nicht immer einfach gewesen, berichtete ORF-Filmchef Heinrich Mis bei der Premiere. "Der ORF hatte das Interesse an einer historisch einigermaßen korrekten Darstellung, die italienischen Kollegen das Bedürfnis nach mehr Gefühl und die Deutschen wollten eine Sissi mit Traumschiffgefühl und viel Weichzeichner."

Das Ergebnis der Koproduktion zeigt ORF 2 als eines der ersten Film-Highlights in hochauflösender HD-Qualität - am 16. und am 20. Dezember jeweils um 20.15 Uhr. (APA)

  • Im Vordergrund steht bei der "Sisi"-Neuverfilmung die
Persönlichkeit der Kaiserin, die für den Regisseur Schwarzenberger "eine der ersten
Popikonen, eine frühe Lady Diana" war.
    foto: orf/sunset film/bernhard berger

    Im Vordergrund steht bei der "Sisi"-Neuverfilmung die Persönlichkeit der Kaiserin, die für den Regisseur Schwarzenberger "eine der ersten Popikonen, eine frühe Lady Diana" war.

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