Bayern bereut Hypo-Kauf

3. Dezember 2009, 17:35
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Aus dem Prüfbericht der BayernLB-Sonderbeauftragten ergeben sich fragwürdige Abläufe vor dem Hypo-Kauf, in München herrschte wie in Klagenfurt größte Eile

Wien - Der bayerische Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) hat in Bezug auf den Kauf der Kärntner Hypo Group durch die BayernLB im Mai 2007 eine Art Offenbarungseid abgelegt. "Im Lichte der heutigen Entwicklungen muss man sagen: Der Kauf der Hypo Group Alpe Adria war falsch."

Das gestand der Minister und BayernLB-Verwaltungsratschef in München in einer Pressekonferenz ein. Anlass: Die Grünen hatten Tags zuvor angekündigt, den kritischen Sonderbericht von Wirtschaftsprüferin Corinna Linner zum Hypo-Kauf zu veröffentlichen. In ihrem Bericht vom 27. Mai lastete die (von Fahrenschon eingesetzte) Sonderbeauftragte den BayernLB-Verantwortlichen mangelnde Sorgfalt an. Fahrenschon erklärte, Linners Bericht sei im Juli in einer Verwaltungsratssitzung der BayernLB "im Detail" diskutiert worden, danach habe sie ihre Wertung in einem Nachtrag vom 30. Juli "nicht aufrecht gehalten" .

Die Grünen sehen es anders, ihr Finanzsprecher Eike Hallitzky kündigte Strafanzeigen gegen alle Mitglieder des damaligen BayernLB-Vorstands an. Zudem werde es "höchste Zeit" , auch Ermittlungen gegen Tilo Berlin einzuleiten. Der Investor und Fondsmanager war Hypo-Aktionär und von Juni 2007 bis Juni 2009 Hypo-Chef. Beim Verkauf verdienten er und seine Investoren an die 160 Mio. Euro. Der Verkauf erfolgte eiligst.

Das erschließt sich auch aus Linners Prüfbericht. "Zwischen erster Erwähnung der Kaufoption ... bis zum Vertragsabschluss am 22. Mai vergingen lediglich 2,5 Monate. Diese Zeit erscheint für umfangreiche Analysen und Prüfungshandlungen ... vergleichsweise knapp." Der Druck sei vom Verkäufer gekommen, "ursächlich" dafür "war ... die Tatsache, dass für den noch erforderlichen (Vor-) Erwerb einer Tranche von 16 Prozent von Dr. Berlin noch keine Refinanzierung sicher gestellt war" .

15 Tage für die Prüfung

Für die Due Diligence war 15 Tage Zeit, "Ernst&Young wies darauf hin, dass dies ... nicht sachgerecht sei" , zumal "teilweise nur unvollständige Informationen" vorgelegen seien. Auch die Wiener Kanzlei Dorda Brugger Jordis, die die rechtliche Prüfung machte, habe gemeint, "dass die ... Dokumente aus dem Datenraum nur sehr beschränkt ... geeignet seien, ein aussagekräftiges Bild der Gesellschaft zu zeigen" . Die Vorab-Analysen von Rothschild (dort lief das Vorhaben unter "Projekt Lindwurm" ) hätten sich auf öffentlich zugängliches Material bezogen.

Laut Linner seien die Ergebnisse der Due Diligence "nicht ausreichend bei den Kaufpreisverhandlungen berücksichtigt worden, der strategische Wert stand deutlich im Vordergrund" . Trotzdem habe der Verwaltungsrat schon "auf Basis der Phase eins der Due Diligence" dem Erwerb zugestimmt; die Klärung der offenen Punkte wurde für Phase Zwei zugesagt. "Eine Berichterstattung über deren Ergebnisse erfolgte nicht.

In München ging, wie in Klagenfurt, alles sehr schnell: Am 20. April sollte der Verwaltungsrat bereits zustimmen, nur auf Wunsch des Kontrollors Kurt Faltlhauser "wurde die Entscheidung auf 23. April vertagt" (Umlaufbeschluss).

Risikolage nicht abschließend geprüft

Am 18. Mai legten Ernst&Young das Ergebnis ihrer Prüfung vor: Die Risikolage sei nicht abschließend geprüft worden, zusätzlicher Risikovorsorgebedarf von 150 Mio. Euro wurde vermutet, Mängel bei den Kreditprozessen festgestellt, Risiken seien nicht quantifizierbar, die Wertansätze des Immobilienvermögens konnte nicht geprüft werden, der indikative Unternehmenswert liege bei 2,43 Mrd. Euro - der gezahlte Kaufpreis geht von einem Gesamtwert von 3,24 Mrd. Euro aus. Am 22. Mai wurden die Kaufverträge unterschrieben.

Am 23. Mai informierte der Vorstand dem Verwaltungsrat, "eine Berichterstattung über die Ergebnisse der Due Diligence II fand nicht statt" , so der Bericht.

Am 21. Juli 2009 war das alles Schnee von gestern: Linner wurde "intensiv aufgeklärt" . Ihre Schlussfolgerung: "Vor diesem Hintergrund ist die Wertung im Bericht obsolet. Konsequenzen sind daher m.E. nicht angezeigt." (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 4.12.2009)

 

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