"Endspiel" in Wien

3. Dezember 2009, 10:00
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Im Duell mit Athletic geht es für Austria um die letze kleine Chance, im EL- Konzert weiter mitzumischen - Basken benötigen nur noch einen Punkt - Rasenheizung aktiviert

Wien - Der letzte Fußball-Auftritt vor heimischem Publikum in diesem Jahr ist für den FK Austria Wien das Spiel der letzten Chance in der Europa League. Will der ÖFB-Cupsieger in Gruppe L seine Minichance auf den Aufstieg wahren, muss er heute Abend im Horr-Stadion (19.00 Uhr, live auf derStandard.at) Athletic Bilbao im "Endspiel" unbedingt bezwingen. Gelingt die erfolgreiche Revanche für das 0:3 vom 17. September in Bilbao, dürfen die nach dem Ableben ihres früheren Legionärs Alberto Martinez mit Trauerflor antretenden Violetten weiter hoffen.

Der Weg nach oben

Mit dem ersten "Dreier" im fünften Spiel würde der Tabellendritte der Bundesliga dem Achten der Primera Division vor der letzten Runde am 16. Dezember bis auf zwei Punkte nahe rücken. Um im Europacup zu überwintern, müssten dann noch ein weiterer Erfolg auf Madeira gegen den derzeit punktegleichen CD Nacional Funchal und Schrittmacherdienste des Fixaufsteigers Werder Bremen im Baskenland her.

"Gegen Athletic heißt unsere Devise Hop oder Trop. Zu verlieren gibt es nichts mehr, mit einem Sieg haben wir in Funchal vielleicht noch eine kleine Möglichkeit, den Aufstieg doch zu schaffen", sagte Mittelfeldmotor Zlatko Junuzovic auch im Namen seiner Mitspieler, zu denen auch wieder der zuletzt krank gewesene Milenko Acimovic zählt. "Er kann spielen, aber vielleicht ist er körperlich für 90 Minuten noch nicht zu 100 Prozent bereit", meinte Daxbacher.

Klein statt Standfest

Der Kapitän aus Slowenien fehlte in Bilbao (Knieblessur) ebenso wie Julian Baumgartlinger und Roland Hattenberger, die im Hinspiel wegen Sperre bzw. Jochbeinbruch pausieren mussten. Ob beide Defensiven aufgeboten werden, ist nicht sicher. Fix ist hingegen, dass Klein den verletzten Standfest als rechten Verteidiger ersetzen wird.

Zu dem "neuen" Trio kommt auch der Heimvorteil eines ausverkauften Hauses (11.000 Zuschauer), das seit 2. November 2008 in 23 Pflichtspielen (16 Siege, 7 Remis) und im Europacup seit 26. Juli 2000 in 12 Partien (8/4) zu einer violetten Festung wurde. "Wir haben mit dem 2:2 gegen Werder Bremen bewiesen, dass wir mit starken Gegnern mithalten können," sagte Trainer Karl Daxbacher.

Der Mannschaft und ihm ist die Schwere der Aufgabe gegen einen Gegner, der sich in sehr guter Form befinde, voll bewusst. Das habe man in Bilbao schmerzlich erleben müssen. "Ich bin aber fest davon überzeugt, dass wir im eigenen Stadion Athletic schlagen können", so der 56-Jährige. Im Horr-Stadion habe Austria immer eine Chance.

Hoffen auf Räume

"An der Einstellung wird es nicht liegen, aber es wird eine Sonderleistung notwendig sein. Das gilt für die Defensive ebenso wie für die Offensive, dort müssen wir das eine oder andere Tor aus den wenigen Chancen machen und hinten dürfen wir keines kassieren", meinte Daxbacher, der sich die Basken offensiv wünscht. Denn dann würden sich seiner Elf Räume ergeben.

"Wir haben im Europacup schon oft gezeigt, dass wir über uns hinauswachsen können. Mit dem nötigen Glück können wir eine Überraschung schaffen", ist Sportvorstand Thomas Parits überzeugt. Der frühere Spanien-Legionär (FC Granada) musste einer spanischen Radiostation ein langes Interview geben und erzählte: "Athletic kommt mit viel Selbstvertrauen und weiß, dass wir heimstark sind."

Hungrige Gäste

Dass die Basken "für Österreich-Verhältnisse über eine Klasse-Mannschaft" (Daxbacher) verfügt, das haben sie zuletzt in der Primera Division mit fünf Runden ohne Niederlage (u.a. 1:1 daheim gegen Champions-League-Gewinner FC Barcelona,) bewiesen. "Wir haben die Stärke und das Selbstvertrauen, um uns den fehlenden Punkt für den sicheren Aufstieg zu holen. Wir wollen uns nicht auf das letzte Spiel gegen Werder verlassen", deutete Athletic-Trainer Joaquin Caparros die Marschroute an.

Die Basken, die am Mittwoch in Wien mit 20 Kaderspielen ankamen und im Hotel Marriott an der Ringstraße abgestiegen sind, wurden von rund 700 Fans begleitet. Neben Slowenien-Spion Milklavic haben sich auch Scouts von AC Milan, Ajax Amsterdam, Werder Bremen, Bayern München, Blackburn Rovers Hamburger SV und Borussia Dortmund angemeldet.

Rasenheizung "ein"

Aufgrund der Regenfälle am Dienstag und prognostizierter niedrigerer Temperaturen wurde erstmals die neue Rasenheizung aktiviert. "Wir wollen kein Risiko eingehen", sagte Vorstand Markus Kraetschmer in Erinnerung an den Eislaufplatz des Happel-Stadions, der eine Verschiebung des UEFA-Cup-Spiels der Austria gegen Athletic auf 24. Februar 2005 erzwungen hatte. Die Wiener erreichten auf gefrorenem Boden ein 0:0 und stiegen ins Achtelfinale auf. (APA)

Mögliche Aufstellungen, Europa-League (Gruppe L):
FK Austria Wien - Athletic Bilbao (Donnerstag, Horr-Stadion, 19.00 Uhr/live Sky Austria, Schiedsrichter: Svein Oddvar Moen/Norwegen)

Austria: Safar - Klein, Bak, Dragovic, Ortlechner/Suttner - Baumgartlinger - E. Sulimani, Junuzovic, Liendl/Hattenberger, Acimovic - Diabang. Ersatz: Almer - Krammer, Madl/M. Wallner, Vorisek, Schumacher, Topic
Es fehlen: Okotie, Jun (beide Knie-OP), Leovac (Adduktorenprobleme), Standfest (Muskelfaserriss)

Athletic: Iraizoz - Iraola, Ustraritz, Amorebieta, Castillo - Susaeta, Gurpegi, Yeste, Muniain - Etxeberriar/Javi Martinez, F. Llorente. Ersatz: Armando/Fernandez - Orbaiz, Gabilondo, Iturraspe, De Marcos, Diaz de Cerio, San Jose
Es fehlen: Toquero, Velez, Ocio, Munoz, Zubiaurre (alle verletzt), David Lopez, Etxeita (beide nicht im Kader)

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    Abgehoben in Bilbao: Mamadou Diabang (Austria/li) und Carlos Gurpegi (Athletic)

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