Parlament gegen Rückkehr Zelayas an die Macht

3. Dezember 2009, 09:30

Von Konservativen dominierter Kongress auch gegen vorübergehende Wiedereinsetzung - Brasiliens Präsident sieht "Demokratie in Mittel- und Südamerika ernsthaft gefährdet"

Tegucigalpa - Das Parlament von Honduras hat am Mittwoch eine Rückkehr des vor fünf Monaten gestürzten Staatschefs Manuel Zelaya ins Präsidentenamt abgelehnt. Die Mehrheit der 128 Abgeordneten des von konservativen Parteien dominierten Kongresses sprach sich in namentlicher Abstimmung dafür aus, Zelaya nicht vorübergehend an die Macht zurückkehren zu lassen. Am 27. Jänner 2010 soll der konservative Politiker Porfirio Lobo Sosa neuer Präsident werden. Er hatte am Sonntag die Präsidentenwahl gewonnen.

Am 28. Juni war Zelaya vom Parlament und dem Obersten Gericht des Landes unter dem Vorwurf des Amtsmissbrauchs und Verfassungsbruchs entmachtet worden. Damit war die Staatskrise in dem mittelamerikanischen Land ausgelöst worden.

Massive Sicherheitsvorkehrungen

Der Kongress trat am Mittwoch unter massiven Sicherheitsvorkehrungen zusammen. Das gesamte Zentrum der Hauptstadt Tegucigalpa wurde von starken Einheiten der Streitkräfte und der Polizei abgeriegelt. Mehrere hundert Anhänger Zelayas demonstrierten im Zentrum und forderten die Wiedereinsetzung des gestürzten Staatschefs.

Allerdings hatte Zelaya zwischenzeitlich selbst die Rückkehr in die Regierung abgelehnt, um den Putsch gegen ihn nicht im Nachhinein zu legitimieren, wie er sagte. Er hatte darauf bestanden, noch vor den Präsidentenwahlen vom vergangenen Sonntag wieder eingesetzt zu werden, um die demokratische Ordnung im Lande wiederherzustellen. Das war ihm nicht gestattet worden. Er sprach daraufhin von einer "Wahlfarce".

Bei der Sitzung am Mittwoch wurden zunächst die Berichte mehrerer Instanzen, darunter des Obersten Gerichtes, der Staatsanwaltschaft und des Beauftragten für die Menschenrechte vorgetragen. Zelaya hält sich nach wie vor in der brasilianischen Botschaft in Tegucigalpa auf.

Die Abstimmung im Parlament war vor einiger Zeit im Zuge einer internationalen Vermittlung vereinbart worden, um noch vor der Wahl zu demokratischen Verhältnissen zurückzukehren. Sie wurde dann jedoch von den Putschisten unter dem früheren Parlamentspräsidenten Roberto Micheletti wochenlang hinausgezögert.

Die Entscheidung des Kongresses ist Teil eines von den USA vermittelten Kompromisses zwischen den verfeindeten Lagern. Die US-Regierung hatten den Wahlsieg Lobos anerkannt, ihn aber nur als einen Schritt in Richtung auf die vollständige Wiederherstellung der Demokratie bezeichnet.

Zahlreiche südamerikanische Staaten hatten vor der Abstimmung davor gewarnt, dass sie ohne eine Wiedereinsetzung Zelayas keine Beziehungen zur Regierung des neu gewählten Präsidenten Porfirio Lobo aufnehmen würden. Sie befürchten, eine bedingungslose Anerkennung der Wahl vom Sonntag würde einer nachträglichen Legitimierung des ersten Putsches in Mittelamerika seit 20 Jahren gleichkommen.

"Nicht so tun, als wäre nichts passiert"

"Wir können nicht so tun, als wäre nichts passiert", sagte der brasilianische Präsident Luiz Inacio Lula da Silva am Dienstag nach dem Ibero-Amerikanischen Gipfeltreffen in Portugal. Sollte der Status quo einfach hingenommen werden, "wäre die Demokratie in Mittel- und Südamerika ernsthaft gefährdet". In einer Abschlusserklärung des Gipfeltreffens von Spanien, Portugal und südamerikanischen Staaten wurde Zelayas Wiedereinsetzung gefordert.

Der konservative Geschäftsmann Lobo war am Sonntag aus der umstrittenen Präsidentenwahl in Honduras als Sieger hervorgegangen. Elvin Santos von Zelayas Liberaler Partei kam auf 38 Prozent und räumte seine Niederlage ein. Der linksgerichtete Zelaya hatte seine Anhänger zum Wahlboykott aufgerufen, die Beteiligung lag laut Wahlkommission jedoch bei über 60 Prozent und damit fünf Prozentpunkte höher als bei der vorigen Wahl. (APA/Reuters)

 

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17 Postings
drmukti
81
3.12.2009, 15:58
demokratie....

Wiedereinsetzung von jemandem, der die Verfassung für seinen eigenen Vorteil ändern wollte..... Chavez, Berlusconi, usw., so gesehen, lauter Demokraten!

NONE
14
3.12.2009, 10:27

5% mehr als bei der letzten Wahl?

Da muss wirklich ein Wunder geschehen sein wenn die Wahlbeteiligung HÖHER liegt nach dem Putsch als zuvor ...

kaloka
00
4.12.2009, 12:19
Warum ?

yomellamo
53
3.12.2009, 21:01

offensichtlich will die Bevölkerung Honduras Zelaya nicht mehr als Präsidenten haben.

dr. kokos
 
10
4.12.2009, 10:51
wie logisch ist das?


es ist immer wieder erstaunlich, wie manche leute sich selbst in den sack lügen können.

wie logisch ist es, dass die verarmte bevölkerung eines landes, das als armenhaus lateinamerikas gilt, einen präsidenten nicht mehr haben will, der zum ersten mal eine umverteilung von oben nach unten versucht hat?

das kannst du doch bitte selbst nicht glauben, dass das der fall ist!

Soft Werker
10
8.12.2009, 00:20
Zelaya wollte sich zum Präsidenten auf Lebenszeit machen...

...und sowas stösst der Bevölkerung halt sauer auf.

Ausserdem hat er den Mindestlohn massiv erhöht, was zur Folge hatte, dass viele Hausangestellte entlassen werden mussten, d.h. die Arbeitslosenquote ist massiv angestiegen. Woher soll eine Mittelklassefamilie plötzlich das Geld hernehmen, um ihren Hausangestellten das drei- oder vierfache zu zahlen? Vom Christkind? D.h. die Mittelklasse, die plötzlich ohne Hausangestellte dastanden, war sauer, und die arbeitslosen Hausangestellten, die schlagartig auf der Strasse gestanden sind, auch.

Kein Wunder, dass sich eine Mehrheit für einen konservativen Politiker entschieden hat.

dr. kokos
 
11
8.12.2009, 11:08

das ist geschichtsfälschung. zelaya wollte eine volksabstimmung über eine verfassungsgebende versammlung. nicht mehr, aber auch nicht weniger.

zum thema hausangestellte: es ist in lateinamerika üblich, die not der menschen auszunutzen und diese für hungerlöhne, oft nur für freie station als hausgehilfen zu beschäftigen. wenn du sowas in europa machst, wirst du eingesperrt.

mir tut kein honduraner leid, der sich keinen haussklaven mehr "leisten" kann.

die mehrheit in honduras hat übrigens überhaupt nicht gewählt.

wider den rechten Kanaillen
01
3.12.2009, 23:45
Euer Demokratieverständnis

Micheletti und Pinochet als Modell für Österreich, sobald die Mehrheitsverhältnisse euch abträglich sind.

Der Schoss ist noch warm...

Raptor Jesus
00
4.12.2009, 19:08
Es dauert nicht mehr lange bis irgend so ein Franz Josef den Marker aufträgt.

Dann ist im Ösiland alles wieder beim Altem.

wwg
34
3.12.2009, 09:48

"laut Wahlkommission jedoch bei über 60 Prozent"

laut alternativen und wesentlich glaubwuerdigeren Medien als der Wahlkomission der Junta, z.b. internationalen Beobachtern die nicht aus den USA/EU kommen, irgendwo zwischen 20 und 35%, und das trotz massiver Repression.

yomellamo
33
3.12.2009, 21:02

da glauben wir doch alle viel lieber den wahlbeobachtern aus venezuela und aus cuba und den "journalisten" von aporrea und junge welt :))

wider den rechten Kanaillen
00
3.12.2009, 23:46
Glaubwürdiger als die Quellenangaben derer, die sich sofort auf Seiten der Fasch***en gestellt haben:

Friedrich-Naumann-Stiftung und Konrad-Adenauer-stiftung.

Das geht schon Richtung "Bildung einer Kriminellen Vereinigung".

diamant
31
3.12.2009, 11:51
'internationalen Beobachtern die nicht aus den USA/EU kommen'

kann man ja grundsaetzlich nicht glauben.
Da haelt man sich doch besser an die Orakel die man googelt....

pepitant
00
3.12.2009, 20:55
....und die Punkte danach

sollen andeuten, dass daher der Umkehrschluss gilt ?
Im Ernst ? :-))

wwg
13
3.12.2009, 15:25

Wenn du nur ein klein wenig informiert waerst wuesstest du warum du Beobachtern aus USA/EU in diesem Zusammenhang ganz sicher nichts glauben kannst.

Karl41
32
3.12.2009, 16:43
glaubwürdige Quellen

die glaubwürdigen Quellen scheinen in Caracas zu sein, es darf gelacht werden, noch. Schau doch mal eine der vielen Reden von Chavez am TV an um zu lernen was glaubwürdig ist.

diamant
02
3.12.2009, 16:36
Ich bin ja eh 'vorsichtig', und deshalb glaub ich ihnen voererst mal nicht.....

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