Missbrauchsvorwürfe gegen "hohen Beamten"

2. Dezember 2009, 22:45
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Mitarbeiterin soll jahrelang zu sexuellen Handlungen genötigt worden sein - Beschuldigter suspendiert

Wien - Eine pensionierte Mitarbeiterin hat schwere Missbrauchsvorwürfe gegen einen Vorgesetzten bei den Wiener Linien erhoben. Die Frau soll vom Beschuldigten - ein "hoher Beamter" - jahrelang zu sexuellen Handlungen genötigt worden sein, berichtet die "Wiener Zeitung".

Die heute 54-Jährige muss im Krankenhaus psychiatrisch behandelt werden. Die Wiener Linien reagierten sofort nach Bekanntwerden der Vorwürfe: Der Mann wurde Mitte November vom Dienst suspendiert und bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.

Laut Niederschrift des Anwalts des Opfers kam es 1998 zu den ersten Annäherungsversuchen. Aus Angst vor "beruflichen Nachteilen" soll die Mitarbeiterin dem Drängen nach einiger Zeit nachgegeben haben. Obwohl sie ihrem Vorgesetzten immer zu verstehen gegeben habe, dass sie sich "erniedrigt fühle", sei es bis 2001 zu "zehn bis 15" geschlechtlichen Handlungen gekommen.

Danach habe sich die Lage einige Jahre gebessert, danach sei es wieder schlimmer geworden. Auch zu Belästigungen via SMS sei es gekommen. Aufgrund der belastenden Situation sei die 54-Jährige krank geworden und leide nun an Depressionen, Schlafstörungen und Existenzängsten. Im Herbst 2007 eröffnete ihr der Beschuldigte, dass sie doch als persönliche Sekretärin in sein Büro wechseln möge. Als die Frau dies verweigerte, soll ihr der Beamte gedroht haben, dass dies auch gegen ihren Willen möglich wäre.

Noch am selben Tag wurde die Frau in die Psychiatrie eingeliefert - ein Jahr später folgte die Frühpensionierung. Aufgrund ihrer Erkrankung habe sie bis jetzt nicht über die Vorfälle sprechen können, gab sie schriftlich bekannt.

Suspendierung wegen Verdacht auf sexuelle Belästigung

Der Sprecher der Wiener-Linien, Answer Lang, betonte, dass das Unternehmen den Vorwürfen sofort nach dem Bekanntwerden nachgegangen sei. Das Unternehmen hätte Untersuchungen angestellt und Zeugen befragt. Dabei habe sich die "Indizienlage so verdichtet", dass der Beschuldigte - für ihn gilt die Unschuldsvermutung - vor zwei Wochen suspendiert und bei der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf sexuelle Belästigung angezeigt wurde.

Die Staatsanwaltschaft Wien erklärte, dass zur Zeit noch unklar sei, welcher Tatbestand infrage komme. Auch eine Verjährung muss überprüft werden. (APA)

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