Testamentsbetrug - Täglich neue Opfer

2. Dezember 2009, 21:29
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Mindestens zwanzig Betrugsfälle in Millionenhöhe - Täglich melden sich weitere Opfer

Dornbirn - Sepp Manhart, Präsident der Rechtsanwaltskammer, ist sauer. Schuld ist Heinz Rusch, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Der hat Medien bestätigt, dass man Akten verstorbener Anwälte prüfe. "Ich bin außerordentlich verärgert, dass Informationen hinausgehen, bevor die Ermittlungen abgeschlossen sind", sagt Manhart. Einer der Anwälte, vor zwei Jahren verstorben, habe einen der Verdächtigen in Zivilverfahren um strittige Erbangelegenheiten vertreten. Manhart: "Den kann er ja angelogen haben, wie alle anderen auch." Akten zum zweiten Anwalt gäbe es nicht mehr, "der ist schon lange tot". Tote anzuschwärzen sei ungustiös, schimpft Manhart.

"Querverbindungen" zu Anwälten

"Querverbindungen" zu zwei Anwälten würden geprüft, sagte Rusch zum Standard . Mehr gebe es dazu nicht zu sagen. Hinweise auf Beteiligung weiterer Personen habe man nicht. Gegenteiliges verlautet aus Juristenkreisen. Der Hauptverdächtige habe drei weitere, mittlerweile pensionierte Gerichtsmitarbeiter schwer belastet. Er rechtfertige sich damit, angestiftet worden zu sein. Gerichtssprecher Reinhard Flatz will das nicht kommentieren, das sei Sache des Staatsanwalts.

Zwanzig konkrete Betrugsfälle in Millionenhöhe

Details zu den Manipulationen an Testamenten und am gerichtsinternen Testamentsregister werden aus "ermittlungstaktischen Gründen" (Rusch) nicht mitgeteilt. Bei der Hotline der Kriminalpolizei melden sich täglich, so der Staatsanwalt, drei bis vier Personen, die vermuten, in Verlassenschaftsangelegenheiten geprellt worden zu sein. Gesichert sind bis jetzt zwanzig konkrete Betrugsfälle in Millionenhöhe.

Ob die beiden Gerichtsbediensteten und ihr mutmaßlicher Komplize, ein Immobilienkaufmann, weiter in Untersuchungshaft bleiben, wird am Freitag entschieden. (Jutta Berger, DER STANDARD Printausgabe 3.12.2009)

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    Testamentsfälschungen am Bezirksgericht Dornbirn: Zwei Gerichtsbedienstete sind in Haft. Die Fälschungen wurden so raffiniert gemacht, dass sie über zehn Jahre lang unbemerkt blieben

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