Boxer Sekowitsch auf Straße erstochen - 20 Jahre Haft

2. Dezember 2009, 21:17
23 Postings

Angeklagter stach auf den "Stier von Serbien" fünf Mal mit dem Klappmesser ein - Der Ex-Boxchampion verblutete auf dem Gehsteig

Wien - Im Wiener Straflandesgericht endete am Mittwoch der Prozess gegen den 27 Jahre alten Tschetschenen, der im Vorjahr den ehemaligen Boxchampion Edip Sekowitsch (50) vor dessen Lokal Champ's Pub beim Wiener Südbahnhof erstochen hatte, mit einem Schuldspruch. Die Geschworenen verurteilten den Angeklagten wegen Mordes zu zwanzig Jahren Haft (nicht rechtskräftig).

Keine Reue

Gerichtspsychiater Heinrich Pfolz hat dem Beschuldigten eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit psychopathologischen Elementen attestiert. Zum Tatzeitpunkt sei der Beschuldigte allerdings zurechnungsfähig gewesen. "Er hat ein relativ hohes bis sehr hohes Aggressionspotenzial. In Bezug auf die ihm vorgeworfene Tat fehlt jede Form von Reue. Es liegt eine erhöhte Gefährlichkeit vor", stützte der psychologische Sachverständige Franz Maly den psychiatrischen Befund.

Aggressives Verhalten

Eine Zeugin hatte zuvor in diese Richtung ausgesagt. Sie befand sich am 26. August 2008 in Sekowitschs Lokal am Wiedner Gürtel. Der Tschetschene habe sich anderen Lokalgästen gegenüber von Anfang an "recht aggressiv" verhalten, berichtete die 25-jährige Frau. "Er war verrückt", hielt sie fest.

Fünf Mal mit Klappmesser eingestochen

Zu der tödlichen Auseinandersetzung war es gegen 5.30 Uhr früh gekommen, als Sekowitsch sein Lokal schließen wollte. Auf der Straße stach der 27-Jährige mit einem Klappmesser fünfmal auf den Ex-Boxer ein. Ein Stich ging direkt ins Herz. Sekowitsch, der sich während seiner Laufbahn den Beinamen "Stier von Serbien" erworben hatte, verblutete auf dem Gehsteig.

Die Polizisten, die als Erste am Tatort eingetroffen waren, erklärten vor Gericht, der Tschetschene habe sich zunächst als ein Freund des Opfers ausgegeben. Als die Beamten an der Kleidung des Mannes Blutspuren bemerkten, sei er aber eingehend befragt worden. "Da hat er mit einem gewissen Stolz gesagt, dass er es war, der das gemacht hat", gab ein Polizist zu Protokoll.

Der Angeklagte verantwortete sich mit Notwehr. Sekowitsch sei auf ihn losgegangen. Er habe Angst gehabt und deswegen sein Messer gezogen. (APA, red, DER STANDARD Printausagbe 3.12.2009)

 

 

Share if you care.