Ausbeutung unter Diplomaten-Immunität

Hilfe für ausländische "Haussklavinnen"

2. Dezember 2009, 19:55
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    foto: standard/matthias cremer

    Achtzehn Stunden täglich putzen, kochen und Kinder hüten: So sieht laut Berichten der Alltag moderner Hausskla-vinnen aus

Hausangestellte, die wie Sklavinnen gehalten werden gibt es auch in Österreich - Auch bei Diplomaten

Über Hausangestellte, die wie Sklavinnen gehalten werden, wurde in der Wiener Uno-City diskutiert. Weltweit mehren sich Fälle derartiger Ausbeutung - auch durch Diplomaten - Von Irene Brickner


Wien - "Meist neigen wir dazu, jenen Menschen zu glauben, die in einer mächtigen Position sind", sagt Evelyn Probst vom Wiener Verein Lefö, der sich für Opfer von Frauenhandel einsetzt. Beim Versuch, ausländischen Hausangestellten zu helfen, die etwa in Diplomatenfamilien bis auf die Knochen ausgenützt werden, stelle sich diese Tendenz oft als Hinderungsgrund heraus.

Ausbeutung hinter verschlossenen Türen

"Die Ausbeutung findet hinter verschlossenen Türen statt. In einem Pariser Fall flog die Sache nur auf, weil eine Französin im Supermarkt merkte, dass es einer jungen Afrikanerin schlecht ging", schilderte Elisabeth Tichy-Fisslberger, Leiterin der innerministeriellen Task-Force gegen Menschenhandel in Österreich, bei einer Veranstaltung in der Wiener Uno-City.

12,3 Millionen Menschen machen Sklavenarbeit

Eingeladen hatte die bei der Uno angesiedelte Global Initiative to Fight Human Traficing (UN.GIFT). Das Thema wird bei den Vereinten Nationen zunehmend ernstgenommen - auch auf selbstkritische Art: Eine Fotoschau zum Thema wird nach Wien auch an den UN-Sitzen in Genf und New York zu sehen sein. Weltweit, so schätzt die International Labour Organisation (Ilo), vegetieren 12,3 Millionen Menschen in Zwangsarbeit, 2,4 Millionen Personen wurden Opfer von Menschenhandel, 80 Prozent davon Frauen und Mädchen als Prostituierte und Hausangestellte.

Von sechs Uhr früh bis Mitternacht putzen, kochen, Kinder hüten

Besagte junge Afrikanerin in Paris - sie stammte wie ihr Brötchengeber aus dem westafrikanischen Land Elfenbeinküste - hatte täglich von sechs Uhr früh bis Mitternacht putzen, kochen und Kinder hüten müssen. Ihr Entgeld, das weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn lag, hatte ihr Chef großteils einbehalten, ebenso ihren Pass: "Aus Sicherheitsgründen", wie er meinte. "Sie hat durchgehalten, weil sie weiter Geld nach Hause schicken wollte. Sie wollte Frankreich nicht verlassen." Chance auf eigenständigen legalen Aufenthalt hatte sie wegen des auch in Frankreich strengen Fremdenrechts nicht.

"Moderne Sklaverei" auch in Österreich

Beispiele solch "moderner Sklaverei" gebe es auch in Österreich - und auch im Botschafts- und Gesandtschaftsmilieu, sagte Tichy-Fisslberger. "In Einzelfällen konnte derartige Ausbeutung bewiesen werden", ergänzte Melitta Schuber aus dem Außenministerium.

Mehr als reine Einzelfälle

Bei Lefö geht man von mehr als reinen Einzelfällen aus. Derzeit kümmere man sich um sechs vor Ausbeutung in Diplomatenhaushalten geflohene Hausangestellte. Die Frauen stammten aus Afrika und Asien, schilderte Probst.

Verdienst muss mindestens 1000 Euro brutto sein

Schubert setzt bei dem bisherigen Tabuthema auf Aufklärung und Früherkennung. Etwa mittels eines Rundschreibens, das im Oktober 2009 aus dem Ministerium an alle diplomatischen Vertretungen und internationalen Organisationen in Österreich ging. Darin wird klargestellt, dass Hausangestellte mindestens 1000 Euro brutto monatlich verdienen müssen - "auch wenn ihnen schon 300 Euro viel erscheinen, weil der Durchschnittslohn in ihrem Heimatstaat bei einem Zehntel davon liegt" - und dass sie laut Hausangestelltengesetz maximal 238 Stunden monatlich arbeiten und wöchentlich einen Tag frei bekommen müssen.

Diplomatische Immunität

"Wir bestehen darauf, dass die Haushaltshilfe unbegleitet erscheint, um ihre Legitimationskarte abzuholen. So kann man ungestört mit ihr reden", erläuterte Schubert. Bei Schieflagenverdacht trete man mit dem Arbeitgeber in Verhandlung, der als Diplomat oft Immunität genießt.

Immunität kann aberkannt werden

Die Immunität kann Diplomaten laut internationalem Recht aberkannt werden, wenn diese gegen die Antifolterkonvention verstoßen haben: einen Weg, den man in Frankreich derzeit in einigen Fällen vor Gericht zu beschreiten versucht. (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe 3.12.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 165
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Quim Barreiros
00
6.12.2009, 20:04
Diplomatische Immunität ist nett

aber Diplomaten, die irgendetwas Unerwünschtes tun, kann man auch anders signalisieren, dass ihr Verhalten unerwünscht ist.
Dann sind einfach Wasserleitung und Kanal für einige Wochen wegen dubioser Wartungsarbeiten außer Betrieb...

Mirstetta Toni
01
3.12.2009, 21:14

meine frau und ich putzen lieber selbst.

Zoltan K.
14
3.12.2009, 17:52
FRECHHEIT!

SklavInnen, aber nicht DiplomatInnen.
Die Opfer werden gendert, die Täter bleiben Männer.
Sehr tendenziös!
Und hier der Beweis: Nichts ist sexistischer als der Genderwahn.

Goianinha Marcia Michelle
00
4.12.2009, 22:45

Stimmt, sehr Tendenziös!
Die fälle von dem ich schon gehört habe, aber nicht bei Diplomaten, sondern bei Ärzte, Rechtsanwälte die seine Kinderfrauen, Putzfrauen von Ausland holen, sind die Frauen das schlimmste. Die Täterinnen sind die die am meistens ausbeuten, erniedrigen und schlecht behandeln.

ingleside
00
3.12.2009, 17:26

Noch schlimmer finde ich die Ausnutzung der billigsten Arbeitskräfte überhaupt, nämlich der Au pair! Da werden junge Mädchen aus der Slowakei oder den Philippinen für 100.- €/Woche mit Kleinkindern und einem kompletten Haushalt alleine gelassen, anstatt in der Familie integriert die Sprache zu erlernen. Fällt das nicht auch unter Sklaverei?!

chrimu1
03
3.12.2009, 16:45
Das nennt sich normalerweise

Aupair: keine fixen Arbeitszeiten, jederzeit bei Bedarf verfügbar und ein Taschengeld (etwa sowas wie 200 US-Dollar in den USA). Aufstehen um 6 Uhr morgens, weil da die Kinder schon wach sind, und schlafen gehen um Mitternacht, weil man erst die Ruhe hat, die restliche Hausarbeit zu machen, wenn die Kinder endlich im Bett sind.

little django
 
00
9.12.2009, 08:41

und diese arbeitsbedingungen wiederum zeugt daß die au-pairs nicht über eine ordentliche agentur vermittelt wurden.
denn: für hausarbeit (ausgenommen ev. kochen f.d.kinder) ist ein aupair nicht gedacht. einem aupair muß ein sprachkurs ermöglicht werden, es hat mindestens einen freien tag pro woche zu haben, inkl. taschengeld. die hauptaufgabe ist nun einmal HILFE bei der betreuung der kinder (ein aupair ist KEIN kindermädchen) und sprache lernen.

¤
00
3.12.2009, 18:13

Ist ja eine freiwillige Entscheidung. Wer mit den Bedingungen nicht einverstanden ist muss es ja nicht machen.

chlorophyllmarxist
23
3.12.2009, 16:32
Diplomaten

sind Menschen, die zumeist erfolglos versuchen, Probleme zu lösen, die ohne Diplomaten nicht entstanden wären.

Der Ätzer
01
3.12.2009, 16:28
Meine putzt wirklich gründlich und kocht auch ausgezeichnet, aber sie nimmt mich aus!

10% von meinem kleinen Einkommen darf ich behalten. sie gibt das Meiste für unnötiges Zeugs aus, Brot, Fleisch, Gemüse und so.

Ich muß mit den restlichen 360.- € die wirklich wichtigen Sachen besorgen - Festplatte, Screen usw.

Aber ich habe eine List - ich nutze die ganze Wohnung und esse gemeinsam - oft sogar mehr;-)

Aber ich sag's nicht.

Lass ma bitte die Kirchen amoi im Dorf...
00
3.12.2009, 16:16
Wenn Leute also Aufgrund restriktiver Bestimmungen...

...nicht offiziell Arbeiten dürfen, lenkt man die Aufmerksamkeit heute auf ausbeutende Arbeitnehmer. Das ist leider völlig an der Problematik vorbei, denn die Macht die jene Arbeitgeber über solche Arbeiter haben bekommen sie vom Staat, der unsinnige Gesetze beschließt um, eine gewisse Klientel auf dem Arbeitsmarkt zu schützen. Das ist so als ob die bösen Schlepperbanden daran Schuld seien dass Menschen furchtbare Strapazen auf sich nehmen um nach Europa zu kommen.

Nein, das Problem liegt ganz woanders...

Eleazar
00
3.12.2009, 15:10

Die Menschenrechte müssen endlich einmal greifen.

Und dipLoMaten müssen erst einmal einem Volkstribunal Rede und Antwort in einem öffentlichen Hearing stellen, bevor sie ....... was machen die Eigentlich?

Diplome verkaufen, oder so, kann es ja wohl nicht sein, oder?

Gutmensch2
 
01
3.12.2009, 14:57
Was es nicht alles für Ausnützer gibt...


Was kam eigentlich bei der Geschichte (vor kurzem passiert) heraus, wo ein armer slowenischer (!) Forstarbeiter in einem Kärntner (Bären-)Tal tödlich verunglückt ist?

Und das ausgerechnet bei dem Forstbetrieb, deren früherer Besitzer (ist vor über einem Jahr selbst verschuldet verunglückt) immer gegen Ausländer und vor allem speziell gegen Slowenen war?

Der immer propagiert hat dass "unsere Arbeitsplätze" immer von "den Ausländern" weggenommen werden?

Schon komisch das Ganze...

sawadi
07
3.12.2009, 13:02

Ca 1989, Generaldirektor einer in Wien ansässigen internationalen Organisation. Höchster Diplomatenstatus. Dienstvilla in Neustift am Walde. Nachts, rundherum Scheinwerfer und Alarmanlagen. Im Kellerverschlag ohne Fenster seiner Dienstvilla, das Dienstmädchen, Köchin, Putztrampel.
Nach seinem ausscheiden aus der Organisation, (er wurde zurückgetreten) Außenminister seines Heimatlandes. Fast täglich in internationalen TV-Nachrichten. Empfang bei Präsident X, Minister Y. Blumenstrauß am Flugplatz Z.

limdul
022
3.12.2009, 12:59

Gerade dieses Diplomatenpack sind wirklich die ärgsten Schnorrer, hatte mal 2 Kinder zur Nachhilfe, da hatte der Vater pausenlos und unverschämt versucht den Preis zu drücken - die Zahlungsmoral war eine einzige Frechheit, aber Hauptsache das Töchterlein hatte 2 Pferde .....

yoghurtinator
 
00
3.12.2009, 23:57
Kann ich voll bestätigen

Je reicher die Leute, umso mieser die Zahlungsmoral.

hof99
20
3.12.2009, 17:13

Deswegen gleich pauschalierend von "Diplomatenpack" zu reden, ist dumm.

t-bonesteak
102
3.12.2009, 12:56
regt euch nicht künstlich auf.

wieviel bezahlt ihr denn eurer putzfrau oder eurer babysitterin?

sicher kein vermögen.

little django
 
00
9.12.2009, 08:49

ich putze und babysitte selbst ;-)

seth666
 
03
3.12.2009, 16:29

ich hab sie geheiratet.
jetzt putzt sie gratis :)

thomazz
00
3.12.2009, 15:53

putzfrau??!? interessant.

Vedl
 
00
3.12.2009, 15:47
ebenfalls 10 Euro die Stunde + Mittagessen mit uns um sonst (das ist aber selbstverständlich)

PeanutbutterWolf
00
3.12.2009, 15:26

Das Problem liegt nicht primär im geringen Lohn, sondern in den anderen Repressalien, die den Betroffenen sämtliche Wahlmöglichkeiten nehmen. Als freier Bürger muss ich für einen Hungerlohn nicht putzen gehen, als illegale Einwandererin der man den Pass abgenommen hat und die uU nur durch Mithilfe des Erpressers ins Land gekommen ist schon.

Herr Vorsicht
10
3.12.2009, 15:06
10 eur/h

üblich sind 10eur/h, das sind bei 238 stunden 2380 eur, finde ich gar nicht so schlecht, im vergleich zu dem, was oben beschrieben wird, oder?

Angus Parvis
00
3.12.2009, 16:13

Schon mal Steuern gezahlt? Dann schaut das bisserl anders aus.

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