EU-Finanzaufsicht mit geringen Befugnissen

02. Dezember 2009 22:13

Direkter Durchgriff auf nationale Behörden ist nicht möglich - Staaten erhalten Blockaderechte

Brüssel - Die EU-Finanzminister einigten sich Mittwoch auf die Einrichtung zweier Überwachungsgremien für die Finanzmärkte. Zum einen soll es eine Institution geben, die sich auf makro-ökonomischer Ebene mit „Systemrisiken" beschäftigen und Frühwarnungen geben soll. Zum anderen sollen sich drei Gruppen auf der „Mikroebene" mit spezifischen Risiken von Banken, Versicherungen und Börsen beschäftigen. Deren Befugnisse sind allerdings bescheiden.

Stellen die ab 2011 geplanten EU-Aufsichtsbehörden Verstöße auf Finanzmärkten fest, können sie Anordnungen nicht direkt durchsetzen. Einzelne Staaten können Einwände formulieren, dann tritt ein Mediationsverfahren in Kraft, an dessen Ende der EU-Finanzministerrat entscheiden muss. Im Dringlichkeitsfällen gelten dabei andere Mehrheiten. Auch nationale Parlamente müssen zustimmen.

„Es war ein sehr arbeitsintensiver Prozess, zu einem Kompromiss zu kommen", kommentierte die französische Finanzministerin Christine Lagarde die mühsame Einigung. Fünf Stunden habe es gedauert, bis man die Formeln für künftige „Empfehlungen" der unionsweiten Aufsichtsbehörden gegenüber nationalen Einrichtungen ausgeklügelt habe.

Damit wurden die Vorschläge der EU-Kommission weiter verwässert. In erster Linie hat sich dabei Großbritannien durchgesetzt, dem - wie vom Standard berichtet - die neuen Eingriffsmöglichkeiten durch die EU-Ebene auf den Finanzplatz London von Anfang an suspekt erschienen. Auch Deutschland und Frankreich hatten sich von ambitionierteren Plänen verabschiedet. Der Vorschlag der Finanzminister muss noch vom EU-Parlament bestätigt werden, welches stets schärfere Kontrollmöglichkeiten verlangt hat.

Die „drei Säulen" der europäischen Finanzaufsicht für Banken, Versicherungen und Börsen, werden in London, Paris und Frankfurt angesiedelt, sagte Lagarde, die Behörde zur makroökonomischen Überwachung bei der Europäischen Zentralbank (EZB) sein.

Der Finanzministerrat gab auch den offiziellen Startschuss zur Einleitung von Defizitverfahren gegen Österreich, Deutschland und acht weitere Staaten. Österreich muss ab 2011 sein Defizit um 0,75 Prozentpunkte pro Jahr abbauen, ab 2013 muss es wieder unter drei Prozent liegen.
Noch keine Entscheidung gab es in der Frage der Verlängerung des Mandates für den Vorsitzenden der Euro-Gruppe, den Luxemburger Jean-Claude Juncker, bis Juni 2012. Er kündigte seine Kandidatur an und rechnet auch mit seiner Wiederwahl. Lagarde warnte Juncker vor frühzeitigem Jubel: In einem Monat könne „noch viel passieren". (Thomas Mayer aus Brüssel, DER STANDARD, Printausgabe, 3.12.2009)

Kommentar posten
21 Postings
Jetzt red i!!!
21.02.2010 22:43
"In erster Linie hat sich dabei Großbritannien durchgesetzt, dem - wie vom Standard berichtet - die neuen Eingriffsmöglichkeiten durch die EU-Ebene auf den Finanzplatz London von Anfang an suspekt erschienen."

Wundert mich gar nicht.

Schmeißt diese postindustriellen Barbaren endlich aus der EU!!!

Sie sind, waren und werden nie richtige Europäer sein.
Diese Heuchler sind der verlängerte Arm der USA.

Stachanow, Mitarbeiter des Monats!
 
05.12.2009 13:21
Was hilft eine Aufsicht ...

... wenn es keine Gesetze gibt?

Die EU hat die Finanzmärkte liberalisiert und damit die Voraussetzungen für die Finanzkrise geschaffen.

Jetzt schützt sie, trotz gegenteiliger Versprechen die Finanzverbrecher in GB!

Jetzt red i!!!
04.12.2009 17:01
Korruptes Gesindel!!!

Aber wir lassen es uns ja gefallen...

also dann ...
03.12.2009 13:14
damit haben sich die eu-eliten... als N I E T E N

endgültig entlarvt.

in 1 jahr
weder eine finanzaufsicht mit e c h t e n massnahmen zu etablieren
als auch nicht mal instande zu sein über b o n i ...
eine regelung zustandezubringen,
d a s zeigt auf entlarvende weise, das völlige
versagen (und die verkorrumpierung d.d. banken)
der politiker auf.

Meklon von Andromeda
06.12.2009 09:53

Wieso Nieten?

Es ist doch deren Ziel, die Leute an der Nase rumzuführen, sie zu betrügen und möglichst viel Cash für sich und ihre Freunderl abzuzocken.

Und das gelingt mit solchen Alibibehörden natürlich ganz ausgezeichnet. Und damit dort niemand auf die Idee kommt, seine Aufsichtsrechte auszuschöpfen, werden die Leute mit Geld erschlagen und korrumpiert. Wer nicht mitspielt fliegt raus.

parmigiano
03.12.2009 15:52

man kann der EU nicht vorwerfen, dass sich einzelne nationalstaaten hier einer einheitlichen regelung widersetzen. die EU hat eben nur die kompetenzen, die die einzelnen staaten ihr geben.

also dann ...
03.12.2009 19:00
nein - man kann ihr vorwerfen...

- in 1 jahr so gut wie nichts...getan zu haben
- als auch national-staatliche lösungen (siehe össi-land) ausgeblieben sind.

ja...
nicht alles bedarf einer eu-lösung.

Zivilgeselle
03.12.2009 12:18
europäisches Aufsichtsversagen

Bankmanager machen was sie wollen. Weder die nationale noch die europäische Aufsicht kontrolliert für uns die Grenzen dieser Herrschaften.

Selbst wenn man Probleme längst erkannt hat, werden bei BAWAG oder HAA entweder keine oder verharmlosende Berichte verfasst oder verschlampt.

Faire Spielregeln, Bewertungen oder Informationen durch seriöse Banken sind längst nicht mehr das Ziel. Die Banken trauen sich nicht einmal untereinander und die europäische Aufsicht wird ausgeschaltet, damit der Dreck am Stecken oder die Leichen im Keller bleiben können.

Kulkulcán
03.12.2009 10:10
Nach:

"Auch nationale Parlamente müssen zustimmen"
habe ich nicht mehr weiterelesen.
Erbärmlich.

Käptn'
03.12.2009 11:04

Ich habe nach:

"...auf makro-ökonomischer Ebene mit „Systemrisiken" beschäftigen und Frühwarnungen geben soll."

nicht mehr weitergelesen.

badlwand
03.12.2009 07:55
hauptsache wir bekommen

das tranferkonto
die datenspeicherung
weitergabe von bankdaten,
die videoüberwachung,.....

da scheint es den politikern nicht schnell genug zu gehen, da ist man auch nicht so zimperlich was bürgerrecht und gesetze betrifft.

und wenns um die elite geht, da wird gegenseitig blockiert.
und falls dann zufällig doch einen erwischt, na ja eine kleine strafe.... und weiter gehts.

Erzpiefke
 
03.12.2009 00:00
Ein unnötiger bürokratischer Popanz mehr

und der Steuerzahler zahlt die Rechnung.

Käptn'
03.12.2009 11:07

Ein Wort: Dekadenz!

Meine_Daten_gehören_MIR
02.12.2009 21:41
nichts gelernt

Ein weiterer Beweis dass Politiker nichts aus der Krise gelernt haben und/oder Lobbyisten immer noch zu stark sind.

Käptn'
03.12.2009 11:11

Doch, die Politiker haben gelernt, wie einfach -mit enorme Mengen von Staatsgeldern- die Wirtschaft/Banken zu retten sind.

Christoph ************
02.12.2009 22:59

Lobbyisten habens leicht, wenn sich ihre Forderungen mit den Partikulärinteressen eines bestimmten Inselmitgliedsstaates decken.

haudi
02.12.2009 19:35
Anruf

a) Hallo, hier spricht die EU-Finanzaufsicht
b) Hallo, hier Josef Pröll
a) Guten Tag. Wir hätten eine Frage zur Raiffeisen...
KLICK TUT TUT TUT

a) Hallo, hier spricht die EU-Finanzaufsicht
b) Hallo, hier Dobernig
a) Guten Tag. Wir hätten eine Frage zur Hypo Alpe...
KLICK TUT TUT TUT

Huan Sanchez
 
02.12.2009 21:28

Möchte einmal ein ambitioniertes Unternehmen erleben das nicht von den Briten nach allen Regeln der Kunst verzerrt wird...

Amüsant sind auch die Standorte der Niederlassungen. Wahrscheinlich beabsichtigt man die Mitarbeiter der Aufsichtsbehören und die Investmentbanker möglichst nah beieinander zu halten. Anders wärs vermutlich auch schwerer wichtige Entscheidungen bei einem Gläschen Wein auszuverhandeln.

Hugh G. Rection
03.12.2009 10:59
Die entsprechenden Gremien

für Banken (CEBS), Versicherungen (CEIOPS) und Wertpapiermärkte (CESR) gibts eh schon an den besagten Standorten, die ursprünglich beabsichtigte Ausweitung derer Kompetenzen wird nur Schritt für Schritt aufs derzeitige Niveau zusammengestutzt.

Btw: Halten Sie es im Sinne des Föderalismus für klüger, diese in Cluj, Funchal und Turku anzusiedeln?

Huan Sanchez
 
03.12.2009 18:21

So drastisch müsste man die Standortwahl natürlich nicht treffen, aber man könnte zumindest über den Tellerrand von Mr. Brown, Sarkozy und Frau Merkel blicken. Ein Standort, z.B. in Slowenien, Schweden oder einem der neuen Mitglieder könnte auch andere positive Effekte erzielen.

In den gewählten Ländern wäre mir der von den Staaten gewollte Einfluß ein Dorn im Auge.

NO : ID
 
02.12.2009 22:56

sie meinen so wie die fma und die finanzdienstleister in kakanien?

naja, immerhin ein zahnloser paiertieger mehr - das schafft auch arbeitsplätze.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.