Es geht nicht nur ums Standesamt

02. Dezember 2009 18:36

Kurze Aufklärung vor der heutigen Debatte im Justizausschuss in Sachen "Homo-Ehe" - Von Ulrike Lunacek

Österreichs Lesben und Schwule haben sich in den letzten zwei Jahrzehnten ein gutes Ausmaß an gesellschaftlicher Akzeptanz erkämpft. Nun wird es aller Voraussicht nach ab 1. Jänner ein neues Rechtsinstitut in diesem Land geben, was einige wichtige - aber lange nicht alle - Rechte für gleichgeschlechtlich l(i)ebende Menschen absichert.

Die Angst einiger (lokaler) ÖVP-Granden im Nationalrat und ein ideologischer Machtkampf zwischen Gesellschaftsliberalen und traditionell-katholisch-Konservativen innerhalb der ÖVP prägen die Auseinandersetzung. Nur damit sind die Absurditäten dieses neuen Gesetzes zu erklären. Die skurrilsten seien hier vorgestellt.

Nehmen wir an, Sie sind ein heterosexueller Mann und führen ein Gewerbe, eine Bilanzbuchhaltungskanzlei oder eine Wirtschaftstreuhandgesellschaft, und wollen zu Ihren Lebzeiten absichern, dass Ihre Ehefrau nach Ihrem Tod den Betrieb rechtlich abgesichert weiterführen darf. Kein Problem, nicht wahr? Für gleichgeschlechtliche LebenspartnerInnen wird es dieses Recht nicht geben - doch kann irgendwer erklären welchen Unterschied die sexuelle Orientierung beim Buchhalten macht?

Oder die Witwen/Witwer-Pension: Sind sie lesbisch und Ärztin oder Politikerin, so sollten Sie sich einen neuen Beruf suchen, wenn Sie wollen, dass Ihre Partnerin nach Ihrem Tod Anspruch auf Witwenpension hat. Diese Berufsgruppen sind dezidiert ausgeschlossen.

Grausam und inhuman wird es, wenn's um Kinder mit lesbischen Müttern und schwulen Vätern geht: Kinderzulage gibt's zum Beispiel nicht für betreute Kinder der Partnerin bei Witwenpension der öffentlichen Bediensteten. Sollte das Kind des Partners im Sterben liegen, ist die Familienhospizkarenz (also die Sterbebegleitung) erschwert. Und die Adoption des Stiefkindes wird grundsätzlich verboten: Das Kind hat also - etwa für den Fall, dass der leibliche Vater ins Koma fällt oder auf Grund einer schweren Krankheit sich nicht mehr um das Kind kümmern kann - keinen rechtlichen Anspruch darauf in der Familie, in der es aufgewachsen ist, zu bleiben.

Auch im Alltag wird die Vertretung des/der Partners/in Obsorgeangelegenheiten bezüglich des Stiefkindes untersagt. Und überhaupt: im gesamten Gesetz wurde darauf geachtet, dass der Begriff "Familie" nicht mit LebenspartnerInnen und deren Kindern in Zusammenhang gebracht werden kann. Familienpartei ÖVP? Nicht für Kinder von Lesben und Schwulen. Denn die leben laut ÖVP nicht in Familien.

Sollte dieses Gesetz tatsächlich so im Nationalrat beschlossen werden, ist lesbischen und schwulen Paaren mit Kindern wohl abzuraten, diese Lebenspartnerschaft einzugehen - denn sie werden's mit diesem Partnerschaftsgesetz schwerer haben als bisher. Und eines sollten sich die legistischen Hürdenbauer im Klaren sein: Vor dem VfGH oder dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof halten derart verschrobene Regeln nicht. (Ulrike Lunacek, DER STANDARD, Printausgabe, 3.12.2009)

Zur Person

Europaabgeordnete Ulrike Lunacek ist Vizeklubobfrau der Grünen und Sprecherin für die Gleichberechtigung von Lesben, Schwulen und Transgender; sie ist Kovorsitzende der LGBT-Intergroup im Europaparlament.

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    Posting 1 bis 25 von 122
    1 2 3
    Lichtfreak
    03.12.2009 17:35
    Die Ehe ist auf die Vermischung von Staat und Kirche

    zurückzuführen.

    Staatliche Ehe:

    Alle und jeder sollten sich gesetzlich als Parner mit den gleichen Rechten und Pflichten zu einer Gemeinschaft entscheiden dürfen.

    Kirchliche Ehe:

    Hier gelten die Statuten des Vereines und die gelten ausschliesslich für Mitglieder.

    Alles andere ist für mich Diskriminierung!

    Fräulein Szabo
    20.01.2010 14:15

    klar, und als meinen lebensparter, rechtsnachfolger oder sonstnochwas kann ich definieren wen ich will

    mikromalist
     
    03.12.2009 14:42
    Diese Diskussion muss belastet sein?

    Den "Homos" scheint es nicht nur nur um Toleranz zu gehen, sondern um die moralische Gleichstellung. Das ist, IMO, eine kleine (verständliche!) Schwäche.
    Warum stellen wir nicht die Frage: wozu benötigen wir im 21. Jhdt. einen Trauschein?
    Und was bedeutet die Identitätseinheit "Familie" in einem Rechtssystem? Gemeinsames Eigentum? Steuer? Gegenseitige Pflegeverantwortung? Wechselseitige Schuldenverantwortung? In der Erbfrage? Auskunft vom Spital?
    Sind Kinder nicht Privatsache?
    Ist es das?

    Timagoras
     
    09.12.2009 17:15
    "Warum stellen wir nicht die Frage: wozu benötigen wir im 21. Jhdt. einen Trauschein? "


    das müssen Sie dann aber die övp fragen!

    man kann von mir aus eh die ehe abschaffen.
    aber dann bitte für alle.

    oder man kann sie von mir aus beibehalten.
    aber dann bitte für alle.

    Henry Flower
    03.12.2009 15:06
    ja, am besten gehörat das alles

    in einem aufwaschen überlegt; weil ja nicht alle homos so heiraten wollen, wie es jetzt gestaltet ist, und auch nicht alle heteros.

    aber jetzt liegt ein konkreter entwurf vor und die gschicht ist a) dieser zementiert eine ungleichstellung und b) er wird einer späteren gesamtreform nur im weg stehen.

    ich würde sagen, es geht um die rechtliche gleichstellung, und ich halte das nicht für eine schwäche sondern eine selbstverständlichkeit.

    mikromalist
     
    03.12.2009 17:00
    Ich habe vergessen:

    TAKTISCHE Schwäche (nicht inhaltliche), Sorry.
    Aus der Position der Stärke hätte ich "darüber hinaus" gefordert.
    Ich dachte aber, das geht aus dem folgenden hervor ...

    Mann40
    03.12.2009 12:27

    interessant, sobald zum Thema Kinder/Adoption von Schwulen/Lesben gepostet wird, wird zensuriert, ein Armutszeugnis für die Redaktion.

    ama2deus
     
    03.12.2009 12:46

    ein zwei postings von mir sind auch noch nicht veröffentlicht.
    liegt aber meistens daran, dass bei derart heiklen themen, wo es im forum schon mal rund geht, die postings sehr oft durchgelesen werden, ob nicht eventuell durch beschimpfungen gegen die forenregeln verstoßen wurde.

    meistens kommt das posting innerhalb der nächsten stunde online

    Mann40
    03.12.2009 14:17

    @ama2deus

    ich denke dazu ist ja das Forum geschaffen worden, damit es eben heiss her geht...

    meine Postings enthielten allerdings keine Beschimpfungen, so etwas tue ich nicht.

    ama2deus
     
    04.12.2009 12:14

    ich denke mal das forum ist geschaffen worden um zu diskutieren, und zivilisierte diskussionen schließen prinzipiell beleidigungen etc. aus.

    ich meinte auch nicht, dass sie irgendwen beschimpfen. was ich meinte war, dass bei themen, bei denen es oft zu beleidigungen kommt, die onlineredaktion vorsichtiger mit den postings umgeht, diese deshalb häufiger kontrollliest ob sie den forenregeln entsprechen, und dass deshalb die veröffentlichung dauert.
    es gibt einen filter, der die postings, die auffällig erscheinen - was natürlich nicht heißt, dass sie es auch sind - aussortiert, diese werden dann kontrollgelesen.

    Mann40
    05.12.2009 14:44

    @ama2deus

    so gesehen ist es eine gute Sache, aber des Öfteren wird auch ohne Beschimpfung "zensuriert", bzw. Beschimpfungen kommen trotzdem ins Forum durch...

    Ein schönes Wochenende

    ama2deus
     
    08.12.2009 12:07

    es passieren natürlich fehler - nichts und niemand ist perfekt ;)

    astiberg
    03.12.2009 10:48
    Zerrissen

    Es geht ohne Gott in die Dunkelheit, aber mit ihm gehen wir ins Licht... heisst es schon im Lied!
    Dass so manche die Existenz Gottes abschaffen wollen ist nichts Neues, aber die Geschichte beweist doch, dass die Ordnungen des Schöpfers für unser Zusammenleben Voraussetzung sind.
    Was ungleich ist, (Homo bzw. Hetero) kann man nicht gleich machen, sonst steigt die Verwirrung.
    Homos sind genauso wertvoll wie Heteros, aber gute Schöpfungsordnungen sind für alle gültig.

    Drew R. Man
    03.12.2009 15:34
    das ist wirres zeug.

    mehr fällt mir dazu nicht ein.

    skaldjur
    03.12.2009 15:23
    Oida, bitte.

    Die Existenz Gottes abschaffen wollen?????????

    Wen meinen Sie? Den alten Herrn im Nachthemd mim weißen Bart oder den mim Turban? Den sitzenden, mim bladen Bauch? Oder den roten, mit dem Gfiedr im Haar? Genauer, bitte!!!

    G e o r g
    03.12.2009 14:45

    Deine Verwirrung scheint schon groß genug zu sein, da wird Aufhebung der Diskriminierung nicht mehr viel verschlechtern.

    Timagoras
     
    03.12.2009 14:27


    Ihr (aber)glaube in ehren,
    aber was hat das mit mir zu tun,
    oder mit meinen rechten,
    oder mit der österreichischen gesetzgebung???

    Ritzi
     
    03.12.2009 14:03

    Ein gewisser Iranischer Präsident hat übrigens vor kurzem ganz ahnlich argumentiert...

    Welche Gottesordnung meinen sie eigentlich? Es gibt verschiedene Religionen! Übernehmen wir doch die Islamische Gottesordnung? Einverstanden?

    Und wenn wir schon die Christliche Gottesordnung übernehmen dann aber bitte gleich gscheit! D.h. u.a. Sex unter Strafe stellen wenn die beiden nicht verheiratet sind und wenn sie es nicht mit der Absicht machen ein Kind zu zeugen! Bei Paulus heißt es wenn ich mich richtig erinnere unter anderem auch: "Die Frau schweige wenn der Mann spricht". Also Frauen die Männer unterbrechen auch gleich bestrafen...

    Viel Spaß!

    Henry Flower
    03.12.2009 13:12
    meine schöpfungsordnung:

    wenn es mir angeordnet wird, schöpfe ich.

    oder meinens was anderes?

    Das Liebenswürdige Scheusal
     
    03.12.2009 12:30
    Häää???

    ama2deus
     
    03.12.2009 12:07

    sie können nicht ihren glauben auf die rechtsordnung eines, zumindest offiziell, laizistischen staates umlegen!

    der staat hat sich nicht an glaubensregeln- und richtlinien zu orientieren.

    der kata
    03.12.2009 11:59
    homo oder hetero

    egal, verwirrter als Sie geht echt nicht!

    Geronimo Xi
     
    03.12.2009 11:46
    Schöpfungsordnungen

    welche meinen Sie? dass eine Familie nur aus Vater, Mutter u Kind besteht? Wer soll das festgelegt haben?
    Nicht irgend ein Schöpfer sondern wir Menschen. Ich verweise hier auf Pinguine (gleichgeschlechtliches Zusammenleben ein Leben lang und Adoption und Aufziehen von Findelkindern). Ist doch dann auch vom Schöpfer so gewollt, oder ist Leben nicht gleichwertig, weil es sich einmal um Vögel handelt und einmal um Säugetiere?
    Abgesehen von Patchworkfamilien...

    naihoit
    03.12.2009 10:07
    Was mich nicht betrifft, das kann mich nicht betroffen machen.

    Also darf man doch annehmen, daß all die vielen, die sich gegen eine Gleichstellung wehren, davon betroffen sind.
    Gibt es in Österreich tatsächlich so viele latent bisexuelle oder geht es nur um die paar Euros, die dem Staat -also uns allen- entgehen würden, wenn die Ehe für alle Paare möglich wäre?
    P.S.: das Umschreiben hunderter Gesetze wäre nicht notwendig, wäre einfach der Ehebegriff erweitert worden, und das kostet auch.

    pick dame
    03.12.2009 17:29

    so richtig teuer wird erst das einklagen dieser vielen gesetze beim gerichtshof für menschenrechte....
    danke liebe övp!! so haut ihr mit meinen steuergeldern um!!

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    Posting 1 bis 25 von 122
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