Suche nach der Leichtigkeit: Rebekka Bakken

2. Dezember 2009, 18:36
11 Postings

Die norwegische Sängerin über Songschreiben und Jazz-Irtümer

Wien - Das Verhältnis von Künstler und CD-Firma kommt langsam in eine spannende Phase. Popmensch Robbie Williams etwa verhandelt - bezüglich seiner CD-Zukunft - nicht nur mit allen möglichen Labels. Er lässt sein Management auch Finanzinstitute befragen, ob Williams diesen nicht eine Vorausinvestition von 55 Millionen Euro wert wäre. Als Gegenleistung bekämen sie vom Sänger die Hälfte seiner Einnahmen aus Alben, Konzerten und Sponsorenverträgen.

Angesichts solcher Businessideen wirkt Rebekka Bakkens Verhältnis zur Firma altmodisch: Sie hat sich über die Arbeit mit dem Gitarristen Wolfgang Muthspiel hierzulande einen Namen gemacht, sie landete bei Universal Österreich, und ist nun, da sie europaweit reüssiert, zu Universal Deutschland gewechselt, wo man 80.000 Euro in die neue CD Morning Hours investiert hat. Natürlich muss Bakken dem Label auch Teile ihrere Konzerteinnahmen überlassen.

"Diese Forderung steht wohl mittlerweile in allen Verträgen, und natürlich hat die Firma hohe Verkaufserwartungen." In einer komfortablen Position kann sie sich dennoch wähnen. Jedenfalls zwei weitere CDs lang. Dass sie mit Jazz gar nichts mehr zu tun haben will, und ihre Einspielung vor allem im Pop- und Folkbereich angesiedelt ist, wird die Firma beruhigen.

Wobei: "Mit Jazz hatte ich nie wirklich etwas zu tun. Ich spielte mit Jazzmusikern, war aber nie Jazzsängerin, das hat man mir abgedichtet. Ich beherrsche ja keine Standards, die Scat-Technik könnte ich nicht einmal als Witz einsetzten. Es wäre eine Beleidigung für das Genre, mich diesem zuzuordnen."

Sich selbst sieht die Norwegerin, die mittlerweile aus Wien weggezogen ist und nun in Schweden lebt, als Sängerin, deren Stimme folkig klingt. Als Sängerin auch, die sehr viele Songs, manchmal fünf pro Monat, schreibt. Mit dem Komponieren verhält es sich so: "Es ist leicht, Musik zu schreiben, der Text ist das Schwere. Der kommt immer hinterher. Wobei: Ich brauch da eine bestimmte Leichtigkeit, ich kann Musik nur ohne Druck produzieren, nur solange kein Zwang da ist." Dann ergebe das die seltsamen Momente: "Man kommt zufällig am Keyboard an, und da ist ein Ton, der schon einen ganzen Song enthält."

Das Liedchen geht sodann durch eine strenge Prozedur: "Ich spiele es im Grunde zwei Wochen lang täglich mehrmals. Bin ich danach noch immer von ihm überzeugt, also nicht angewidert, dann ist es gut." Es kommt allerdings noch eine kritische Phase hinzu: "Bevor ich ins Studio gehe, um eine CD aufzunehmen, bekomme ich dieses panische Gefühl, alles sei schlecht, und ich bräuchte neue Songs, die ich aber nie schreiben werde können: Kurzum: Ich glaube dann, mein Leben sei zu Ende! Bei den ersten zwei CDs hatte ich im Studio ein Buch mit Songmaterial anderer Komponisten dabei. Falls sich herausstellen sollte, dass mein Material Dreck ist." (Ljubiša Tošić / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.12.2009)

 

Wiener Konzerthaus, 19.30

  • Am Donnerstag im Wiener Konzerthaus: Rebekka Bakken
    foto: fischer

    Am Donnerstag im Wiener Konzerthaus: Rebekka Bakken

Share if you care.