"Der Fußball hielt uns am Leben"

2. Dezember 2009, 18:35
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Auf Robben Island, Gefängnisinsel in der Zeit der Apartheid, wo der Fußball eine spezielle Geschichte hat, tagt das Exekutivkomitee der Fifa

Kapstadt / Robben Island - Die Regierung des Fußball-Weltverbandes Fifa hat einen Ort für ihre Tagung gewählt, der wie kein zweiter für die Unterdrückung der politisch Andersdenkenden im ehemaligen Apartheid-Staat Südafrika steht und gleichzeitig eine besondere Beziehung zum Fußball hat. Fifa-Präsident Joseph S. Blatter und das Exekutivkomitee konferieren am Donnerstag auf der Gefängnisinsel Robben Island vor Kapstadt. Dort wurden Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela und viele seiner Mitstreiter jahrelang als politische Häftlinge gefangen gehalten.

Vor der WM-Gruppenauslosung am Freitag in Kapstadt hat die Fifa das Exko-Meeting bewusst auf die Insel in der Tafelbucht gelegt, um an das Leid der Anti-Apartheid-Aktivisten zu erinnern. Dabei spielte der Fußball für die Häftlinge auf Robben Island als Hoffnungsträger eine wichtige Rolle. Sie gründeten damals sogar eine eigene Liga.

"Der Fußball hielt uns am Leben" , berichtet Mosima Gabriel "Tokyo" Sexwale, einer der populärsten Politiker Südafrikas und langjähriger Weggefährte Mandelas. Erst am 20. Mai dieses Jahres hatte Südafrikas Staatspräsident Jacob Zuma den erfolgreichen Geschäftsmann zum Siedlungsminister ernannt. Für die Fifa ist der charismatische Sexwale Botschafter im Kampf gegen Rassismus.

Sexwale, Segwale ausgesprochen, kann sich noch gut erinnern, "wie wir auf Robben Island aus Kleidung ein Bündel geformt haben, das einem Fußball ähnelte" . Schon damals habe er immer daran geglaubt, dass Südafrika eines Tages Ausrichter einer Fußball-WM sein würde.

Dass Fußballligen unter den Häftlingen auf Robben Island existierten, war lange Zeit nicht dokumentiert. Erst das Buch More Than Just a Game von Chuck Korr und Marvin Close von 2007 machte die Bedeutung des Fußballs für die Sträflinge auf Robben Island bekannt. Die Insassen durften lange Zeit nicht kicken, wurden von den Wärtern bestraft, wenn sie zuwiderhandelten.

Erst nach langem Kampf und dreijähriger Beharrlichkeit wurde es schließlich gestattet. Zunächst durfte nur dreißig Minuten und lediglich samstags gekickt werden. Das erste Spiel fand an einem windigen Dezembermorgen des Jahres 1967 zwischen den Rangers und den Bucks statt. Es gab ein eigenes Regelwerk, Schiedsrichter und einen Strafenkatalog. Sogar Transfers unter den Mannschaften der Inhaftierten waren möglich.

Einige der politischen Gefangenen waren schon zuvor leidenschaftliche Fußballer, einige sogar Halbprofis gewesen. So auch der stellvertretende südafrikanische Präsident Kgalema Matlanthe oder Patrick Lekota, der später Verteidigungsminister wurde. "Wir haben alle möglichen Materialien benutzt, um sie für unsere Fußballspiele zu verwenden" , sagt Sexwale. "Die Tornetze waren eigentlich Netze zum Fischen, die angespült wurden." Dem späteren Präsidenten Mandela, der von 1964 bis 1982 auf Robben Island inhaftiert war, war das Kicken verboten.

Die zwölf Kilometer vor Kapstadt liegende Insel ist heute eine Gedenkstätte. (sid, red, DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 3. Dezember 2009)

  • Fifa-Präsident Joseph S. Blatter und das Exekutivkomitee konferieren am
Donnerstag auf der Gefängnisinsel Robben Island vor Kapstadt. der Fußball spielte für die Häftlinge auf Robben Island als Hoffnungsträger
eine wichtige Rolle. Sie gründeten damals sogar eine eigene Liga.
    foto: epa/chris rico

    Fifa-Präsident Joseph S. Blatter und das Exekutivkomitee konferieren am Donnerstag auf der Gefängnisinsel Robben Island vor Kapstadt. der Fußball spielte für die Häftlinge auf Robben Island als Hoffnungsträger eine wichtige Rolle. Sie gründeten damals sogar eine eigene Liga.

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