Zu hoher Kaufpreis für Kärntner Hypo

2. Dezember 2009, 19:47
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BayernLB soll kurz vor Hypo-Kauf eine kritische Bewertung ignoriert und dann zu einem "überhöhten Preis" gekauft haben

Wien - Neuer Sprengstoff rund um den Hypo-BayernLB-Deal im Mai 2007: Laut einem internen Prüfbericht der BayernLB haben die Bayern die Kärntner Hypo "übereilt" und zu einem "überhöhten Preis" gekauft. Das erklärt der finanzpolitische Sprecher der bayerischen Grünen, Eike Hallitzky, und beruft sich dabei auf den Prüfbericht der Münchner Wirtschaftsprüferin Corinna Linner, der ihm vorliegt.

Die 50jährige Ex-Commerzbank-Managerin wurde im Februar vom bayerischen Finanzministerium als "Sonderbeauftragte" in die Bank entsandt und erstellte einen "Sonderbericht zum Kauf der Hypo Group Alpe Adria". Sie analysierte Risiken, ging Verantwortlichkeiten nach, prüfte, zu welchem Zeitpunkt welche Bewertungsgutachten mit welchen Werten vorlagen und stellte Zeitdiagramme auf.

Rücktritt nach Bericht

Den Bericht legte sie dem Verwaltungsrat der BayernLB im Sommer 2009 vor - auf schlanken 14 Seiten fällte sie ein eher vernichtendes Urteil. Es sei "fraglich, ob die Beteiligten ihren Sorgfaltspflichten gerecht wurden", schrieb sie. Schwenk nach Österreich:Just zu der Zeit, als die staatlichenEigentümer der BayernLB den Bericht auf denTisch bekamen, trat in Klagenfurt (im Juni 2009) Tilo Berlin freiwillig als Chef der Hypo Group zurück.

Der Knackpunkt im Linner-Bericht dürfte das Ergebnis einer Due Diligence durch Ernst&Young sein, das der BayernLB am 18. Mai 2007 zur Verfügung stand. Diese Prüfung setzte den Hypo-Wert bei weniger als 2,5 Mrd. Euro an, rund 500 Mio. Euro weniger als bei früheren Bewertungen. "Diese Due Diligence fiel verheerend aus, aber das hat der BayernLB-Vorstand nicht zur Kenntnis genommen", kommentiert Hallitzky. Er habe vielmehr unbeirrt an seinemVorhaben festgehalten - und denVertrag mit den Kärntnern am 22. Mai unterzeichnet. Basis: ein Unternehmenswert von 3,2 Mrd. Euro. Der heiße Bericht blieb jedenfalls unter Verschluss, die bayerischenGrünen werden ihn heute, Donnerstag, präsentieren.

Kommende Woche wird sich dann das weitere Schicksal der Kärntner Hypo Group Alpe Adria entscheiden. Bis dahin müssen Endbericht zum Asset Screening und "Fraud Report" der Wirtschaftsprüfer auf dem Tisch liegen, am Freitag müssen die Aktionäre dann bei der Hauptversammlung Nägel mit Köpfen machen.

Ringen um Geldspritze

Alle Jahre wieder, könnte man sagen, hat sich doch im Dezember des Vorjahres Ähnliches abgespielt. Damals musste die Kärntner Hypo von ihrer Mehrheitsaktionärin BayernLB knapp 700 Mio. Euro frisches Kapital bekommen (den kleinen Rest auf die 700 Mio. hat die Hypo Mitarbeiter Privatstiftung gezahlt), die Republik Österreich schoss 900 Mio. ein. Ursprünglich hatten die Kärntner rund 1,5 Mrd. Euro Partizipationskapital gewollt.

Die Notenbank (OeNB), die damals einen Bericht zum Zustand der Bank erstellen musste, war zur semantisch-diplomatischen Diagnose gekommen, die Hypo sei "non distressed" (nicht notleidend). Die Hypo-Begutachter selbst, ist zu hören, hätten die Hypo lieber als "distressed" eingestuft - die damit verbundenen Auswirkungen (wesentlich strengere Auflagen für die staatliche Unterstützung) habe die Notenbank aber nicht riskieren wollen. Ein OeNB-Sprecher sieht es anders, "wir mussten die Hypo unter Einrechnung der 700 Millionen Euro prüfen, und da war sie 'non distressed‘."

Pekuniäres Detail am Rande: Der damalige Vorstand unter Berlin muss seinen Bonus für 2008 von fast 800.000 Euro zurückzahlen, das ist wie berichtet in der Bilanz 2008 als Rückforderungsanspruch vermerkt. Berlin lässt ausrichten, das sei "doch Ehrensache und längst erledigt".

Demnächst erledigt sein wird übrigens auch das sogenannte Birnbacher-Honorar. Die Kärntner Landesholding (hält 12,4 Prozent an der Bank) wird dem Villacher Wirtschaftsprüfer Dietrich Birnbacher die letzte Tranche von 1,5 Mio. Euro dieser Tage überweisen.

Birnbacher hat das Land beimVerkauf des Hypo-Anteils an die BayernLB beraten und war laut Landesrechnungshofbericht "bereits im Vorfeld des Auftragsverhältnisses bei der Identifikation der BayernLB als möglicher Interessent für einen Aktienerwerb ... hilfreich". In Summe beträgt sein Honorar sechs Millionen Euro.

Was Birnbacher in besagtem Vorfeld getan hat, ist nicht überliefert. Ex-BayernLB-Chef Werner Schmidt (ihm wirft die Münchner Staatsanwaltschaft eben vor, er habe die Hypo zu teuer gekauft; es gilt die Unschuldsvermutung) und Ex-Hypo-Chef Wolfgang Kulterer kannten einander jedenfalls schon lange. Schmidt hat 2001 (damals mit seiner Beratungsgesellschaft Schmidt Consulting) das Controlling der Kärntner Hypo unter die Lupe genommen. (Renate Graber, DER STANDARD, Printausgabe, 3.12.2009)

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    Ex-Banker Wolfgang Kulterer (re.) und sein Nachfolger und Investor Tilo Berlin werden beim Untersuchungsausschuss in Bayern viel gefragt werden.

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