ÖBB frühestens 2012 in schwarzen Zahlen

2. Dezember 2009, 18:50
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Güterverkehr erst in drei Jahren mit positivem Ergebnis - Vorstandswechsel in der ÖBB-Holding bereits 2010

Wien - Seit der ÖBB-Holding-Aufsichtsratssitzung am Dienstag ist es amtlich: Der ÖBB-Konzern wird erst 2012 wieder in die schwarzen Zahlen fahren. "Nach der Mittelfristplanung wird die ÖBB beim konzernweiten Ergebnis binnen zwei Jahren den Turnaround schaffen", teilte ÖBB-Holding-Aufsichtsratschef Horst Pöchhacker am Mittwoch via Aussendung mit.

Massive Einbrüche gab es, wie berichtet, vor allem in der Güterverkehrssparte Rail Cargo Austria (RCA). Sie wird heuer tiefer in die roten Zahlen fahren und ihr Betriebsergebnis (Ebit) von minus 39,4 auf minus 90,1 Millionen Euro ausweiten. Die Umsatzerlöse werden um 8,2 Prozent niedriger bei 2,27 Mrd. Euro erwartet. Da heuer kaum neue Rückstellungen für die (Buchverluste produzierenden) Derivatgeschäfte (CDO) notwendig sind, wird sich wenigstens das Vorsteuerergebnis (EBT) um 169,8 auf minus 132 Mio. Euro verbessern.

Das vor einer Woche im RCA-Aufsichtsrat beschlossene Budget dämpft die Erwartungen auf rasche Gesundung: 2010 sind 2,4 Mrd. Euro an Umsatzerlösen und ein Ebit von minus 59 Mio. Euro eingestellt (die staatlichen Subventionen steigen von 96,2 auf 112,4 Mio. Euro). 2011 soll das Ebit nur mehr mit 15,3 Mio. Euro unter Wasser sein, ehe die RCA 2012 mit fast 50 Mio. Euro wieder in den schwarzen Zahlen ankommt. Der RCA-Konzernumsatz soll dann auf 2,66 Mrd. steigen und damit erstmals über dem Spitzenjahr 2008 liegen.

Harte Sanierung

Bis dahin ist harte Sanierungsarbeit zu leisten. Der Baustellen gibt es viele: Die aus Traktion (Fahrdienst, Triebfahrzeuge) und Verschub zu bildende ÖBB-Produktion GmbH ist nach langem Ringen wenigstens auf dem Papier auf Schiene. Sie wird, wie berichtet, künftig zu 51 Prozent RCA und zu 49 Prozent dem Personenverkehr gehören, die Verluste trägt RCA künftig zu 70 Prozent. Für den Verschub des mit Staatsgeldern finanzierten Verschubs von der ÖBB-Infrastruktur in den Absatz fehlt noch grünes Licht aus Brüssel. In Verschub, Traktion und RCA wackeln in Summe 3800 Stellen.

Ins neue Jahr verschoben wurde einmal mehr ein Personalpaket, das rund um die überfällige Bestellung des Personenverkehr-Finanzchefs geschnürt werden soll. Wie in einem Teil der Mittwochausgabe berichtet, wurden die Weichen für den Abgang von Vorstandsdirektor Gustav Poschalko gestellt. Er wird in jenem Monat aus der Holding ausscheiden, in dem sein Nachfolger den Dienst antritt. Somit scheint die Wachablöse vor Jahresmitte kaum realistisch.

Rasche Ergebnisse sind auch bei Nebenbahnenschließungen nicht zu erwarten. Der am Dienstag gefasste Grundsatzbeschluss besagt, dass die ÖBB mit Verkehrs- und Finanzministerium Verhandlungen über das Zielnetz 2025 aufnimmt. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe, 3.12.2009)

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