Wissenschaft mit "Scobel" auf 3sat

2. Dezember 2009, 17:36
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Gert Scobel, Moderator und studierter Philosoph und Theologe, trägt mit seiner nach ihm benannten Sendung dazu bei, dass die Welt nicht vollkommen verblödet

Anlässlich des 25. Geburtstags von 3sat würdigt dieses TV-Tagebuch eines der gelungensten Formate im, sagen wir, manchmal recht unaufgeregt daherkommenden Qualitätsprogramm: Gert Scobel, Moderator und studierter Philosoph und Theologe, trägt mit seiner nach ihm benannten Sendung dazu bei, dass die Welt nicht vollkommen verblödet. Andere Fernsehdiskussionen lehren, dass das Wort billig ist, er verteilt Redezeit an g'scheite Menschen, die aktuelle Forschungspositionen auch für interessierte Normalverbraucher halbwegs zugänglich formulieren können.

Vergangene Woche zog er aus, um anlässlich des 1000. Geburtstags des Mainzer Doms über "Werte gestern und heute" (okay, der Titel ist auch nicht aufregend) einmal mehr über den Stellenwert der Religion zu reden. Schon die Einführungszuspielung zeigte mit der Erklärung von Platons Idee des Guten keine Scheu vor Grundlegendem. Und vor nicht langer Zeit stand Scobel sonnenbebrillt auf der Zugspitze, um angesichts marginalisierter Gletscherzungen Klimawandel-Experten auszuquetschen. Immerhin durchschnittlich 200.000 Seher lassen sich allwöchtlich von der Sendung belehren, die ohne großen Quotendruck mit den spärlichen Mitteln der 3sat'schen Experimentierküche entstand.

Der ORF hat, außer wenn die Diskussion in Kreuz & Quer oder im Club 2 einmal sachlicher ausfallen, nichts Vergleichbares. Den wissenschaftlichen Bildungsauftrag setzt Newton um, was bestenfalls als Teaser für desinteressierte Normalverbraucher durchgeht. Scobel dagegen bietet schlicht und einfach den besten Wissenschafts-Talk im deutschen Sprachraum.

Heute abend diskutiert Scobel über Frühgeburten. Interessiert nicht? Anschauen! Trotzdem! (Alois Pumhösel, DER STANDARD; Printausgabe, 3.12.2009)

  • Gert Scobel.
    foto: 3sat

    Gert Scobel.

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