Türkei und Syrien fordern Banken-Boykott

2. Dezember 2009, 18:04
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Muslime sollen Vermögen aus der Schweiz abziehen - Für das Minarettverbot soll auch ein falscher Professor aus Österreich Stimmung gemacht haben

Bern/Bregenz/Istanbul/Wien - Die Türkei und Syrien haben Muslime in aller Welt dazu aufgerufen, ihr Vermögen aus der Schweiz abzuziehen. Der türkische Europaminister Egemen Bagiº sagte, der türkische Bankensektor sei für Geldanlagen offen. Er forderte von den Schweizern zudem gemäß Presseberichten von Mittwoch, die „fehlerhafte Entscheidung" des Referendums vom vergangenen Sonntag zu korrigieren.

Auch die Führung der Syrischen Republik, die wie die Türkei ein säkularer Staat ist, rief zur Kampagne gegen die Schweiz auf. Die Chefredaktion der regierungsnahen syrischen Tageszeitung Teshreen forderte einen arabischen Boykott Schweizer Waren.

Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer betonte am Mittwoch, ein spezielles Minarettverbot in Österreich sei verfassungswidrig. Er werde „mit allen meinen Möglichkeiten" darauf achten, dass die verfassungsrechtlichen Garantien für Glaubensgemeinschaften respektiert werden.
Bei der Stimmungsmache gegen Minarette hatten die Initiatoren offenbar auch auf einen Österreicher gesetzt: Heinz Gstrein, früherer Nahost-Korrespondent für Schweizer und österreichische Zeitungen, hielt für die Schweizer Volkspartei (SVP) und Minarett-Initiative landauf landab Vorträge als „Professor der Universität Wien" gegen die „Islamisierung der Schweiz". Die Basler Zeitung fragte in Wien nach und erfuhr, dass Gstrein nicht im Personalverzeichnis der Uni aufscheint. Worauf sie titelte: „Hochstapler wirbt für Minarett-Verbot".

Gstrein ist zwar nicht Uni-Professor, hält aber im Rahmen des Postgraduate-Lehrgangs „Interdisziplinäre Balkanstudien" Vorträge. Ob er das weiter darf, wird „in Kürze" entschieden, sagte Institutsleiter Heinz Miklas zum Standard

Das Vorgehen der SVP im Vorfeld der Abstimmung nannte die Schweizer Außenministerin Micheline Calmy-Rey in der Wochenzeitung Die Zeit „inakzeptabel". Die Partei habe trotz ihrer Regierungsverantwortung die Initiative gegen Minarette instrumentalisiert. Allerdings habe die Regierung die Ängste der Bevölkerung im Zusammenhang mit der Abstimmung für ein Minarettverbot unterschätzt.
Der Imam der Genfer Moschee, Youssef Ibrahim, warnte vor Generalisierungen, falls ein Muslim ein schlechtes Bild des Islam abgebe. „Nie hat ein hochrangiger Muslim oder eine Gemeinschaft verlangt, die Scharia in der Schweiz anzuwenden", erläuterte Ibrahim. (AFP, dpa, jub, sda, spri, DER STANDARD, Printausgabe, 3.12.2009)

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    Ansicht einer Moschee in Rendsburg im deutschen Bundesland Schleswig-Holstein.

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