Austria trauert um Alberto Martinez

2. Dezember 2009, 15:38
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Europacup-Held aus Uruguay erlag am Dienstag in seiner Heimat einem Herzleiden

Wien - Der FK Austria Wien trauert um einen seiner früheren großen Fußball-Legionäre. Alberto Ariel Martinez, der von 1973 bis 1978 den violetten Dress getragen und in 188 Ligaspielen 30 Tore erzielt hatte, ist am Dienstag in seiner Heimat Uruguay einem Herzleiden erlegen. Martinez wurde nur 59 Jahre alt. "Er hat sich zu Mittag hingelegt, ist eingeschlafen und nicht mehr aufgewacht", sagte Austria-Vorstand Thomas Parits, nachdem er am Mittwoch die Todesnachricht erhalten hatte.

"Wir haben mit ihm eine tolle Zeit als Fußballer erlebt, er war ein Super-Spieler, der auch einen Schmäh hatte", erzählte Parits über seinen früheren Mitspieler. "Das ist für mich ein schwerer Schock und ein ganz trauriger Tag. Wir waren mit seiner Familie eng verbunden, meine älteren Töchter waren gleich alt wie seine Kinder," meinte der sichtlich betroffene Austria-Trainer, der am 3. Mai 1978 Martinez im Pariser Finale des Europacups der Cupsieger gegen RSC Anderlecht nach einer Stunde Platz gemacht hatte.

Seinen wichtigsten Treffer erzielte der technisch versierte Mittelfeldspieler am 12. April 1978. Vor 70.000 Zuschauern im Prater-Stadion verwandelte Martinez gegen Dynamo Moskau den entscheidenden Penalty zum 5:4 und schoss damit die Veilchen als ersten ÖFB-Verein in ein Europacup-Endspiel. Danach wechselte der Legionär zum Wr. Sportclub, weitere Stationen in Österreich waren VOEST Linz und Favoritner AC.

Am 7. Jänner 1973 gemeinsam mit seinem Landsmann Julio Morales für ein Handgeld von insgesamt einer Million Schilling (72.673 Euro) nach Wien gekommen, kehrte Martinez 1985 schweren Herzens nach Südamerika zurück. Zwei Jahre davor hatte er die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten, doch im Gegensatz zu ihm, hatte sich seine Frau Mirna in der Alpenrepublik nie richtig wohl geführt. In Uruguay blieb er dem Sport als Trainer erhalten und war zuletzt in der Sportpolitik tätig.

Nach seiner Rückkehr spielte ihm das Schicksal übel mit. 1987 erlitt er einen Herzinfarkt, überstand diesen nach einer komplizierten Operation und am 5. Febraur 1990 erfuhr er von einer unheilbaren Krankheit seines damals 13-jährigen Sohnes Manuel, der am 2. Februar 1991 an den Folgen eines Gehirntumors starb. Danach ging auch noch die Ehe in Brüche.

Zu seinen Freunden zählte Martinez, dessen Sohn Sebastian früher u.a. für SV Ried gespielt hatte und jetzt bei Bundesliga-Aufsteiger SC Wr. Neustadt engagiert ist, u.a. ÖFB-Teamchef Dietmar Constantini und einen von dessen Vorgängern, Herbert Prohaska. Die Austria-Ikone hatte nach Bekanntwerden der schweren Krankheit von Martinez sen. eine Spendenaktion für die Herz-OP initiiert.

Der FK Austria Wien wird am Donnerstag (19.00 Uhr ) im Europa-League-Heimspiel gegen Athletic Bilbao mit Trauerflor antreten und vor dem Anfpiff wird eine Trauerminute abgehalten. (APA)

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