Geldgeber für Stollenöffnung gesucht

2. Dezember 2009, 15:19
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Unterirdische Anlage des ehemaligen KZ Gusen soll eingeschränkt zugänglich gemacht werden - "Konzept" bislang ohne Finanzierung, Haftung oder Organisation

Linz - Die Stollenanlage des ehemaligen KZ Gusen soll Überlebenden und in weiterer Folge auch interessierten Besuchern zugänglich gemacht werden, wie aus dem Nutzungskonzept des Innenministeriums hervorgeht. Rudolf Haunschmied vom Gusen Memorial Committee hofft, bereits im Mai 2010 ersten Gruppen eine Besichtigung anbieten zu können. Dringend gesucht wird nun ein Geldgeber, denn das vorliegende "Konzept" enthält keine Antworten hinsichtlich Finanzierung, Haftung oder Organisation.

Im KZ Gusen, einem ehemaligen Außenlager von Mauthausen, waren mindestens 71.000 Menschen aus 27 Nationen interniert, mehr als die Hälfte kam zu Tode. Allein das Projekt "Bergkristall" - der Bau einer acht Kilometer langen Stollenanlage zur unterirdischen Flugzeugproduktion - kostete mehr als 8.600 Häftlinge das Leben. Ein Großteil der Gänge wurde mittlerweile aus Sicherheitsgründen verfüllt. Für die verbleibenden zwei Kilometer hat das Ministerium in Abstimmung mit der Gemeinde St. Georgen/Gusen, Opferverbänden und der Bundesimmobilien-Gesellschaft (BIG) als Eigentümerin ein Nutzungskonzept erstellt.

Etappenweise Öffnung

Demnach will man Überlebenden die Möglichkeit geben, die Stollen noch einmal zu besuchen. Bereits im Mai 2010 - anlässlich der jährlichen Gedenkfeierlichkeiten in Mauthausen - sollen die ersten in die unterirdischen Gänge vorgelassen werden, hofft Haunschmied. Hier dränge angesichts des Alters der Betroffenen die Zeit. 2011 oder 2012 sei dann geplant, auch anderen Interessierten Führungen in kleinen Gruppen mit speziell ausgebildeten Guides anzubieten. Die Gänge allein zu erkunden, wäre zu gefährlich, so Haunschmied.

Auch wenn das Konzept eine ständige Öffnung der Stollen für Besucher und Veranstaltungen ausdrücklich ausschließt und nur einen eingeschränkten Betrieb vorsieht, ist der erzielte Kompromiss für Haunschmied "ein Wurf". Man müsse realistisch bleiben und sehen, was mit vernünftigen Mitteln erreicht werden könne. Denn es wäre viel zu gefährlich, Besucher allein durch die Gänge streifen zu lassen, gab er zu bedenken.

Faktor Sicherheit

Wie rasch sich die Pläne in die Praxis umsetzen lassen, ist allerdings offen. Denn neben einem organisatorischen Konzept wären bauliche Maßnahmen nötig - etwa die Schaffung eines entsprechenden Zugangs oder eines Beleuchtungssystems. Dafür fehlt es aber vorerst noch an Geldgebern. Haunschmied, der den Aufwand auf drei bis vier Millionen Euro schätzt, will nun mit dem Fundraising beginnen. Er hoffe, dass der Bund Mittel zur Verfügung stellt, Zusage habe er aber noch keine.

Die BIG will nur mehr Know-how beisteuern: Man habe bereits zwölf Millionen Euro in Sicherungsmaßnahmen investiert, die nun - bis auf die Rekultivierung - abgeschlossen seien, so Unternehmenssprecher Ernst Eichinger. Übernehmen muss die BIG allerdings die Haftung für Besucher - und steht einem größeren Andrang daher reserviert gegenüber. Sollte ein Überlebender den Wunsch haben, die Stollen zu besuchen, müsse man von Fall zu Fall entscheiden, ob man die Erlaubnis dazu gebe, so Eichinger angesichts der "nicht adäquaten" Sicherheitslage in den unterirdischen Gängen. (APA)

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