Pfusch am Bau nimmt zu

2. Dezember 2009, 14:49
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Das Ausmaß der Schattenwirtschaft steigt 2009 voraussichtlich auf 20,5 Milliarden Euro, besonders betroffen ist einmal mehr das Baugewerbe

Wien - Der Ausbruch der Wirtschaftskrise im Vorjahr leistet der Schwarzarbeit wieder Vorschub. Nachdem sich der Anteil des "Pfusches" zwischen 2004 und 2008 von 11 auf 8,07 Prozent der gesamten Wertschöpfung des Landes verringert hat, steigt er heuer voraussichtlich auf 8,47 Prozent an, geht aus den Hochrechnungen des Wirtschaftsexperten Friedrich Schneider von der Universität Linz hervor. Der Löwenanteil der Schwarzarbeit (38 Prozent) entfalle auf das Baugewerbe und Handwerksbetriebe.

"Der Pfusch ist eine Volkskrankheit, die vom Neusiedlersee bis zum Bodensee ganz stark verbreitet ist", sagte Schneider heute, Mittwoch, vor Journalisten. In der Krise werde beispielsweise versucht, die finanziellen Einbußen infolge von Kurzarbeit mit Schwarzarbeit zu kompensieren. Zwei Drittel bis drei Viertel der Pfuscher hätten einen offiziellen Job und würden sich am Wochenende oder nach Arbeitsschluss etwas dazuverdienen. Die Österreicher hätten diesbezüglich auch kein Unrechtsbewusstsein - "97 Prozent der Befragten würden keinen Pfuscher anzeigen", verwies er auf seine jüngste Erhebung.

In Österreich werden allein im Baugewerbe und bei den Handwerksbetrieben heuer 7,79 Mrd. Euro schwarz umgesetzt, in Wien 2,147 Mrd. Euro, in Niederösterreich 1,261 Mrd. Euro und in Oberösterreich 1,30 Mrd. Euro. Hierzulande hätten wir etwa 800.000 bis 900.000 Nebenerwerbspfuscher.

Anreize schaffen

Zur Eindämmung der illegalen Praktiken müssten Anreize dafür geschaffen werden, die vielen Millionen schwarzgearbeiteten Stunden in der offiziellen Wirtschaft machen zu lassen, ist Schneider überzeugt. Die Leistungen müssten billiger werden. Der Ökonom plädiert für die steuerliche Absetzbarkeit von 20 Prozent, also der Höhe der Mehrwertsteuer, von haushaltsnahen Dienstleistungen bzw. Investitionen.

Dabei sollten pro Haushalt und Jahr bis zu 5.000 Euro steuerlich begünstigt werden. Bei einer Gesamtsteuerlast (direkte und indirekte Steuern) von 40 Prozent würde der Finanzminister an der Maßnahmen sogar verdienen - bei 300.000 Haushalten wären dies - bei Inanspruchnahme der vollen Förderung - zwischen 70 und 170 Mio. Euro. Er müsste die Aktion nur vorfinanzieren.

Ein Anreiz zur legalen Vergabe von Aufträgen wäre der "Handwerkerbonus" nach deutschem Muster. "Der Bonus wirkt in Deutschland ganz massiv." Die staatliche Vergünstigung wäre eine sehr günstige Maßnahmen. Neben der steuerlichen Absetzbarkeit, profitiere der Kunde von der Gewährleistungspflicht.

Wohnbauförderung kontrollieren

Weiters solle es die Wohnbauförderung seiner Meinung nach in allen Bundesländern nur gegen Vorlage von Rechnungen geben. "Dass Herr und Frau Österreicher Rechnungen fälschen, sehe ich sehr als unwahrscheinlich an", so Schneider. Die genannten Maßnahmen "würden den Pfusch halbieren und das wäre gerade jetzt in der Rezession ein Segen für die Wirtschaft".

Die rund 11.000 österreichischen Baumeisterbetriebe haben gemeinsam die Initiative "bau fair!" für mehr Fairness im Baugeschehen gestartet. Bundesinnungsmeister Hans-Werner Frömmel warnt vor einem sowohl für den Bausektor als auch den Finanzminister "giftigen Mix aus Arbeitslosigkeit und Schwarzarbeit". Gemeinsam mit dem stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft Bau-Holz, Josef Muchitsch, appellierte er unter anderem für eine Winterbauoffensive seitens der Regierung, eine Fortführung der thermischen Sanierung in 2010 sowie strengere Kontrollen der Baustellen. "Die Betrugsfälle nehmen im Zuge der Krise wahrscheinlich zu", sagte der Vorsitzende des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Hans Jörg Schelling. (APA)

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