Private Banking wieder im Aufwind

2. Dezember 2009, 14:28
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Eine Milliarde Euro wurde angesichts der Krise auf Sparkonten zwischengeparkt, nun treten wieder "mehr risikobehaftete Anlagen in den Vordergrund"

Wien - Der österreichische Private Banking-Markt befindet sich nach dem kräftigen Einbruch im Jahr 2008 wieder im Aufwind. "Die Erholung erfolgt schneller als erwartet", sagte Wolfgang Traindl, Leiter des Private Banking der Erste Bank am Mittwoch vor Journalisten in Wien. Die bei den heimischen Banken veranlagten Finanzvermögen der Reichen und Superreichen - dazu werden Kunden mit liquidem Gesamtvermögen ab 300.000 Euro gezählt - steigen heuer um 6 Prozent auf 126 Mrd. Euro, erwartet Traindl.

Die Finanzkrise hat im Vorjahr die sogenannten "High Net Worth Individuals" (HNWI) 8,5 Prozent oder 11 Mrd. Euro gekostet. In Österreich hätten die Reichen damit aber weniger verloren als im EU-Schnitt, so Traindl. 2006 beliefen sich die heimischen Finanzvermögen der HNWI - laut Daten der Beratungsfirma Booz & Company - auf 117 Mrd. Euro, und stiegen 2007 auf 130 Mrd. Euro. 2008 erfolgte ein Einbruch auf 119 Mrd. Euro. Diese Verluste sollten 2010 wieder wettgemacht sein, der Private Banking-Markt um weitere 6 Prozent auf rund 133 Mrd. Euro zulegen, schätzt Traindl. Für das eigene Institut geht er von einem überdurchschnittlichem Wachstum von 9 Prozent aus.

Im Visier der Privat Banking-Experten der Erste Bank stehen derzeit jene rund 1 Mrd. Euro, die in Folge der Finanzkrise auf den heimischen Sparkonten zwischengeparkt sind. Im Wettbewerb um diese Gelder und der derzeitigen Marktkonsolidierung sieht sich die Erste Bank gut aufgestellt: "Der Kunde sucht Sicherheit und eine Bank, die nahe bei ihm ist und ein breites Leistungsspektrum zu bieten hat", meinte Traindl. In dieser Phase würden wieder österreichische Hausbanken favorisiert, Gelder aus dem Ausland wieder zurückfließen, weil eine Veranlagung im Ausland keine Vorteile mehr brächte. Zugleich seien auch die Zeiten "für hyper-mystische Anbieter mit magischen Renditenzahlen" vorbei.

Mehr Risiko

Bei der Veranlagung der Gelder treten jetzt wieder "mehr risikobehaftete Anlagen in den Vordergrund", so Paul Severin, Investmentstratege der Erste Sparinvest. Hoffnungsträger für die Aktienmärkte seien dabei vor allem die Emerging Markets und darunter die "Big Four" der Schwellenländer: Russland, Indien, Brasilien und China. Mit Kurskorrekturen im ersten Halbjahr 2010 sei allerdings zu rechnen. Weiterhin attraktiv bleiben sollten auch Unternehmensanleihen sowie Immobilien- und Gold-Veranlagungen.

Für konservative Private Banking-Kunden empfiehlt die Erste Bank 15 Prozent Aktien mit Schwerpunkt Blue Chips, 70 Prozent Anleihen, 5 bis 10 Prozent Immobilien, 5 bis 10 Prozent Cash und 5 Prozent Gold. Für dynamische Kunden lautet die Empfehlung auf 25 Prozent Aktien, 60 Prozent Anleihen, sowie Immobilien-, Cash- und Gold-Anteile wie der konservativen Veranlagung.

Für Kleinanleger wird ein "finanzielles Basislager" von rund drei Monatsgehältern auf einem Sparkonto empfohlen. Danach sollte an einen Bausparer und eine Lebensversicherung zur Absicherung der Risiken gedacht werden, und im nächsten Schritt an die Altersvorsorge. Mit 20.000 Euro frei verfügbaren Kapital sollte in breit gestreute Fonds, die alle wichtigen Assetklassen abdecken, investiert werden.

Die Erste Bank und Sparkassen zählen zu den größten Privat Banking-Anbietern in Österreich. Das Institut schätzt den Marktanteil auf 21,2 Prozent der verwalteten Vermögen (Stand 2006). 2009 hätten die Assets überdurchschnittlich stark zugelegt, der Zufluss an Neugeldern - ohne Wertsteigerungen - hat 10 Prozent betragen, so Traindl. Derzeit verwaltet die Gruppe rund 30 Mrd. Euro, was einem Marktanteil von 25 Prozent entspreche, so die Bank. Im Schnitt werden in der Erste Bank pro Privatkunde 1 Mio. Euro verwaltet, die Sparkassen kommen auf etwas weniger. Insgesamt betreut die Erste Bank und Sparkassen über 20.000 Privat Banking-Kunden.

Zweitgrößtes Private Banking-Institut ist demnach die jüngst an das Konsortium unter der Führung von Erhard Grossnigg und Petrus Advisers verkaufte Constantia Privatbank (CPB) mit einem Marktanteil von 12,4 Prozent. Es folgen: Bank Gutmann (7,1 Prozent), Schoellerbank (5,0 Prozent), Bankhaus Carl Spängler (4,7 Prozent), die Capital Bank der GraWe (3,8 Prozent) und die Raiffeisen-Tochter Kathrein & Co (3,7 Prozent). Sal. Oppenheim kam auf 2,5 Prozent und die Meinl Bank auf 2,4 Prozent. (APA)

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