Bahn muss Reisenden bei Verspätungen mehr zahlen

2. Dezember 2009, 13:19
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Die neue EU-Verordnung könnte den ÖBB durch Baustellen teuer kommen

Wien -  Ab 3. Dezember gelten EU-weit mehr Rechte für Fahrgäste. Ab dann müssen die Bahnbetreiber bei Verspätungen über 60 Minuten im nationalen und über 120 Minuten im internationalen Verkehr mit 25 bzw. 50 Prozent des Fahrpreises rückerstatten. Die vielen neuen Baustellen könnten die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) künftig teuer kommen.

"Kunden haben ein Recht auf Entschädigung bei groben Verspätungen, die das Unternehmen verschuldet. Wir werden die Vorgaben der EU punktgenau umsetzen und damit einen klaren Impuls in Richtung Kundenfreundlichkeit setzen", versprach Gabriele Lutter, Vorstandssprecherin der ÖBB-Personenverkehr AG.

Entschädigungsrecht auch für Jahreskartenbesitzer

Die ÖBB will auf Wunsch von Infrastrukturministerin Doris Bures mit einem entsprechenden Gesetz sogar über das EU-Gesetz hinaus gehen: Im Nahverkehr sollen auch die rund 40.000 Jahreskartenbesitzer ein Recht auf Entschädigung bekommen, wenn die Verspätungen ein bestimmtes Ausmaß überschreiten.

Bisher war Rückerstattung freiwillig

Die ÖBB haben Fahrgäste bereits seit 2004 freiwillig entschädigt: Bei Tageszügen gab es ab einer Stunde und bei Nachtzügen ab zwei Stunden Verspätung 20 Prozent des Fahrpreises (maximal 80 Euro) per Gutscheinen zurück, allerdings nur, wenn das Ticket mindestens 20 Euro im nationalen bzw. mindestens 50 Euro im Fernverkehr gekostet hat. Pro Jahr wurden auf diesem Weg "einige zehntausend Euro" rückerstattet.

Erfrischungen und Mahlzeiten ab einer Stunde Verspätung

Ab Donnerstag stehen Kunden bei Verspätungen ab 60 Minuten 25 Prozent des Fahrpreises zu, bei 120 Minuten 50 Prozent des Ticketpreises - wahlweise Gutschein oder Bargeld. Die Bahn muss bei Verspätungen von mehr als einer Stunde ihren Fahrgästen auch Erfrischungen und Mahlzeiten anbieten, sofern sie im Zug oder im Bahnhof verfügbar oder "vernünftigerweise lieferbar" sind, wie es heißt. Wird der letzte Anschlusszug versäumt, werden Taxikosten bis maximal 50 Euro und/oder Hotelkosten bis maximal 80 Euro gegen Vorlage der Rechnung ersetzt.

Mindestentschädigung: 4 Euro

Untergrenze für eine Entschädigung sind 4 Euro. Für Schlichtungsfälle ist die Schienen-Control GmbH als unabhängige Instanz zuständig.

Zug gilt als verspätet, wenn er mehr als 5 Minuten hinter Plan ist

Für den Regional- und Nahverkehr funktioniert das System anders. Die ÖBB verpflichten sich dort zu einer Pünktlichkeit von mindestens 85 Prozent, d.h. weniger als 15 Prozent der Züge dürfen verspätet sein. Ein Zug gilt als verspätet, wenn er mehr als 5 Minuten hinter dem planmäßigen Halt unterwegs ist. Der Wert wird vom Schienenregulator monatlich evaluiert. Wird das Ziel auf bestimmten Strecken und Streckenabschnitten nicht erreicht, erhält der Besitzer einer Jahreskarte in einem Verkehrsverbund 10 Prozent des Werts einer Monatskarte zurück. Um einen Überblick zu haben, wo die Pendler jeweils unterwegs sind, wollen die ÖBB die Jahreskartenbesitzer demnächst von den Neuerungen informieren und bitten, ihre tägliche Fahrroute anzugeben. Die Rückerstattung erfolgt als Gutschein oder auf das Konto und geschieht automatisch am Jahresende bzw. mit dem Ablauf der Jahreskarte.

Keine Entschädigung bei Naturkatastrophen

Keine Entschädigung gibt es laut EU-Verordnung, wenn die Zugverspätung bzw. der -ausfall auf das Verschulden des Reisenden oder eines Dritten zurückzuführen ist oder etwa auf Naturkatastrophen. Auch wenn Reisende rechtzeitig vor dem Kauf des Tickets über mögliche Verspätungen informiert wurden, können sie keine Rückzahlung fordern.

Formulare an Kassen, Online oder beim Zugbegleiter

Das entsprechende Formular ist an allen Personenkassen und beim Zugbegleiter erhältlich und unter www.oebb.at herunterzuladen und muss dann zusammen mit Original-Ticket und eventuellen Rechnungen an die ÖBB-Personenverkehr, Fahrgastrechte, Postfach 75, 1020 Wien gesendet bzw. am Bahnschalter abgegeben werden.(APA)

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