Opposition gegen vorgezogenen Wahlgang

2. Dezember 2009, 13:05
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Die Oppositionsparteien FPÖ und Grüne sehen durch die Vorverlegung die Verfassungsreform gefährdet

Eisenstadt - Bedenken gegenüber einer Vorverlegung der burgenländischen Landtagswahl vom Herbst ins Frühjahr 2010 - DER STANDARD berichtete: "Das Burgenland wird im Mai wählen" - haben heute, Mittwoch, die FPÖ und die Grünen geäußert. Bei ihrer - in dieser Zusammensetzung ersten - gemeinsamen Pressekonferenz im Eisenstädter Landhaus zeigten sich die Klubchefs Johann Tschürtz und Grete Krojer besorgt, dass in diesem Fall die Verfassungsreform scheitern könnte.

Bei der Aufwertung der Oppositions- und Kontrollrechte gebe es bereits einen "ausverhandelten Konsens", dessen Inhalt man vor einem Urnengang umsetzen sollte. Wenn jetzt "Wahlen vom Zaun gebrochen" werden, würde das konstruktive Verhandlungsklima gefährdet, so Krojer.

Vier Punkte - die Aufwertung des Kontrollausschusses, der Ausbau der direkten Demokratie sowie eine Aufwertung des Landtages und Transparenz der Regierungsarbeit - seien bereits ausverhandelt. Diese sollten als Gesetz beschlossen werden, erst danach sollte die Wahl stattfinden, so Krojer. "Um ja den Wunschtermin der SPÖ - den 2. Mai, den ja mittlerweile jeder bestätigt bekommt von der SPÖ, der es hören will", mit "aller Gewalt" durchzubringen, werde nun ein "Schauspiel" inszeniert.

"Blunzenwurscht"

Die Verhandlungen würden möglicherweise mutwillig abgebrochen - "vielleicht morgen, vielleicht übermorgen, vielleicht in zwei Wochen", so Krojer. Der gegebene Konsens werde aufs Spiel gesetzt, um einen Grund für Wahlen zu haben. Man sei ohnedies auf Wahlen im nächsten Jahr eingestellt: "Ob die jetzt am 2. Mai oder am 2. Oktober stattfinden, ist in Wirklichkeit blunzenwurscht." Es gebe hingegen derzeit "eine einmalige Chance, den Landtag aufzuwerten". Diese sei "zum Greifen nahe", erklärte Krojer. Jene Partei, die Wahlen vom Zaun breche, werde "auch das negative Ergebnis ernten".

Man wolle "bei aller Unterschiedlichkeit der beiden Parteien" gemeinsam für eine Aufwertung von Kontroll- und Minderheitenrechten kämpfen, so Tschürtz. Er glaube, "dass diese Parteienverhandlungen schlichtweg Scheinverhandlungen sind", die seitens ÖVP und SPÖ auf Neuwahlen ausgerichtet seien.

Am Donnerstag steht um 8.00 Uhr nächste Verhandlungsrunde an. "Es wird morgen schon einmal ganz klar ersichtlich sein: Wohin geht die Reise", so der FPÖ-Chef. Ein Problem bei den Gesprächen ortete Tschürtz darin, dass SPÖ und ÖVP alles an der Frage der Abschaffung des Proporzes aufhängen würden. Hier gehe der Blick in Richtung Wahlen. Die Freiheitlichen wollen daher am 10. Dezember im Landtag einen Antrag einbringen, in dem man sich definitiv den Wahltermin im Oktober 2010 wünsche. Man wolle "keinen Dauerstreit".

Ein Urnengang ohne vorherige Verfassungsänderung würde an der momentanen Situation nichts ändern, argumentierte Krojer. Die ÖVP sitze dann genauso wieder in der Landesregierung: "Sie werden nach wie vor sich die Köpfe einschlagen nachher und werden nicht miteinander arbeiten." Denn solange der Proporz nicht falle, gebe es diese Situation: "Aber jetzt Wahlen vom Zaun zu brechen, ändert an der Situation überhaupt nichts." (APA)

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    Die Opposition will nicht in die sauren Trauben beißen und erst im Oktober wählen.

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