Verhaftung im Fall Flick - Ungarischer Rechtsanwalt als Drahtzieher

2. Dezember 2009, 14:48
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Ungarischer Anwalt und ein Helfer verhaftet - Lösegeld von sechs Millionen Euro gefordert - E-Mails führten in Budapester Hotel - Familie zahlte zwei Mal Lösegeld

Wien  - Ein ungarischer Rechtsanwalt dürfte Drahtzieher des Sarg-Diebstahls von Multimilliardär Friedrich Karl Flick sein, informierte der Chef des Budapester Polizeipräsidiums, Gabor Toth. Der 41-jährige Mann und ein Handlanger wurden bereits verhaftet. E-Mails und Telefonverkehr hätten gezeigt, dass die Fäden in dem mysteriösen Fall nach Budapest führten.

"Es handelt sich um einen großen Erpressungsfall, der professionell durchgeführt wurde, wenn auch mit einem ungewöhnlichen Mittel - dem Sarkopharg", so Ernst Geiger vom Bundeskriminalamt in Wien. Insgesamt hätten die Kriminellen sechs Millionen Euro gefordert.

Entführer bekamen zwei Mal 100.000 Euro

Die Ermittler in Österreich und Ungarn hatten seit April dieses Jahres laufend Kontakt zu den Sarg-Entführern, erklärte Ernst Geiger vom Bundeskriminalamt in Wien. Zweimal erhielten die Erpresser Geld von der Familie, jeweils 100.000 Euro. Insgesamt hatten die Kriminellen sechs Millionen Euro gefordert.

"Ich bin der Boss der Grabräuber"

Die Erpressung lief seit 11. Dezember 2008. Damals erreichte ein in englischer Sprache geschriebener Brief die Familie Flick, der übersetzt mit den Worten begann: "Ich bin der Boss der Grabräuber. Es ist mir eine Freude, mit Ihnen zu sprechen ... Sie dürfen nicht die Polizei rufen. Seien Sie unbesorgt, der Sarg ist unbeschädigt." Und weiter hieß es in dem zweiseitigen Schreiben: "Sie müssen uns bezahlen. Das ist Ihre einzige Chance."

E-Mails aus Budapester Hotel

E-Mails, bei denen es um den verschwundenen Sarg ging, seien aus einem Hotel in der Nähe des Budapester Ostbahnhofs versendet worden. Daraufhin habe die ungarische Polizei Ermittlungen gegen unbekannt eingeleitet. Die Spuren führten dann zu einem 31-jährigen Hilfsarbeiter. Dieser gab zu verschiedene Aufgaben übernommen zu haben. Kontaktiert sei er von einem Rechtsanwalt geworden. Der Jurist soll dem Hilfsarbeiter demnach 200.000 Forint (739 Euro) angeboten haben. Dafür sollte er mit einem Kleinlaster einen Sarg von Wien nach Budapest überstellen. An der Durchführung sollen noch vier weitere Personen beteiligt gewesen sein, drei von ihnen seien rumänische Staatsbürger.

Vier Personen werden noch gesucht

Diese Personen befinden sich noch auf freiem Fuß. Die Polizei sucht nach einem Rumänen, der wegen seiner Statur und Gefährlichkeit als "Grizzly" bekannt ist und in seiner Heimat wegen Polizistenmordes gesucht werde, sowie nach drei weiteren Rumänen bzw. Ungarn.

Fingierte Lösegeld-Übergabe

Die "Bild"-Zeitung berichtete schon vorab unter Berufung auf Polizeikreise, dass die Entführer in zwei Schreiben mehr als fünf Millionen Euro Lösegeld gefordert hätten. Die Familie sei zum Schein darauf eingegangen. Bei einer fingierten Geldübergabe sei die Bande dann in Budapest festgenommen worden.

Zinnsarg unversehrt

Der innere Sarg wurde am 18. November unversehrt im zweiten Budapester Stadtbezirk gefunden. Den äußeren Teil stellte die Polizei am 20. November im zwölften Bezirk sicher. Seit seiner Überstellung befindet sich der Sarg nun wieder in Österreich. "Der verlötete Zinnsarg war unversehrt", so er Leiter des Landeskriminalamtes Kärnten, Oberst Hermann Klammer . "Nach menschlichem Ermessen ist auch der Inhalt unversehrt", so Klammer. "Wir warten derzeit noch auf die endgültige Freigabe", erklärte der Sprecher der Familie Flick, Jörg-Andreas Lohr. Es müsse noch geklärt werden, ob die sterblichen Überreste in dem Zinnsarg tatsächlich die des 2006 gestorbenen Großindustriellen seien.

Der Multimilliardär zog 1985 nach dem Verkauf des Flick-Firmenimperiums in das steuerlich günstigere Österreich und heiratete dort in dritter Ehe die um 30 Jahre jüngere Kärntnerin. Das Verschwinden des Sarkophages aus der Familiengruft am Friedhof Velden wurde am 19. November 2008 bekannt. Diebe hatten die hunderte Kilo schweren Granitplatten zur Seite gerückt und den Sarg abtransportiert. Sämtliche daraufhin folgende Ermittlungen der Exekutive verliefen im Sand, selbst die Auslobung von 100.000 Euro Belohnung seitens der Witwe, Ingrid Flick, brachte keinen Erfolg. Flick hinterließ seiner Familie ein geschätztes Vermögen in Höhe von fünf bis sechs Milliarden Euro. (APA)

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