"Obama versucht, woran Alexander der Große scheiterte"

2. Dezember 2009, 13:16
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Internationale Medien über die neue Afghanistan-Strategie des US-Präsidenten

"Guardian": "Obama  versucht erfolgreich zu sein, wo schon Alexander der Große und viele andere unrühmlich scheiterten", spottet Simon Tisdall, der Kabul-Korrespondent des Londoner Blatts. Der US-Präsident suche, ein Land "zu unterwerfen, zu kontrollieren, zu einen und dann ruhmreich abzuziehen", das "in den 2.500 Jahren seiner Geschichte alle Eroberungsversuche abgewehrt hat".

"Liberation" - "Nach acht Jahren Krieg und Tausenden von Toten waren die Taliban in Afghanistan noch nie in einer so starker Position. (US-Präsident) Obama hat Recht, diese gescheiterte Politik neu zu definieren. Doch es gibt keine Garantie dafür, dass eine Verstärkung der Truppen dort zum Sieg führen wird. Das Regime von Hamid Karzai erscheint nach den gefälschten Wahlen weiterhin nicht durchsetzungsfähig und korrupt. Und die Afghanen selbst sind nach wie vor bitterarm, ohne Schulen, Straßen und Krankenhäuser. Mit seinem Zögern zwischen einer Strategie des Rückzugs und einem verstärkten Engagement seiner Truppen hat Obama Afghanen und Pakistaner vor allem davon überzeugt, dass er eines Tages ihr Land auch sich selbst überlassen wird."

"La Repubblica" - "Mit der bitteren Gewissheit, alle zu enttäuschen, also die Falken und die Tauben, die Rechte wie die Linke, Generäle und Botschafter, hat Barack Obama die eine Entscheidung gefällt, die das vom Vorgänger George W. Bush geerbte afghanische Schlamassel ihm gestattete. Und das bedeutet, die Hand noch mehr in das afghanische Wespennest zu stecken. Es ist der klassische Fall von "damned if you do, damned if you don't", also so oder so falsch zu entscheiden. Obama wusste, als er seine Afghanistan-Strategie am Dienstagabend ankündigte, dass jede Entscheidung kritisiert und kontrovers aufgenommen würde. Und dass dies jetzt sein Vietnam werden kann. Seine Präsidentschaft und das Leben Hunderter amerikanischer und europäischer Soldaten sowie Tausender Afghanen könnte diesem Morast zum Opfer fallen, so wie es der Präsidentschaft von Lyndon B. Johnson in den 60er Jahren erging."

"de Volkskrant" - "Die Amerikaner haben Uhren, so lautet eine moderne afghanische Redensart, und die Taliban haben Zeit. Hat Obama nun tatsächlich seine Uhr auf einen Zeitpunkt gestellt, bis zu dem der letzte amerikanische Soldat Afghanistan verlassen haben muss? Das hören US-Bürger gern über einen Krieg in einem fernen, korrupten Land, der immer mehr amerikanische Leben und amerikanisches Geld gekostet hat. Der Einsatz eines jeden der 30.000 zusätzlichen Soldaten kostet eine Millionen Dollar. Das Problem ist, dass die Taliban die Nachricht vom angekündigten Rückzug der ausländischen Soldaten ebenso gern hören. Sie warten ab, bis ihre Zeit gekommen ist. Bisher waren sie schlauer als ihre Gegner. Die ausländischen Truppen haben sich in einen Kampf hineinziehen lassen, bei dem jede gewonnene Schlacht sich langfristig doch als Niederlage erweist

Kolumnist Bert Wagendorp ist enttäuscht von den Obamas Plänen: "Es bleibt doch bemerkenswert, dass der Gewinner des Friedensnobelpreises sich nichts anderes ausdenken kann, als noch mehr Truppen in einen Krieg zu schicken, der auch im eigenen Land von immer mehr Menschen als hoffnungslos angesehen wird. Und der immer mehr Erinnerungen an den Sumpf von Vietnam hervorruft. ... Es ist schade, dass Obama sich für ein aussichtsloses Szenario entschieden hat - mein Bauernverstand sagt mir, dass die 100 Milliarden [Dollar] strategisch viel klüger im Kampf gegen den internationalen Terrorismus einzusetzen sind."

"ABC" - "Hinter der Entscheidung von US-Präsident Barack Obama steckt die Absicht, aus dem Konflikt in Afghanistan möglichst bald auszusteigen. Der Wunsch, die gesteckten Ziele der internationalen Mission noch zu erreichen, spielt kaum eine Rolle. Die Lage in Afghanistan hat sich permanent verschlechtert. Die größte Militäroperation der NATO außerhalb des Vertragsgebiets verlief alles andere als rühmlich.

Die Verstärkung der Truppen wird die Lage nicht verbessern. Der größte Fehler der NATO war, dass die Allianz es nicht geschafft hat, eine stabile Regierung in Kabul einzusetzen. Dieses Versäumnis wiegt jetzt besonders schwer, da die westlichen Länder vom Afghanistan-Konflikt allmählich genug haben." (red/APA)

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