Avatar soll das Film-Erlebnis für immer verändern

6. Dezember 2009, 12:02
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James Camerons technischer und erfinderischer Höhepunkt soll George Lucas übertrumpfen

Als 22-jähriger LKW-Fahrer sah James Cameron einen Film, der ihn für immer veränderte. 1977 war das Geburtsjahr von "Star Wars", ein Film den er am liebsten selbst gedreht hätte. Aus der Wut, diese Chance einem anderen, nämlich George Lucas, überlassen zu haben, entwickelte sich eine Obsession, schreibt Wired. Mit einer Kamera und selbst gebauten Roboter-Modellen fragte er bei Zahnärzten seines Umkreises um Geldmittel an und scheiterte schließlich mit dem ersten Demo-Video bei der Suche nach Produzenten. Mit der Mitarbeit bei B-Movies und Teeny-Horrorstreifen wühlte sich Cameron durch das Show-Geschäft und erträumte eines Nachts die Geschichte des "Terminators". Danach musste er keine Zahnärzte mehr um Geld bitten und schuf mit Blockbustern wie Aliens, The Abyss, Terminator 2: Judgment Day und True Lies sein eigenes kleines Hollywood-Imperium.

Auf Lucas Fersen

1995 spinnt Cameron die Geschichte "Avatar" zusammen. Die Menschheit wegen Energieknappheit auf der Suche nach neuen Planeten und stößt dabei auf das blühende Pandora. Die Bewohner, die Na'vi sind drei Meter hohe blaue Aliens, die viele Eigenschaften mit den Menschen teilen. Doch der Planet ist so giftig, das Menschen nicht auf ihm überleben können. Darum bauen sie die Na'vis nach und verbinden die Replikationen, Avatare getauft, mit dem menschlichen Bewusstsein, um sie fernsteuern zu können. 

Der Film steht praktisch schon, zuvor soll nur noch schnell ein Schiffsunglück mit einem Eisberg produziert werden. Titanic wird zum Himmelfahrtskommando. Die Produktionskosten wachsen von 100 Millionen Dollar auf 200 Millionen Dollar an. Das Filmstudio 20th Century Fox erhöht den Druck auf den Filmemacher und als dieser auch noch den Start am 4. Juli 1997 verpasst, willigt Cameron ein, auf Teile seines Gehalts und die Gewinnbeteiligung zu verzichten. Dass Titanic im Nachhinein mit 1,8 Milliarden Dollar Einspielergebnis und 11 Oscars der erfolgreichste Film aller Zeiten würde, konnte schließlich niemand ahnen.

Grenzenlos

Fox stellte dem neuen Liebling Cameron anschließend einen Check in Millionenhöhe aus. Wired berichtet, er habe rund 75 Millionen Dollar an Titanic verdient und damit alle Mittel, um sich nie wieder Sorgen machen zu müssen. Um Avatar wurde es die folgenden 10 Jahren still. Cameron machte anstelle von Hollywood-Schinken Unterwasserdokumentationen. Und in der Tiefe fand Cameron die Inspiration für Avatars Umsetzung. Er wollte ein dreidimensionales Erlebnis, das mit nichts zuvor vergleichbar war. Er wollte hochauflösende 3D-Bilder, die keine Kopfschmerzen erzeugen und den Seher komplett einnehmen. Doch die Technologie dafür gab es noch nicht und eine neue Kamera zu erfinden, würde kein leichtes Stück Arbeit.

Zusammen mit Unterwasserkameramann Vincent Pace ging es nach Tokyo zu Sony. Der Elektrogigant ließ sich von der Idee begeistern und baute unter Anweisung der Filmemacher einen zentnerschweren Prototypen und anschließend eine neue Kamera-Serie.

Überzeugend

Die Test waren überzeugend, einem volldigitalen 3D-Film würde fast nichts mehr im Wege stehen. Doch nun mussten die Kino-Betreiber überzeugt werden, ihre Systeme aufzufrischen. Es würde rund 100.000 Dollar pro Kino kosten und die würden sich nicht ohne Vorzeigefilme überzeugen lassen. Cameron beschloss also die Technologie auch anderen Regisseuren zur Verfügung zu stellen. Robert Rodriguez machte 2003 mit Spy Kids 3D den Feldversuch und strich kurzerhand 200 Millionen Dollar ein.

Avatar ließ sich zu dieser Zeit aber immer noch nicht realisieren. Die Spezialeffektestudios kämpften immer noch damit, computergenerierte Inhalte fotorealistisch erscheinen zu lassen. Der Fortschritt ging allerdings rasend schnell voran und 2005 bat Cameron Fox um ein paar Millionen Dollar, um eine Proof-of-Concept-Demo zu drehen. Die Ironie dabei: Für die Effekte des 30 Sekunden kurzen Film machte George Lucas Firma Light & Magic. Die Demo schlug jedenfalls ein und Fox stellte ein Budget von 195 Millionen Dollar auf die Beine - Cameron war zurück im Regiesessel.

Over the top

Um George Lucas zu übertrumpfen, würden Spezialeffekte allein allerdings nicht ausreichen. Star Wars wuchs über 30 Jahre zur größten Sci-Fi-Saga überhaupt. Ein Heer von Kreativen und Spezialisten wurde angeheuert, um Avatar ins Leben zu rufen. So engagierte Cameron einen Linguisten, um eine komplett neue Sprache für die Na'vi zu entwickeln. 13 Monate später wurden die Schauspieler in "Speak Na'vi" unterrichtet. Jede Pflanze, jedes Tier, jeder Gegenstand auf Pandora wurde benannt, selbst Dinge, die nie im Film vorkommen würden. Musik-Professoren komponierten die Geräusche der Fantasiewelt und unterlegten sie mit "Alien-Musik". Man wollte alles besser machen, als Lucas. Die Autoren verfassten ein 350 Seiten schweres Benutzerhandbuch zu Pandora. Jedes Blatt, jede Faser des Planeten und seiner Bewohner wurde von Hand kreiert, um sie echt aussehen zu lassen.

Avatar ist nach dem Höllenritt Titanic der Traum, den sich Cameron immer erfüllen wollte. Mit 55 Jahren hat Cameron endlich eine Welt erschaffen, die er selbst kontrollieren kann. Die Erwartungen an ihn sind abermals enorm, doch die große Last hat er zurückgelassen. In Österreich kommt Avatar am 18. Dezember ins Kino.

(zw)

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    Na'vi entführen in die Welt von Pandora

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