Ein kleines Volk hat Angst vor dem Aussterben

2. Dezember 2009, 11:59
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Seit dem Jahr 2000 grassiert Hepatitis B in peruanischer Amazonas-Region - eingeschleppt vermutlich durch Mitarbeiter eines Öl-Konzerns

Lima - Die Candoshi, eine kleine Volksgruppe, die in der Alto-Provinz im peruanischen Amazonas-Regenwald lebt, ist nach eigenen Angaben vom Aussterben bedroht. Seit dem Jahr 2000 grassiert eine Hepatitis B-Epidemie in der Region. "Mein Volk leidet, wir sind in Gefahr auszusterben", warnte Candoshi-Chef Venancio Ucama Simon. Nach der letzten Zählung in den 80er Jahren belief sich die Gesamtzahl der Candoshi und der mit ihnen verwandten Shapra auf nur noch etwa 3.000 Menschen; zu Beginn des 20. Jahrhunderts könnten es noch etwa 10.000 gewesen sein.

Ucama warf den Gesundheitsbehörden jahrzehntelange Nachlässigkeit beim Umgang mit Hepatitis B und anderen schweren Krankheiten vor. Auch andere indigene Volksgruppen wie die Shapra, die Awajun, Achuar und Huambisa seien in Gefahr. Kurz nach Ucamas Auftritt lud Gesundheitsminister Oscar Ugarte zu einer Pressekonferenz, um den Gesundheits-Notstand in der Region auszurufen. Die Regierung will die Krankheit jetzt unter Kontrolle bringen.

Seit 2000 seien bei den Candoshi bereits 80 Menschen an Hepatitis B gestorben, sagte eine zu der Volksgruppe gehörende Krankenschwester. Die Krankheit sei in den 1990er Jahren ausgebrochen, als ein Öl-Konzern die Gegend erforscht habe. "Vorher gab es die Krankheit bei uns gar nicht." Noch immer gebe es keine verlässlichen Statistiken zur Zahl der Infizierten in ihrer Volksgruppe. Die aktuellste Statistik stamme aus dem Jahr 2000, hier seien 169 Infektionen verzeichnet. Ucama zufolge sind die hohen Kosten der Hepatitis-B-Behandlung ein Grund für die Nachlässigkeit der Behörden.  (APA/red)

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