Täglicher Hürdenlauf für blinde Menschen

2. Dezember 2009, 16:14
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Gefahren lauern im Straßenverkehr: Anlässlich des Internationalen Tages der Menschen mit Behinderungen fordern die Blindenorganisationen mehr Sicherheit im öffentlichen Raum

Zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderungen am 3. Dezember üben österreichische Blindenhilfsorganisationen Kritik: Der öffentliche Raum ist oft eine gefährliche Falle für Menschen mit visuellen Beeinträchtigungen. "Behindert ist man nicht, man wird behindert", heißt es in einer gemeinsamen Aussendung. Mehr als 300.000 blinde und sehbehinderte Menschen in Österreich machten diese Erfahrung jeden Tag. Daher fordern die Blindenorganisationen Blickkontakt IG sehender, sehbehinderter und blinder Menschen, Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs, Österreichischer Blinden- und Sehbehindertenverband sowie Österreichische Blindenwohlfahrt dringende Verbesserungsmaßnahmen, um die zahlreichen Gefahrenquellen zu beseitigen.

Verletzungsgefahren

Straßenverkehrszeichen auf Gehsteigen dürften für blinde und sehbehinderte Menschen keine Verletzungsgefahr darstellen. Dies sei durch die derzeitige STVO nicht gesichert. Eine ähnliche Absicherung sei auch für Postbriefkästen erforderlich, die ebenfalls eine erhebliche Verletzungsgefahr darstellen.

Im Winter sind die an Hausmauern schräg angelehnten und teilweise fix befestigten Dachlawinen-Warnstangen für blinde Fußgänger gefährlich, da sie mit dem Blindenstock unterlaufen werden können. Eine neue Gefahr stellen technische Neuerungen dar: Elektro- und Hybridfahrzeuge nähern sich geräuschlos und stellen daher für blinde Menschen eine lebensbedrohliche Gefahr dar, weil sie vor dem Herannahen solcher Fahrzeuge nicht gewarnt sind. Gefordert wird daher der Einbau von Geräten, die ein Motorgeräusch simulieren.

Weiters fordern die Organisationen, dass in allen Zügen (auch in Regionalzügen) die Ausstiegsseite rechtzeitig vor dem planmäßigen Halten angesagt werden soll. Für visuell beeinträchtigte Bahnreisende sei es extrem gefährlich, auf der falschen Seite auszusteigen. Die ÖBB bieten auf einigen großen Bahnhöfen einen Begleitservice an, der blinde Menschen vom Zug abholt, beim Umsteigen hilft, sicher durch das Bahnhofsgelände führt und zum nächsten öffentlichen Verkehrsmittel begleitet. Dieser vorbildliche Service soll ausgerechnet auf den derzeit in Bau befindlichen Bahnhöfen in Wien drastisch reduziert werden. Gefordert wird die Aufrechterhaltung des Begleitdienstes auf allen Bahnhöfen und dem Ersatzbahnhof Wien-Meidling, auch wenn die Wege zu den öffentlichen Anschlüssen Baustellen bedingt etwas länger sind. Um Missverständnissen vorzubeugen, werden fix definierte Abholpunkte innerhalb und außerhalb der Bahnhöfe vorgeschlagen.

Blindenleitsysteme, die von Warenausräumungen, Werbetafeln, Dreieckständern und ähnlichen Hindernissen verstellt sind, bedeuten eine erhebliche Einschränkung der Mobilität blinder Fußgänger. Gefordert wird daher die unbedingte Freihaltung dieser wichtigen Orientierungshilfen.

Der öffentliche Raum sei für visuell beeinträchtigte Menschen ein gefährlicher Hindernisparcours, beklagen die Verkehrsexperten der Blindenhilfsorganisationen. Sie sind in ihrer Praxis häufig mit Verletzungen bei blinden und sehbehinderten Menschen konfrontiert. Um diese Missstände zu beseitigen, fordern die Experten der Blindenhilfsorganisationen eine gemeinsame Lösunge mit dem Verkehrsministerium. (red)

  • Verletzungsgefahr durch zu niedrig montierte Straßenverkehrszeichen
    foto: hilfsgemeinschaft der blinden und sehschwachen österreichs

    Verletzungsgefahr durch zu niedrig montierte Straßenverkehrszeichen

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