Wie der digitale Mobilfunk die Telefonie revolutionierte

2. Dezember 2009, 16:45
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    foto: reuters/eloy alonso

    Martin Cooper ist einer der Miterfinder des modernen Handys. Bei den ersten kommerziell hergestellten Modellen (rechts) hatte man noch ordentlich was in der Hand.

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    foto: apa/dpa/jens büttner

    Deutlich abgeschlankt, aber immer noch relativ große, klobige Modelle: Archivbild aus dem Jahr 1998, nachdem der Handyboom bereits eingesetzt hatte.

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    foto: apa/dpa

    Das Mobiltelefon R320s der Firma Ericsson: WAP-fähig, 15 Millimeter dick, weniger als 100 Gramm schwer. Es wurde der Öffentlichkeit auf der CeBIT 2000 in Hannover vorgestellt.

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    foto: mobilkom austria

    So arbeiten Funknetzplaner wie Christian Wappel (Mobilkom): Das Funknetzplanungstool ermöglicht es dem Planer, Versorgungen zu berechnen sowie das Verhalten des Mobilfunknetzes unter verschiedenen Netzauslastungen, also verschieden Verkehrsszenarien, zu simulieren und diese grafisch darzustellen.

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    foto: mobilkom austria

    Der Besuch vor Ort bleibt bei neu zu errichtenden beziehungsweise geplanten Stationen trotzdem unerlässlich. Das Bild zeigt die Blickrichtung, aufgenommen in die Hauptsenderichtung, auf Höhe der Antennenunterkannte. "Die Situation 'vor Ort' und die Berechnungsprognose sind wesentliche Inputfaktoren für den Funknetzplaner bei der Planung der funktechnischen Konfiguration", so Wappel.

Vor 15 Jahren nahm in Österreich das erste kommerzielle und flächendeckende GSM-Netz seinen Betrieb auf - Das Zeitalter des digitalen Mobilfunks war eingeläutet

Im Jahr 2008 telefonierten Herr und Frau Österreicher 19.626 Millionen Minuten mit dem Handy, das waren 73 Prozent aller Telefongespräche. 4,7 Milliarden SMS wurden verschickt. 92,5 Prozent aller österreichischen Haushalte verfügen über mindestens ein Mobiltelefon. Die rund acht Millionen Einwohner haben rund zehn Millionen SIM-Karten in Verwendung - das entspricht einer Marktdurchdringung von 120 Prozent.

18 Kilo schweres Handy

So gut wie jeder Haushalt verfügt also über ein Handy, es gibt mehr SIM-Karten als Einwohner. Dabei ist der digitale Mobilfunk noch vergleichsweise jung: Vor 15 Jahren, im Dezember 1994, nahm A1 (heute Mobilkom) den Betrieb des ersten kommerziellen und flächendeckenden GSM-Netzes auf.
Mobiltelefonie gab es zwar schon vor der Etablierung des digitalen Funknetzes, jedoch nur in sehr beschränktem Ausmaß. Die Geschichte des Mobiltelefonierens reicht sogar bis ins Jahr 1918 zurück, als die deutsche Reichsbahn ein öffentliches Zugtelefon anbot. Das erste tragbare Mobilfunkgerät wurde 1946 in den USA vorgestellt - es wog 18 Kilogramm und die Akkus hielten acht Minuten. Das erste Handy wurde 1983 von Motorola entwickelt - zu groß, zu schwer und zu teuer.

Analoge Netze als Vorläufer

Die Vorläufer des digitalen Mobilfunknetzes waren unterschiedliche analoge Netze, die als erste Mobilfunkgeneration zusammenfasst werden. Die Bedienung war jedoch umständlich, die Kosten hoch und die Teilnehmerzahl gering. So wurde man beim so genannten A-Netz, das in Deutschland 1957 in Betrieb genommen wurde, noch von einer Empfangsdame vermittelt. Außerdem gab es verschiedene geografische Rufzonen und man musste genau wissen, in welche man sich verbinden lassen wollte. Das A-Netz wurde von nur 850 Teilnehmern genutzt und wurde 1977 abgeschaltet. 

GSM wurde 1994 eingeführt

Es folgte das B-Netz, das in Österreich 1974 zum Einsatz kam. Aber auch hier galt: Die Geräte waren teure Energiefresser, die so groß und schwer waren, dass sie nur in Autos eingesetzt wurden. 1984 folgte in Österreich das C-Netz. Das 1990 eingeführte D-Netz war schließlich das letzte analoge Mobilfunknetz, bis 1994 auf das digitale GSM ("Global System for Mobile Communications") umgestellt wurde.

Kleinere Zellen, geringere Sendeleistung

Das Zeitalter der digitalen Mobilfunkkommunikation war eingeläutet. "Die Digitalisierung hat dazu geführt, dass die Mobilfunkzellen kleiner wurden und die mobilen Telefone nicht mehr so viel Sendeleistung benötigten", erklärt Christoph Mecklenbräuker, Leiter des Instituts für Nachrichtentechnik und Hochfrequenztechnik der TU Wien. Zur Erklärung: Eine Basisstation, umgangssprachlich ein Handymast, hat die Aufgabe, ein bestimmtes Gebiet ("Zelle") abzudecken. Weil durch die Digitalisierung die benötige Sendeleistung pro Gespräch geringer wurde, konnte die Anzahl der Gesprächsteilnehmer pro Zelle erhöht werden.

SIM-Karte und Roaming

Der heute pensionierte Wissenschaftler und Mobilfunkexperte Ernst Bonek war von der ersten Stunde an dabei; er begann schon 1984 in diese Richtung zu forschen. "Damals hätte kein Mensch daran gedacht, welche Ausmaße das annehmen wird", sagt er rückblickend. Die zwei herausragendsten Veränderungen durch die Nutzung von GSM seien die Einführung der SIM-Karte sowie das internationale Roaming gewesen. "Der Durchschlag war die SIM-Karte, sie hat das Gerät logisch vom Benutzer getrennt", erzählt Bonek.

Keine Lizenzgebühren

Dass sich GSM letztendlich zwischen dem von den Amerikanern entwickelten Satellitentelefon und weiteren Technologien durchgesetzt hat, sei seinem "offenen Standard" zu verdanken gewesen. Das heißt, dass keine Lizenzgebühren verlangt wurden. Das wiederum führte dazu, dass mehrere Unternehmen ins Geschäft einstiegen, was die Preise rapide sinken ließ. "1989 hat ein analoges Mobiltelefon noch 50.000 Schilling (mehr als 3.600 Euro; Anmerkung) gekostet", erinnert sich Bonek zurück.

Mobiles Internet dank UMTS

Vor sieben Jahren, 2002, kam ein neues digitales Mobilfunknetz auf den Markt: UMTS ("Universal Mobile Telecommunications System") hat höhere Datenübertragungsraten als GSM, mobiles Internet wurde erstmals in ernstzunehmender Qualität möglich. Heute sind drei Megabit pro Sekunde keine Seltenheit. "Mobile Dienste anzubieten ist aber nur langsam in Schwung gekommen, weil die Anbieter erst herausfinden mussten, was sich mobile Kunden wünschen", sagt Mecklenbräuker.

Netzplanung als Grundlage

In Österreich gibt es derzeit mehr als 19.000 Mobilfunkstationen - was jedoch nicht mit der Anzahl der Handymasten gleichzusetzen ist. "In Wien steht alle 500 bis 1000 Meter eine Mobilfunkstation, die Dichte ist aber von verschiedenen Faktoren abhängig", erklärt Christian Wappel von Mobilkom Austria. Als Funknetzplaner ist er dafür verantwortlich, an welchen Standorten neue Stationen entstehen. "Es geht um die generelle Versorgung sowie um neue Services wie mobiles Internet", erklärt der 30-Jährige. Netzplaner wie Wappel müssten ständig am neuesten technischen Stand sein, denn wenn eine neue Technologie zum Einsatz kommt, muss alles schnell gehen.

Die Zukunft heißt LTE

Dem UMTS wird in naher Zukunft das LTE ("Long Term Evolution") folgen, das eine noch schnellere Datenübertragung ermöglicht. "Das wird der nächste Schritt in der Evolution des Mobilfunks", sagt Wappel. Bei LTE gehe es verstärkt um "ausgeklügelte Internetanwendungen", so Mecklenbräuker, die Sprache sei dann nur noch ein Dienst unter vielen. Er kann sich vorstellen, dass diese Technologie ab 2012/13 langsam spruchreif wird. (mak, derStandard.at, 2. 12. 2009)

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Posting 1 bis 25 von 39
1 2
haudi
00
19.1.2010, 20:54
Bitte einfach die Handy-Historie posten :)

Aber nur die ersten 3:

Bosch 608
Alcatel one touch easy
Nokia 5110 :)

Chocoholic
02
3.12.2009, 18:01
Was hier nicht erwaehnt wird, aber sehr interessant ist, dass die SIM Karte eigentlich dafuer gedacht war, wie eine Kreditkarte an oeffentlichen Telefonen zu funktionieren,

mit einem persoenlichen Code, sodass man bargeldlos auf seiner ganz persoenlichen Nummer ueberall, wo eine Telefonzelle war, telefonieren konnte. Dadurch, dass aber die Entwicklung der Mobiltelefone so ruckizucki schnell gegangen ist, immer kleinere billigere entwickelt wurden, hat sich dann ergeben, dass es kundenorientierter war, die SIM Karte IM Handy zu tragen ;)

Bin aber nach wie vor dafuer, die Euphorie ueber die elektromagnetische Ueberbelastung fuer biologisch dafuer sensible Menschen nicht unkritisch hinzunehmen. Die Industrie war klug und hat die Strahlung AM Handy reduziert, indem sie die Strahlung der Masten erhoeht hat, die dann nicht mehr alle anstrahlen, sondern nur mehr einzelne. Und die kann man leicht verstummen lassen.

Old Nick
01
3.12.2009, 16:41
Ich hatte von 1992 bis 1995

das D-Netz in Verwendung, daher muß ich aus eigener Erfahrung festhalten, daß die Bedienung dieser Geräte keineswegs umständlicher war als jene heutiger GSM-Mobiltelefone. Eher noch einfacher, da die Geräte nicht so viel konnten. Man fand aber damals, anno '92, schon fast überall Netzabdeckung vor, was mich am Anfang verblüfft hat. Das Netz war weit besser als ich es erwartet hatte. Nur: ein sehr teurer Spaß war es halt. 360 Schilling Grundgebühr, Funkkanalgebühr auch bei passiven Gesprächen, am Tag 5,60 Schilling für eine Minute Aktivgespräch. Bei meiner Anmeldung im Juli 92 wollte man nicht mal meinen Ausweis sehen. Das Gerät kostete 14990 Schilling, damals das billigste überhaupt.

Tschanki
00
4.12.2009, 09:07
D-Netz

Hatte das D Netz auch in Verwendung, aber erst nach einige Zeit nach dem Start vom E Netz - muss so 97 gewesen sein.

Mobilkom hat das DNetz schon aufs Abstellgleis gestellt, damit alle ins GSM kommen. Dadurch war aber der Preis so gering von einer Minute, glaube 45 Groschen. Und das Motorola Klapp Handy - kein Vergleich zu meinem späteren GSM Panzer von Sagem.

jake & elwood
00
3.12.2009, 13:56
"...A1 (heute Mobilkom)..."

Es muesste heissen: ...Post und Telegraphenverwaltung (heute Mobilkom)...

Das Netz hiess damals uebrigens E-Netz und wurde spaeter, nach der Marktliberalisierung in A1 umgetauft.

hawkwind -
00
18.12.2009, 09:58
Nein, stimmt nicht.

"E-Netz" war nur die falsche Bezeichnung, die sich eingeschlichen hat, ich glaube deshalb, weil es in Deutschland so geheißen hat. Die richtige Bezeichnung war immer GSM.

der bunte faschist
04
3.12.2009, 13:09

Es gilt ja heutzutage schon als revolutionär, nicht ständig erreichbar zu sein, ja, gar als verdächtig, nicht am gleichen tag zurückzurufen, da man sein mobiltelefon nicht alle paar minuten kontrolliert.

Immer im Dauerstreß, wie cool sie doch alle sind^^

Knochenmann
27
3.12.2009, 10:48
Wenn jemand gesagt hätte:

"In 20 Jahren werdet ihr alle mit einer elektronischen Fessel herrumlaufen! Euer Chef wird jederzeit wissen wo ihr seit, und ihr werdet rund um die Uhr und jeden Tag auf Abruf bereitstehen. Und das Schlimmste: Ihr werdet es freiwillig tun, und wir werdetsogar dafür BEZAHLEN!"

...tja.

hawkwind -
00
18.12.2009, 10:00
Vollkommen richtig.

Aber nicht sehr populär, so etwas auszusprechen.

FabulousX
10
3.12.2009, 11:32
wenns dir echt so geht

tust du mir leid.

Knochenmann
02
3.12.2009, 13:13

Ach, ich hab kein Handy. Mehr.

Freiheit durch Verzicht!

value
 
10
3.12.2009, 11:31

Mein Chef wusste auch vor 20 Jahren wo ich bin, meistens im Büro unter Tags.
Mein Handy halte ich meistens in der Hand und nicht um die Handgelenke gekettet und wenn er nach 18:00 anruft wird er dank VPN auf die Mailbox weitergeleitet.

bangser
00
3.12.2009, 16:01

Arbeiten Sie im Bergwerk?

newhaven
02
3.12.2009, 08:29
Das gute alte Nokia 3210

wie ich es vermisse...

thomse
00
5.12.2009, 01:25
ja echt ?

die tastensperren naja nicht das beste... ich hab eins mit one logo oben .. und das ist volle ok da handy naja akkuzeit ist schon sehr....

David Herrmann
00
3.12.2009, 11:06
Ich hab noch ein 6310i

Seit 5+ Jahren in Verwendung, mittlerweile scheppert es allerdings schon ziemlich (zu oft der Gravitation gefolgt), aber für Telefonieren + SMS reicht es immer noch hervorragend und der Originalakku hält ohne längere Gespräche rund eine Woche - was mich tatsächlich positiv überrascht.
Natürlich blicke ich auch manchmal neidisch auf das E71 meiner Frau mit Google Maps & Co (das ist manchmal schon sehr praktisch), aber das dauert für mich halt noch solange bis das 6310i komplett im Eimer ist :-)

Kornmanns Zierrat
00
6.12.2009, 16:54
Das 6310i

führte Jahrelang die interne Statistik der Mobilkom an was die geführten Gesprächsminuten betrifft.

h h h
00
3.12.2009, 10:13

vermutlich das robusteste handy das je erzeugt wurde. wenn ich daran denke, was meins alles überlebt hat...

Ernst 3 Jahre alt
00
3.12.2009, 12:16
unkaputtbar.

wir haben das ding gegen alles und jeden gedroschen. haben biere damit geöffnet und nägel in die wand geschlagen. würde wohl noch immer laufen, wenn es noch in verwendung wäre.

+DieMeinung+
111
3.12.2009, 07:42
30 Jahre Mobilfunk

Und die Sprachqualität ist noch immer letztklassig.
Nicht mal UMTS bietet mehr.

altbürgermeister
10
3.12.2009, 12:37

Mit Ihrem Viertelanschluss von der Post- und Telegraphen Verwaltung hinsichtlich der Qualität natürlich nicht zu vergleichen!

VaterJanus
10
3.12.2009, 09:30

Das hat __NICHTS__ mit dem Netz zu tun sondern mit der Kodierung der Sprache. Momentan wird GSM 6.10 (korrigiert mich wenn cih mcih irre) für die Kodierung verwendet. Würde man eine Kodierung mit mehr kb/s nehmen, dann würde es natürlich auf älteren Handys länger dauern was zu Verzögerungen führen würde und NEIN man kann nicht die alten mit dem alten Standard fahren lassen und die neuen mit dem neuen da sie untereinander kompatibel sein müssen .

NoComment
00
3.12.2009, 18:18

na geh, mal schnell für 100.000 gleichzeitige telefonate eine bitratenumsetzung zu machen kann ja net so schwer sein ;-)

Heast
00
3.12.2009, 01:34
händi

gibts in österreich schon länger, herr redakteur

monoton
00
3.12.2009, 11:01

er sprach dezidiert vom "digitalen" mobilfunk, und der hat erst mit gsm angefangen

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